Die größten Aufreger des Drittliga-Jahres 2017

Ein turbulentes Jahr neigt sich dem Ende zu. Die 3. Liga hatte nicht nur spannende Spiele zu bieten, sondern auch das Drumherum entwickelte immer wieder hitzige Momente, verbale Auseinandersetzungen und kuriose Geschichten. liga3-online.de blickt in der Kategorie "Aufreger des Jahres" auf elf Momente zurück, die in Erinnerung geblieben sind.

Wieder wurde das Fußballjahr überschattet von einem tragischen Zwischenfall. War es im Jahr 2016 ein Magdeburg-Fan, der aus einem fahrenden Zug stürzte und seinen Verletzungen erlag, so starb im November 2017 ein 35-jähriger Anhänger des Karlsruher SC. Ihm wurde von einem 21-Jährigen, der ebenfalls KSC-Fan ist, unvermittelt ins Gesicht geschlagen, woraufhin der Mann das Bewusstsein verlor und so unglücklich mit dem Kopf aufstieß, dass er sich lebensbedrohliche Verletzungen zuzog. Zwei Tage später verstarb der KSC-Fan im Krankenhaus. Im Gegensatz zum Fall Hannes wurde ein Täter eindeutig identifiziert, schon einen Tag nach dem Vorfall wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen.

 

Im Aufsteigerduell zwischen Jena und Meppen ereignete sich Mitte September die wohl unsportlichste Aktion des Jahres. Nachdem ein FCC-Spieler liegengeblieben war, wollte Nico Granatwoski das Spiel fairerweise unterbrechen und blieb stehen. Sören Eismann spritzte jedoch dazwischen, schnappte sich den Ball, lief unbedrängt auf das Tor zu und traf zum 1:2. Im Anschluss kam es auf dem Platz zu einer großen Rudelbildung, Meppen-Trainer Christian Neidhart tobte nach Abpfiff: "Ich würde mich heute in Grund und Boden schämen, wenn ich Jenaer wäre – unfassbar. Hier wurde das Fair-Play mit Füßen getreten." Eismann selbst entschuldigte sich einen Tag später und beteuerte: "Jeder der mich kennt, weiß, dass ich genauso wenig ein unfairer Spieler bin wie unser Team insgesamt." Dennoch hängt ihm Aktion bis heute an.

 

Einen Spieltag vor Saisonende konnten im Mai mit Fortuna Köln, Werder Bremen II und dem SC Paderborn noch drei Teams absteigen. Das wollte sich Tobias Willers vom VfL Osnabrück – dem das Abschlussmatch gegen Paderborn bevorstand – zu Nutze machen: Er ließ über Marc Heider bei der Bremer Reserve anklopfen, offenbar mit der Intention, für eine besonders gute Leistung gegen die Ostwestfalen einige zusätzliche Taler springen zu lassen. Mit Addy-Waku Menga war ein dritter Spieler verwickelt. Willers wurde daraufhin mit einer dreimonatigen Sperre belegt, kickt mittlerweile für Viktoria Köln in der Regionalliga West. Marc Heider wurde hingegen wieder vollständig in die Mannschaft integriert – ein fader Beigeschmack bleibt haften.

 

Beim Pokalspiel zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC kam es im August zu unschönen Szenen, als sich Unbekannte in beiden Fanlagern mit Pyrotechnik wie Raketen beschossen und dabei wahllos in die Menge zielten. So musste die Partie in der zweiten Halbzeit gleich zwei Mal für insgesamt 18 Minuten unterbrochen werden, zwischenzeitlich stand sogar ein Spielabbruch im Raum. Was für ein Desaster für den Sport, verursacht von einigen Idioten auf den Tribünen. Schlussendlich zahlte Hertha BSC 100.000 Euro, Rostock 30.500 Euro Strafe. Ob das wirklich helfen wird? Dass sich manche Chaoten selbst von heftigen Strafen für den Verein selten von derartigen Handlungen abbringen lassen, ist nach jahrelangen Vorfällen kaum noch von der Hand zu weisen.

 

Kein Verein war so kurz in unserer Berichterstattung präsent wie 1860 München. Mit Pauken, Trompeten und einer Menge geflogener Stadionsitze waren die Löwen gegen Jahn Regensburg aus der 2. Bundesliga abgestiegen – wenige Tage darauf drehte Investor Hasan Ismaik spontan den Geldhahn zu, wollte aufgrund der allgemeinen Unruhe im Verein sowie um seine Person nicht für die Liquidität der Sechziger in der 3. Liga herhalten. Das schnelle und unrühmliche Ende vom Lied: 1860 spurtete direkt in die Regionalliga Bayern durch. Ein paar Breitengrade weiter nördlich knallten dafür die Korken, denn der sportliche Absteiger aus Paderborn blieb in der Liga. Und nutzte diese unverhoffte Chance eindrucksvoll, wie die aktuelle Tabelle zeigt.

