Ogrinc: Harte Arbeit der letzten Wochen zahlt sich langsam aus

Vor einem Jahr noch in den Diensten des Liga-Konkurrenten F.C. Hansa Rostock bringt Alexander Ogrinc nun die Preußen-Keeper in Form. Vor der Auswärtspartie bei seinem Ex-Club sprach liga3-online.de mit dem gebürtigen Badener über die vergangenen Monate und die Arbeit in seinem neuen Verein, über seine Trainingsphilosophien und Helden der Kindheit. Der 45-Jährige und ehemalige Torwart begann seine Karriere als Spieler Mitte der 90er Jahre beim VfB Stuttgart II. Über Arminia Bielefeld, Rot-Weiss Essen, Hessen Kassel und den Wuppertaler SV kam er im Juli 1989 zum SCP, wo er in der drittklassigen Regionalliga insgesamt 48 Partien absolvierte. Nach weiteren Stationen beendete er seine aktive Karriere beim Bonner SC. Anschließend wechselte er in den Trainerstab und fand im Juli 2011 den Weg zum F.C. Hansa. Vor Beginn dieser Jahr zog es ihn dann nach Münster.

liga3-online.de: Herr Ogrinc, am 12. April treffen Sie im Ligaspiel auf Ihren alten Arbeitgeber Hansa Rostock. Freuen Sie sich?

Alex Ogrinc: Natürlich! Ich freue mich riesig auf die Fahrt an die Küste. Ich hoffe, dass ich ein bisschen das salzige Meer riechen und das Möwengeschrei hören kann. Und die tolle Atmosphäre im Ostseestadion ist wirklich für jede Mannschaft einzigartig. Die drei Punkte werden wir allerdings nach Münster entführen.

Wie intensiv verfolgen Sie eigentlich die Entwicklung Ihres alten Arbeitgebers? Gibt es noch Schnittpunkte?

Na klar, ich habe ja auch noch Kontakte an die Küste. Die Telefonleitung nach Rostock glüht schon ab und an – gerade nach Ligaspielen.

Sie sind nun schon fast ein Jahr bei den Adlerträgern aus Münster. Hat sich für Sie etwas verändert mit Ihrem Wechsel zu den Preußen?

Ja, hier in Münster arbeite ich mit den Torhütern der 1. Mannschaft zusammen. In Rostock gibt es ja das Jugendleistungszentrum und ich trainierte jeden Tag zusätzlich zu den Profis die Torhüter der Amateure und die der A- und B-Junioren.

Innerhalb eines Jahres haben Sie mit drei unterschiedlichen Trainern (Marc Fascher, Pavel Dotchev, Ralf Loose) zusammengearbeitet. Was unterscheidet sie bzw. wie gestaltete sich die Zusammenarbeit?

Jeder Trainer hat seine eigene Fußballphilosophie und auch einen eigenen Charakter. Als Co- und auch als Torwarttrainer muss man schnell lernen, sich umzustellen – auf jeden neuen Typ von Trainer. Auch wenn dies Teil des Profigeschäfts ist und von dir erwartet wird, ist es nie so leicht, wie es aussieht. Eine gewisse Schnupperphase gehört immer dazu. Aber man lernt auch gerade dadurch viele unterschiedliche Charaktere kennen. Und das macht Freude.

Um mal konkret zu werden: Wie ist es denn so mit Ralf Loose?

Er lässt mir und meinen Torhütern absolut freie Hand. Seine Forderung an mich ist die, dass meine Jungs am Spieltag in einer Top-Verfassung sind und dass sie uns die Kiste sauber halten. Es ist eine gesunde Basis und eine sehr angenehme Zusammenarbeit, die unheimlich viel Spaß macht.

Worauf legen Sie im Training besonders viel wert?

Das ganze Training ist im Grunde genommen eine Rundumbetreuung. Es beginnt mit der Athletik, die vorhanden sein muss, geht über die Fangsicherheit bis hin zu spielerischen Elementen. Ein Torwart sollte auch immer beidfüßig geschult sein. Es ist wie ein großes umfangreiches Paket, welches im Training abgedeckt werden muss. Aber grundentscheidend ist und bleibt, dass der Torwart am Spieltag topfit ist. Dass er mit einem guten Gefühl ins Spiel geht, um seine optimale Leistung abrufen zu können. Gerade mit Daniel Masuch, der ja schon sehr erfahren ist, spreche ich viele Sachen vorher im Training ab. Er kennt ja auch seinen Körper am besten. Es ist ein großes Geben und Nehmen.

