Vier Gründe für den Höhenflug des VfL Osnabrück

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Magere 37 Zähler standen am Ende zu Buche, Rang 17 reichte gerade so für den Klassenerhalt – die vergangene Saison beim VfL Osnabrück war eine zum Vergessen. Umso erstaunlicher ist der aktuelle Höhenflug des Thioune-Teams. Osnabrück grüßt von der Tabellenspitze, zeigt sich enorm konstant und könnte in der Endabrechnung gar die Überraschung der aktuellen Spielzeit werden. Doch wie wird eigentlich innerhalb weniger Monate aus einem Kellerkind ein Spitzenteam? liga3-online.de nennt vier Gründe.

Grund 1: Starke Defensive als Trumpf

Die 3. Liga ist ein wahres Haifischbecken. Das zeigte sich in den vergangenen Jahren immer wieder. Kaum ein Experte vermochte die jeweiligen Spitzenteams vorauszusagen, kaum eine taktische Marschroute erwies sich als dauerhaftes Erfolgsrezept. Eine Konstante kristallisiert sich allerdings mehr und mehr heraus: Die defensive Stabilität wird immer wichtiger. So landeten in den vergangenen drei Spielzeiten jeweils die Teams mit den wenigsten Gegentoren auf den ersten drei Rängen.

Auch in der laufenden Saison scheint sich ein entsprechendes Bild zu bestätigen: Tabellenführer Osnabrück kassierte lediglich fünf Gegentreffer, stellt damit die beste Abwehr der Liga. Und das, nachdem die Niedersachsen noch in der vergangenen Saison ligaweit die drittmeisten Tore hinnehmen mussten – nämlich satte 67.

Grund 2: Neuzugänge schlagen ein

Die neugewonnene defensive Stabilität ist dabei alles andere als ein Zufallsprodukt. Zu nicht unerheblichen Teilen erklärt sie sich über das neue Personal an der Bremer Brücke. Ob Torhüter Nils Körber, Innenverteidiger Maurice Trapp, der es zuletzt zweimal in Folge in unsere "Elf des Monats" schaffte, oder auch Ulrich Taffertshofer im defensiven Mittelfeld – die neuen haben die anfällige VfL-Defensive merklich stabilisiert.

Doch nicht nur hinsichtlich des Abwehrverbundes saßen die Transfers. Das Team um Sportdirektor Benjamin Schmedes leistete in der Sommerpause ganze Arbeit, holte aus einem abermals engeren finanziellen Spielrahmen das Maximum heraus. So wurde die Aufgabe des erneuten Kaderumbruchs nahezu mustergültig bewältigt. Ausschließlich ablösefreie Akteure wechselten an die Bremer Brücke, der Qualitätsgewinn zeigte sich trotzdem umgehend. Bestes Beispiel: Manuel Farrona Pulido. Bei Ligakonkurrent Fortuna Köln hatte man sich in der vergangenen Saison mehr vom Linksaußen erwartet, die Vertragsauflösung war die Folge. Der VfL schlug zu – und der Offensivmann zahlte das Vertrauen zurück. Farrona Pulido blüht im Osnabrücker Land regelrecht auf und kommt bereits auf drei Treffer in zehn Einsätzen.

Grund 3: Osnabrücks ungeahnte Effizienz

Die Suche nach Schwächen im VfL-Kader gestaltet sich schwierig – zu konstant präsentiert sich das Team derzeit. Wenn man so will, könnte lediglich die vergleichsweise niedrige Trefferquote als Defizit herangezogen werden. Insgesamt 14 erzielte Tore bedeuten bei weitem keinen Spitzenwert in der Liga. Bei genauerer Betrachtung scheint allerdings auch hier eher eine Stärke als eine Schwäche zu liegen.

Denn die Lila-Weißen legen eine beeindruckende Effizienz an den Tag. Auch Kellerteams wie Aalen und Meppen kommen auf 14 erzielte Treffer, jedoch mangelt es beiden an der Balance zwischen Abwehr und Offensive. Hier überzeugen die Osnabrücker jedoch wie keine andere Mannschaft. So kletterte der VfL mit seiner effizienten Spielweise nicht nur an die Tabellenspitze, auch das Torverhältnis des Thioune-Teams (+9) sucht ligaweit seinesgleichen.

Grund 4: Nervenstärke eines Spitzenteams

Stellt sich eigentlich nur noch die Frage, ob dem VfL überhaupt etwas fehlt, um als wirklicher Aufstiegsaspirant, als echtes Spitzenteam zu gelten. So mancher verwies diesbezüglich auf die fehlende spielerische Klasse in mehreren Partien sowie das eine oder andere glückliche Ergebnis. Doch welcher Aufsteiger der letzten Jahre überzeugte im Saisonverlauf ausnahmslos? Die Antwort ist kurz: Keiner.

Vielmehr zeichneten sich die Top-Teams gerade dadurch aus, trotz schlechterer Leistungen geduldig zu bleiben und so am Ende dennoch zu punkten. Auch Qualitäten dieser Art stellte der VfL Osnabrück bereits unter Beweis – etwa beim späten Ausgleich im Heimspiel gegen 1860 München oder dem Last-Minute-Siegtreffer gegen die Würzburger Kickers. Auch bei den Spielen gegen Köln und Zwickau blieb der VfL geduldig und gewann jeweils mit 1:0. Klar ist somit: Die Tabellenführung nach elf Spieltagen ist verdient.

   
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