 

Auch im Jahr 2017 erwischte es mit dem VfR Aalen und dem FSV Frankfurt gleich zwei Vereine, die im Laufe des Frühjahres Insolvenz anmelden mussten. Während beim VfR verhältnismäßig früh Klarheit herrschte und sich die Mannschaft entgegen der Erwartungen weit vorne in der Tabelle platziert hatte, verkrafteten die Aalener den Abzug von neun Punkten ohne größere Probleme. Beim FSV trat der Worst Case erst ein, als der zweite Abstieg in Folge fast schon besiegelt war. Er kämpft im Übrigen mittlerweile mit minimalem Etat um das Überleben in der Regionalliga Südwest.

 

Wenn Magdeburg und Rostock aufeinandertreffen, dann ist allein aufgrund der Größe der Vereinsumfelder Brisanz garantiert. Doch es krachte im September nicht in den Fanblöcken, sondern im Medienarbeitsraum: Hansa-Coach Pavel Dotchev verließ die Pressekonferenz nach der 0:2-Niederlage seiner Kogge vorzeitig. Warum? Gegenüber Jens Härtel hatte zu Protokoll gegeben, dass sein Spieler Dennis Erdmann – bis Sommer beim FCH unter Vertrag – dort nicht mehr gewollt war. Das wies Dotchev wiederum energisch zurück, auch weil er dies offensichtlich als Angriff auf seine eigene Transferpolitik aufgefasst hatte. Wenig später stand er vor laufenden Kameras auf und verließ die Pressekonferenz mit den Worten "Das ist mir zu viel", ohne seinen Trainerkollegen eines Blickes zu würdigen.

 

Dass Gäste- und Supporterblock der Heimfans direkt angrenzen, ist eine Seltenheit und für Vereine und Sicherheitskräfte meist kein glücklicher Zustand. In der 3. Liga gibt es das unter anderem in Rostock, aber auch in Jena. Als wiederum Rostock bei den Thüringern zu Gast waren, ließen sie sich etwas Besonderes einfallen und warfen mehrere Fische in Richtung der Heimanhänger. Die Reaktionen schwankten von Belustigung über Stirnrunzeln bis zu Ekel und Scham. Der DFB hatte unterdessen eine ganz eigene Meinung und belegte die Kogge unter anderem für diesen Vorfall mit einer Geldstrafe von 5.500 Euro.

 

"Nur Schwuchtel hast du, nur Schwuchtel!“, rief Davy Frick in der Nachspielzeit der Begegnung zwischen dem FSV Zwickau und dem Halleschen FC zu HFC-Coach Rico Schmitt, nachdem er kurz zuvor die Gelb-Rote Karte kassiert hatte. Allerdings schallte seine Wut auch direkt in ein wenige Meter entferntes TV-Mikrofon. So war sein verbaler Ausraster binnen kürzester Zeit in aller Munde. Die Konsequenz: Der DFB sperrte Frick nachträglich für drei Spiele, sodass der 27-Jährige die ersten Partien der Rückrunde verpassen wird. Das ist ein stolzer Preis für einen unbedachten Ausruf.

 

"Denen ist der Erfolg doch zu Kopf gestiegen!“, dachten sich im Bezug auf die Sportfreunde Lotte nicht wenige, als diese zwischen Juli und November insgesamt vier Trainer beschäftigten. Der Abgang von Ismail Atalan zum VfL Bochum – mittlerweile ist er vereinslos – war noch verständlich, doch die Verpflichtung von Oscar Corrochano warf bereits einige Fragen auf. Nur 13 (!) Tage später stand dann Marc Fascher vor der Tür, denn mit Corrochano verstand sich das Team überhaupt nicht. Mit Fascher allerdings ebenso nicht, von Atalan war man schließlich jahrelang anderen Fußball gewöhnt. Nun sitzt Andreas Golombek am Steuer, ein guter Freund des ehemaligen Lotter Erfolgstrainers. Es scheint zu funktionieren. Dennoch muss sich vor allem SFL-Chef Manfred Wilke für sein Trainer-Chaos kritische Nachfragen gefallen lassen.

 

Mitleid hatten in den vergangenen Monaten nicht nur die Fans von Rot-Weiß Erfurt mit sich selbst, sie erhielten aus ganz Deutschland aufmunternden Zuspruch. Mietrückstände, ein sportliches Desaster, Uneinigkeit und Rücktritte auf der Führungsebene und gleich drei Cheftrainer in einer Hinrunde – Erfurt hat das Rezept für Chaos im Profifußball präzise nachgekocht und ordentlich nachgewürzt. Die Konsequenz ist der letzte Tabellenplatz, eine Mannschaft, die in der Winterpause zerfallen könnte, und wahrscheinlich über kurz oder lang die Insolvenz. Der gesamte Verein steht vor einer sehr ungewissen Zukunft.

 

   
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