Alles, was ihr zum Saisonfinale wissen müsst

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Die wirklich allerletzten zehn Spiele dieser unterhaltsamen und kurzweiligen Drittliga-Saison stehen kurz bevor, aber in nur vier von ihnen werden die letzten Entscheidungen getroffen: Wer steigt ab, wer bleibt in der 3. Liga? 15 Klubs können Spieler verabschieden, Abschlussfeste feiern und ihre Fans mit entspanntem Fußball verwöhnen. Wir aber blicken heute auf die Brennpunkte.

Die Ausgangslage

Zwischenzeitlich sah es am 37. Spieltag ganz danach aus, als wolle uns der Abstiegskampf ein noch spannenderes Finale bieten – Fortuna Köln aber verlor trotz Führung bei 1860 München und stieg vorzeitig ab, während die Löwen sich retteten. Weil auch Unterhaching zu 99 Prozent durch ist, reduzierte sich das "Bewerberfeld" um die zwei noch offenen Türchen zur Regionalliga auf fünf. Eintracht Braunschweig und Energie Cottbus treffen dabei im direkten Duell aufeinander, beide können sich mit einem Sieg auf jeden Fall retten. Gleiches gilt für Carl Zeiss Jena im Heimspiel gegen 1860 München und die SG Sonnenhof Großaspach bei Fortuna Köln. Die Sportfreunde Lotte derweil können nichts tun, außer ihre Partie zu gewinnen und auf Patzer von Großaspach und Jena zu hoffen. Zu 90 Prozent sind die SFL abgestiegen.

Was sonst passiert ist

In der Regionalliga Nord hat sich der VfL Wolfsburg II für die Aufstiegsspiele qualifiziert, er trifft auf den FC Bayern München II aus der Bayern-Staffel.

Vor einem kleinen Geldsegen steht Preußen Münster: Für den 19-jährigen Stürmer Cyrill Akono will der FSV Mainz 05 offenbar bis zu 300.000 Euro auf den Tisch legen. Wichtiges Geld für die Adlerträger, die die Zulassung für die kommende Saison bislang nicht in der Tasche haben.

 

Showdown im Keller: Zwei aus Fünf

Abstiegskampf #1: Fortuna Köln gegen Sonnenhof Großaspach

Puh, das ist eine unangenehme Rolle, die Fortuna Köln im Abstiegskampf spielt. Aufgeben ist verboten, allein aus Respekt vor jenen Gegnern, die auf Schwächen des Dorfklubs angewiesen sind oder zumindest lauern. Aber: Die personelle Lage ist zusätzlich zum mentalen Tiefpunkt äußerst ernst, zehn Spieler fehlen den Domstädtern beim Abschiedsspiel aus der 3. Liga. Dass Oliver Zapel, der unter Tränen den Abstieg in München hinnahm, einst für den Gegner aus Großaspach tätig war, ist eine kleine, gleichwohl nicht zu unterschätzende Randnotiz. Aber seien wir ehrlich: Erst recht nach dem 5:2-Erfolg der Aspacher gegen Zwickau rechnet am Samstag kaum jemand mit einer Niederlage der SG Sonnenhof.

Abstiegskampf #2: Carl Zeiss Jena gegen 1860 München

Für die einen ist es eine entspannte Saisonabschlussfahrt, für die anderen geht es um das Überleben im Profifußball: Jena gegen 1860 – jene Paarung, bei der vor einem halben Jahr Lukas Kwasniok als Coach der Thüringer debütierte und seinen ersten als auch für lange Zeit einzigen Sieg ergatterte. Doch als ein jeder den heißen Abstiegskandidaten abgeschrieben hatte, da folgte die Wiederauferstehung mit nunmehr fünf Erfolgen aus sechs Spielen. Jetzt sieht die Aufgabe schrecklich einfach aus: Drei Zähler gegen Sechzig und die Klasse wäre in jedem Fall gerettet. Doch schon ein Remis könnte zu wenig sein. Wie erinnern uns an die Stuttgarter Kickers, wir erinnern uns an Energie Cottbus im denkwürdigen Saisonfinale 2016. Samstag ist eine ähnliche Entwicklung nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich.

Abstiegskampf #3: Eintracht Braunschweig gegen Energie Cottbus

Ohne Drama kann Blau-Gelb nicht! Der lange totgesagte Klub aus Niedersachsen fand mit dem Jahreswechsel zurück in die Spur und schaffte es tatsächlich, sich mit einem aufstiegsreifen Punkteschnitt zu rehabilitieren. Nur die Vollendung, sprich der Klassenerhalt, der Strich unter eine immer noch völlig enttäuschende erste Drittliga-Saison, ist ausgeblieben. Dafür hätte es schon Punkte beim Halleschen FC gebraucht. Stattdessen geht jetzt die Angst um – das Schreckensende der Vorsaison hat sich fest eingeprägt. Und plötzlich scheint dieser eine Punkt so fern, so kompliziert zu erreichen…

Energie Cottbus braucht sogar alle drei Punkte, gerade ein Remis könnte im Worst Case einen äußerst bitteren Abstieg mit 45 Punkten bedeuten. Mit zuletzt drei Siegen aus vier Spielen stimmt zumindest die Form. Trainer Claus-Dieter Wollitz spricht von einer "brandgefährlichen Situation" – er will um jeden Preis eine Neuauflage des Abstiegs von 2016 verhindern, als der FCE einen 2:1-Vorsprung gegen Mainz 05 II noch verspielte und durch die 2:3-Pleite letztlich in die Viertklassigkeit rutschte.

Abstiegskampf #4: Sportfreunde Lotte gegen die Würzburger Kickers

An den Aussagen von SFL-Trainer Ismail Atalan ließ sich ableiten, dass der Glaube an den Ligaverbleib am Autobahnkreuz nur noch minimal ist. Er rechnete schon nach der 0:3-Niederlage in Unterhaching mit der Transferpolitik der Sportfreunde ab, sein Verbleib in Lotte ist offen. Gibt es Gründe, an das Wunder zu hoffen? Viel Optimismus ist nötig, um etwa feststehenden Absteigern einen Sieg gegen die direkte Konkurrenz zuzutrauen. Und dann müssen die Sportfreunde schließlich auch noch die eigenen Hausaufgaben absolvieren und die in der Rückrunde deutlich verbesserten Würzburger schlagen. Wir lehnen uns aus dem Fenster und sagen: Lotte hat keine realistische Chance mehr, in der 3. Liga zu bleiben.

 

   

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