Verletzungsschock bei RWE: Kleiner Kader wird zum Verhängnis
Das Spiel gegen Viktoria Köln hat Rot-Weiss Essen am Samstag zwar gewonnen, dafür mit Tony Menzel und Max Geschwill aber zwei Stammspieler für eine längere Zeit verloren. Der kleine Kader wird jetzt zum Verhängnis. Eine kommentierende Analyse.
Nur noch 19 Feldspieler
Ganz bewusst, so hatte es auch Trainer Uwe Koschinat betont, entschieden sich die Verantwortlichen bei Rot-Weiss Essen im Sommer dazu, nicht auf einen aufgeblähten Kader, sondern ein eher überschaubares Angebot zu setzen, um die Trainingsintensität möglichst hoch zu halten. Dieses genügt in der Spitze ohne Frage auch höheren Ansprüchen, in der Breite wird es jedoch schnell eng. So stehen gerade mal 21 Feldspieler zur Verfügung. Damit stellt Rot-Weiss Essen das kleinste Aufgebot aller Klubs. Durch die Ausfälle von Tony Menzel (Bänderverletzung) und Max Geschwill (Kniegelenksreizung) verbleiben nun lediglich 19 Feldspieler.
Vor allem im zentralen Mittelfeld wird es jetzt eng, da Menzel der einzige nominelle Achter im Kader ist. Zwar könnte Neuzugang Nick Bätzner seine Rolle wie schon am Samstag gegen die Viktoria übernehmen, ist allerdings eher im offensiven Mittelfeld zu Hause. Ruben Reisig, der am vergangenen Spieltag erst gar nicht im Kader stand, wäre ebenfalls noch eine Option, fungiert aber eher als Sechser.
Damit steht RWE vor einem Problem, das auch die Verpflichtung eines vereinslosen Spielers nicht sofort beheben würde. Schließlich bräuchte der neue Mann zunächst eine gewisse Eingewöhnungszeit – vor allem dann, wenn er schon länger nicht mehr gespielt hat. Auf dem Markt sind etwa Marco John, Julian Green (beide zuletzt in Fürth), Elijah Krahn (zuletzt 1. FC Saarbrücken), Thore Jacobsen (zuletzt 1860 München), Marcel Sobottka (zuletzt VfL Bochum) und Diego Demme (zuletzt Hertha BSC).
Kraulich-Rückkehr wohl kein Thema
Auch in der Innenverteidigung gibt es mit José Enrique Ríos Alonso und Ben Hüning zwei Kandidaten für den Geschwill-Ersatz. Einer wird spielen, der andere wird auf der Bank Platz nehmen. Dahinter gibt es dann nur noch Youngster James Gnagnon, der noch ohne Profierfahrung ist. Viele Fans wünschen sich daher nun die Rückkehr von Tobias Kraulich, der zum Ende der vergangenen Saison keinen neuen Vertrag erhalten hatte und als einziger der Essener Sommer-Abgänge noch ohne Verein ist. Der "WAZ" zufolge soll der 27-Jährige aber kein Thema sein.
Neben Kraulich wären auch Spieler wie Moritz Heyer (zuletzt Fortuna Düsseldorf), Robin Knoche (zuletzt Arminia Bielefeld) und Robin Bormuth (zuletzt 1. FC Saarbrücken) verfügbar. Sofortige Verstärkungen wären sie allesamt aber wohl nicht. Denkbar daher, dass die Verantwortlichen keinen Ersatz für Geschwill verpflichten werden, zumal der 25-Jährige ohnehin nicht mehrere Monate fehlen wird. Doch sollte sich im Laufe der Hinrunde ein weiterer Innenverteidiger schwerer verletzen, stünde RWE vor demselben Problem.
Es zeigt sich: Die Entscheidung, trotz großer Ambitionen auf einen kleinen Kader zu setzen, wird den Essenern nun zum Verhängnis. Zwar war es Pech, dass sich gleich zwei Spieler in einer Partie schwerer verletzt haben, doch auch für dieses Szenario sollte vorgesorgt sein. Ein Team, das um den Aufstieg mitspielen will, muss auf allen Positionen mindestens doppelt und gleichwertig besetzt sein. Das ist bei Rot-Weiss Essen jedoch nicht der Fall.