Was erwarten Sie von einer Nummer eins?

(lacht) Dass er kein Tor fängt! Er muss mit seiner Körpersprache überzeugen. Die Mannschaft muss merken, dass da hinten jemand wie ein Fels in der Brandung drin steht und dass ihnen nichts passieren kann. Eine gute Nummer eins muss mitspielen und immer hellwach sein. Mut spielt auch eine große Rolle: wann laufe ich raus, wann pflücke ich die hohen Flanken runter. Der Torwart ist ein Dirigent. Er muss ganz genau wissen, wann streichel ich mein Team und wann haue ich auch mal dazwischen.

Mir wurde mal zugetragen, dass einige Spieler ab und an Ihre Schuhe nach dem Training putzen müssen? Warum?

Nach dem Training schießen wir manchmal von der Mittellinie auf die Torlatte. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass ich treffe. (lacht)

Und die anderen nicht?

Das ist ja die Herausforderung. Aber oft gehe ich als Sieger vom Platz und dann kann es mitunter schon vorkommen, dass der Verlierer meine Schuhe putzen „darf“.

Fahren Sie eigentlich mit dem Fahrrad zum Training?

(lacht) Nein, dafür wohne ich einfach zu weit entfernt vom Stadion und dem Trainingsgelände. In Münster gibt es genügend andere Fahrradfahrer.

Nun zu einem ernsten Thema: Ihr Vertrag in Münster läuft noch bis Juni 2014. Gab es schon Vertragsgespräche?

Nein, derzeit gab es noch keine konkreten Gespräche. Dennoch würde ich gerne hier in Münster bleiben. Im Moment versuchen wir als Team, einfach das Bestmögliche aus uns herauszuholen und mit optimalen Resultaten zu überzeugen. Und so langsam zahlt sich auch die akribische und harte Arbeit der gesamten Mannschaft in den vergangenen Wochen aus.

Um nochmal beim Vertrags-Thema zu bleiben: Kürzlich konnte man einem Artikel einer großen überregionalen Zeitung entnehmen, dass ein Ex-Armine Sie nach Südafrika locken wollte.

Ja, mein alter Trainer Ernst Middendorp (Anm. d. Redaktion: derzeit Trainer des südafrikanischen Erstligisten Bloemfontein Celtic) rief mich neulich ganz überraschend an. Und klar, ich habe mich natürlich gefreut, dass er sich an mich erinnerte.

Und wie lautete die Antwort?

Ich möchte ganz klar hier bei den Preußen meinen Vertrag erfüllen und mache auch keinen Hehl daraus, dass ich gerne bleiben möchte. Außerdem sind wir den Fans hier nach der schlechten Hinrunde noch was schuldig. Wir müssen die Saison einfach vernünftig beenden.

Wo stehen denn die Adler am Saisonende?

(breites Grinsen im Gesicht) Punktgleich mit Hansa Rostock auf Platz vier der Tabelle, aber aufgrund des besseren Torverhältnisses vor den Rostockern.

Und jetzt mal ernsthaft?

Ich sehe uns definitiv unter den ersten zehn der Tabelle.

Noch fünf Fragen zum Abschluss mit der Bitte um möglichst schnelle und kurze Antworten!

Wie fühlt sich für Sie ein Sieg an?

Phänomenal. Du schaust in die Augen der Spieler, in ihre frohen Gesichter und weißt, wir haben es gepackt.

Worauf können Sie nicht verzichten?

(breites Grinsen) Liegestütze.

Wann denken Sie nicht an Fußball?

Beim Sex.

Nennen Sie einen Helden Ihrer Jugendzeit.

Wickie!

Sie meinen den Wikinger??

(lacht laut) Ja, genau der! (singt) Hey hey Wickie…

Beschreiben Sie sich in drei Worten!

Ich bin eine Frohnatur und schaue immer der Sonne entgegen. Ich bin ausgeglichen und irgendwie mit der Welt im Reinen. Okay, das waren jetzt mehr als drei Worte…

In der Tat – jedoch alle sehr zutreffend und passend. Vielen Dank für das Interview und für Sie und Ihrem Team weiterhin alles Gute und optimale Erfolge in der Liga!

 

 

   

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