Nach Wutrede: Geldstrafe für Jan Löhmannsröben

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© imago/Picutre Point

Die Wutrede von Jan Löhmannsröben nach dem Spiel des 1. FC Kaiserslautern in Zwickau hat Konsequenzen: So wird der Kontrollausschuss beim DFB-Sportgericht den Antrag stellen, den 27-Jährigen mit einer Geldstrafe in Höhe von 1.200 Euro zu belegen. Das gab der FCK am Donnerstag bekannt – und will sich nun beraten.

"Der soll Cornflakes zählen gehen"

Es waren deutliche Worte des Mittelfeldspielers, wie man sie in der Öffentlichkeit von mediengeschulten Profispielern selten gehört hat: "Der soll Cornflakes zählen gehen, erstmal in der Kreisliga pfeifen und die Augen auf machen", wütete Löhmannsröben vor zweieinhalb Wochen im "Telekom"-Interview in Richtung Schiedsrichter Markus Wollenweber, nachdem dieser in der 90. Minute einen überaus umstrittenen Elfmeter für den FSV Zwickau gepfiffen hatte. "Eine absolute Frechheit, da platzt mir die Krawatte", schimpfte der 27-Jährige anschließend. "Keine Ahnung, was sich der Schiedsrichter dabei gedacht hat. Ich hoffe, er kann eine Woche lang nicht pennen." Im ARD-Interview legte Löhmannsröben später sogar noch nach: "Du wirst hier von so einem Eiermaler betrogen. Eine Frechheit. So betrogen zu werden, tut weh."

Das Echo war enorm: Dutzende Zeitungen, Online-Portale und TV-Sender berichteten über das Interview, das in Fan-Kreisen bereits Kult-Status erreicht hat. Während Löhmannsröben in der breiten Öffentlichkeit für seinen offenen Worte gefeiert wurde, leitete der DFB bereits einen Tag nach dem emotionalen wie bemerkenswerten Interview Ermittlungen ein und forderte den 27-Jährigen zu einer Stellungnahme auf. Am Donnerstag wurde bekannt: Löhmannsröben soll eine Strafe in Höhe von 1.200 Euro zahlen. "Wir haben den Antrag des DFB-Kontrollausschusses zur Kenntnis genommen und werden nun intern darüber beraten", so Sportvorstand Martin Bader auf der FCK-Homepage. "Bis nächste Woche Donnerstag haben wir Zeit, zu dem vorliegenden Antrag Stellung zu beziehen. Grundsätzlich werden wir als Verein Jan vollumfänglich unterstützen." Wie Trainer Michael Frontzeck auf der Pressekonferenz am frühen Nachmittag durchblicken ließ, wird die Strafe wohl aus der Mannschaftskasse bezahlt.

Löhmannsröben entschuldigte sich

Über die Social-Media-Kanäle des FCK entschuldigte sich der Mittelfeldspieler am Tag nach der Wutrede für seine Wortwahl: "Dass ich (…) im Interview direkt nach dem Spiel vielleicht ein wenig emotionaler bin, sorry." Löhmannsröben betont: "Vielleicht war meine Wortwahl nicht optimal, aber ich wollte zu keinem Zeitpunkt irgendjemanden beleidigen oder persönlich angreifen. Ich habe meinen Frust mit meinen Worten wiedergegeben, so rede ich." Dabei sei er kein Typ, der "sich vor der Kamera verstellt". Und als er die Szene im Interview mit der "Telekom" zum ersten Mal sah, "konnte ich nicht anders als meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen", begründet der Mittelfeldspieler seine Wutrede.

Die entscheidende Szene in der 90. Minute, die letztlich zum Elfmeter für den FSV Zwickau führte, sah Löhmannsröben so: "Ich habe einen Ellenbogen ins Gesicht bekommen und wir haben durch einen unberechtigten Elfmeter in der Nachspielzeit wichtige Punkte verloren." Für den Neuzugang aus Jena war es ein "klares Foul", man sehe deutlich, "dass ich nach dem Schlag das Gleichgewicht verliere."

"Klare Fehlentscheidung"

Auch liga3-online.de-Experte Babak Rafati bestätigte in seiner Analyse: "Löhmannsröben geht zum Ball, wird jedoch von König mit dem Ellenbogen im Gesicht getroffen und kommt dadurch zu Fall. Beim Fallen reißt er die Arme hoch und spielt den Ball mit den Händen. Ursache des Handspiels ist allerdings das vorangegangene Foulspiel von König, wenngleich dies keine Absicht war – doch ist nicht relevant. Es liegt ein Stürmerfoul vor, es somit hätte Freistoß für Kaiserslautern geben müssen. Hier einen Strafstoß für Zwickau zu geben, ist eine klare Fehlentscheidung."

Um gegen den DFB zu protestieren, schickten Fans aus ganz Deutschland in der vergangenen Woche Cornflakes-Pakete zur DFB-Zentrale nach Frankfurt. Über 1.000 Packungen kamen beim DFB an, der die unbeschädigten Pakete nun an die Tafel Deutschland spenden will.

Die Wutrede im Video:

   
  • schraegdenker

    Dieser blöde Bratwurst-Verein DFB. Unerträglich diese diktatorischen Verhaltensweisen!

  • Philipp Schramm

    Schade, das der DFB die Wahrheit nicht verträgt. Leider gibt es immer mehr Fehlentscheidungen seitens der Schiedrichter.
    Aber das scheint dem DFB egal zu sein. Getreu dem Motto, was der Schiri sagt (pfeift) gilt auch. Aber wehe, ein Spieler sagt mal die "Wahrheit". Dann gibt es gleich eine Straße, wie jetzt für Löhmansröben, oder auch beim HFC bei Manu.
    Bei de Situationen waren mehr als umstritten, sowohl der Elfmeter in Zwickau, als auch die rote Karte für Manu in Uerdingen.
    Bei solchen fragwürdigen Entscheidungen seitens der Unparteiischen darf man man sich nicht wundern, wenn ein Spieler auch mal ein paar etwas härtere Worte findet.

    • DM von 1907

      Sei mal vorsichtig mit dem Begriff "Wahrheit"! Dem Schiedsrichter bei allem berechtigten Ärger Betrug vorzuwerfen, verbietet sich einfach. Vor langer Zeit soll einmal Jürgen Klopp Kevin Großkreutz ein Interviewverbot verpasst haben – wohl in weiser Voraussicht, dass dabei nichts Gutes herauskäme … ;-) Heute ist es leider Mode geworden, dass jeder meint, sich vor der Kamera hemmungslos auskotzen zu dürfen. Da musste schon ein Riegel vorgeschoben werden. Auch finde ich es kein gutes Zeichen, wenn jetzt die Strafe aus der Mannschaftskasse bezahlt werden sollte, denn damit gibt der Verein das – falsche – Zeichen, dass man das Ganze nicht ernst nimmt, sondern lieber weichspült.

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