Fragen und Antworten zum Manipulationsverdacht beim VfL

Droht der 3. Liga ein Manipulationsskandal? Nachdem drei Profis des VfL Osnabrück versucht haben sollen, von Spielern und Verantwortlichen der U23 des SV Werder Bremen Gegenleistungen für einen Sieg gegen den SC Paderborn zu bekommen, ermitteln nun der DFB und die Staatsanwaltschaft. liga3-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

[box type="info" size="large"]"Ein sehr konkreter Verdacht"[/box]

Wie konkret ist der Verdacht?

DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch sprach gegenüber dem "Deutschlandfunk" von einem "sehr konkreten Verdacht". Demnach sollen Osnabrücker Spieler auf Bremer Profis und Verantwortliche zugegangen sein und Geld dafür eingefordert haben, dass man sich im Spiel gegen Paderborn um einen Sieg bemüht. "Es geht aber um einzelne Spieler, der Verein hat damit nichts zu tun", betont Koch und nimmt den VfL damit aus der Schusslinie.

Der Hintergrund: Damit die U23 des SV Werder Bremen den Klassenerhalt schaffen konnte, durfte Paderborn in Osnabrück nicht gewinnen. Letztlich endete die Partie 0:0, Bremen II gewann gegen Aalen mit 1:0 und sicherte sich somit den Klassenerhalt.

Wie wurde der Manipulationsverdacht aufgedeckt?

Laut DFB-Mitteilung sollen sich die Werder-Akteure sofort an den Ombudsmann des DFB für Spielmanipulation und Schiedsrichterwesen, Dr. Carsten Thiel von Herff, gewandt und ihn über die versuchte Einflussnahme informiert haben. "So konnten wir schnell reagieren und großen Schaden vom Spielbetrieb der 3. Liga abwenden", betont Dr. Rainer Koch, der vom Ombudsmann, ein unabhängiger Rechtsanwalt aus Bielefeld, am Donnerstagabend gegen 22 Uhr von den Verdachtsmomenten informiert worden sei. Koch habe daraufhin "unverzüglich den Kontrollausschuss eingeschaltet und Ermittlungen veranlasst." Daneben wurde vom DFB eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt sowie die Ethikkommission informiert.

Was geschah danach?

Am Freitag hat der DFB in Abstimmung mit den Staatsanwaltschaften in Bochum und Osnabrück den VfL Osnabrück im Rahmen eines Ortstermins aufgesucht. Zunächst sei die Vereinsführung über die im Raum stehenden Verdachtsmomente informiert worden, danach sei es zu einer Einzelbefragung mehrerer Spieler durch die anwesenden Vertreter des Kontrollausschusses gekommen – auch mit den unter Verdacht stehenden Spielern wurde gesprochen. "Es wurde in der Ansprache deutlich gemacht, dass jegliche Form der Forderung oder Annahme einer Gegenleistung für eine Einflussnahme auf das Spielergebnis unsportlich und potenziell strafbar sei", heißt es in der DFB-Mitteilung. Im Nachgang der Einzelgespräche habe der Kontrollausschus den Verantwortlichen des VfL Osnabrück die klare Empfehlung gegeben, die drei tatverdächtigen Spieler nicht einzusetzen. Dies wurde von Vereinsseite zugesagt, sodass der Kontrollausschuss davon abgesehen habe, eine vorläufige Sperre zu beantragen.

Warum wurde der Manipulationsverdacht erst unmittelbar nach Spielende veröffentlicht?

Laut DFB sei die Veröffentlichung der erfolgten Maßnahmen auf einen Zeitpunkt direkt nach dem Spiel festgelegt worden, "um den sportlichen Wettbewerb nicht weiter zu beeinträchtigen." Beim VfL ist man über das Vorgehen allerdings wenig erfreut: "Wir verurteilen das, was vom DFB veröffentlicht wurde, auf das Schärfste“, sagte VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Paderborn. Demnach sei vereinbart worden, erst dann die Öffentlichkeit zu gehen, wenn umfassend ermittelt worden sei. Derzeit stehen die Ermittlungen noch am Anfang.

[box type="info" size="large"]Wie es jetzt weitergeht[/box]

Warum nennt der VfL Osnabrück die Namen der Spieler nicht?

Gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" betont Sportchef Lothar Gans, dass es sich aktuell um einen Verdacht handele und die Spieler somit schützen wollen. Sicher ist aber, dass die verdächtigen Spieler am Samstag beim 0:0 gegen Paderborn nicht im Kader standen.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Kontrollausschuss wird "auf Grundlage der bisherigen Gespräche und gewonnenen Erkenntnisse die Ermittlungen intensiv fortsetzen und allen Ansätzen zur Klärung der Vorgänge nachgehen", heißt es. VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend kündigte an: "Wir werden jetzt alles dafür, um Schaden vom Verein abzuwenden. Wir wollen eine rückhaltlose Aufklärung. Unsere Aufgabe ist es aber auch, unsere Spieler vor ungerechtfertigten Verdächtigungen zu schützen."

Legt der SC Paderborn Protest gegen die Spielwertung ein?

Das ist noch offen. Auf Anfrage von liga3-online.de teilte der Verein mit: "Wir prüfen den Sachverhalt, sammeln erst einmal Informationen und werden dann über den weiteren Fortgang termingerecht entscheiden." Wie hoch die Erfolgsaussichten eines Protests wären, ist allerdings offen. Schließlich standen die drei unter Verdacht stehenden Spieler nicht im Kader und konnten somit keinen Einfluss nehmen. Auch DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch sieht kaum Chancen auf einen Protest gegen die Spielwertung: "Paderborn ist als Verein nicht beteiligt gewesen", sagte er dem "Deutschlandfunk".

Welche Konsequenzen hätte es, wenn sich der Manipulationsverdacht bestätigt?

Das ist ebenfalls noch ungewiss. Mit einer Sperre und einer Geldstrafe müssen die drei Profis des VfL Osnabrück aber wohl in jedem Fall rechnen, sofern sich die Vorwürfe erhärten sollten. Im schlimmsten Fall droht den Spielern sogar eine Haftstrafe – zwischen drei und fünf Jahren wären möglich. Dafür reicht seit April 2017, als die Bundesregierung eine Gesetzeslücke beim Sportwettenbetrug geschlossen hat, schon der reine Nachweis eines Versuchs aus.

War der VfL Osnabrück schon mal in einen Manipulationsskandal verwickelt?

Ja, 2009 wurden Marcel Schuon und Thomas Cichon zu einer langen Sperre und einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Allerdings lässt sich dieser Fall nicht ganz mit den aktuellen Ermittlungen vergleichen, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" ausführlich erklärt.

 

   
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