SVM-Trainer Neidhart: "Die Strafe ist nicht verhältnismäßig"

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Ein Mann, ein Wort (zu viel): Christian Neidhart, Trainer des SV Meppen, hat wenige Tage vor dem Heimspiel gegen den SC Preußen Münster unliebsame Post vom DFB bekommen. 1.000 Euro muss er zähneknirschend bezahlen, weil er vor einigen Wochen kritische Worte für die Schiedsrichterleistung fand. Jetzt spricht er darüber, aber auch über die aktuelle Verfassung der Mannschaft.

"Ich habe doch nur die Wahrheit gesagt"

Nein, auf den Referee braucht man Christian Neidhart aktuell nicht ansprechen – das verhagelt ihm lediglich die Laune. Einen Tausender möchte der DFB von ihm haben, weil er sich unsportlich gegenüber dem Unparteiischen geäußert hatte, als dieser im Heimspiel gegen Würzburg eben nicht nach den angezeigten drei Minuten Nachspielzeit abpfiff, sondern erst nach vier Minuten. Das reichte den Gästen damals, um den entscheidenden Treffer zu erzielen. "Die Strafe ist gemessen am Gehalt, das in der 3. Liga gezahlt wird, nicht verhältnismäßig", sagt der 50-Jährige heute. Als Beispiel führt er den ehemaligen Leverkusener Coach Roger Schmidt an, der 2016 nach einem Innenraumverweis von Schiedsrichter Bastian Dankert sich minutenlang weigerte, auf die Tribüne zu gehen. "Das wäre fast ein Abbruch gewesen“, erinnert sich Neidhart. Trotzdem musste Schmidt, der einen mittleren einstelligen Millionenbetrag verdiente, dafür "nur" 15.000 Euro zahlen. Neidhart: "Und ich habe doch nur die Wahrheit gesagt."

Abstiegsplatz ist Ergebnis aus "Riesenpech" und späten Gegentreffern

Damit ist das Geschehen für den Cheftrainer der Emsländer dann auch abgehakt. Viel wichtiger ist schließlich das anstehende Heimspiel gegen den Tabellenzweiten Preußen Münster, befindet sich der SVM doch durch die späte 0:1-Niederlage bei Sonnenhof Großaspach vorläufig wieder auf einem Abstiegsplatz. Zwar sagt Neidhart: "Die Tabelle interessiert mich aktuell nicht", doch ein gewisser Druck ist nicht zu verkennen. "Innerlich bin tiefenentspannt", so Neidhart, "denn wir hatten in einigen Spielen Riesenpech und leider auch zu oft Punkte spät aus der Hand gegeben." Großaspach war das jüngste Beispiel. Da rackerten die Niedersachsen, spielten gut, aber belohnten sich nicht und kassierten in Unterzahl schließlich spät in der Nachspielzeit das 0:1. Ein mentaler Tiefschlag, der eine Woche darauf wieder abgehakt sein muss.

Seine Startelf wird der Übungsleiter gegen Münster ein wenig umbauen müssen. Innenverteidiger Marco Komenda war es, der in der zweiten Halbzeit die Ampelkarte kassierte und damit am 13. Spieltag erstmals wird aussetzen müssen. Steffen Puttkammer, vor einigen Wochen am Knöchel verletzt und anschließend nicht mehr für die Startformation berücksichtigt, steht als Ersatz bereit. Preußen Münster erwartet Neidhart offensivstark, "und mit Kobylanski haben sie einen Spieler, der allein durch seine Standardsituationen den Unterschied machen kann."

Proschwitz ist "ein feiner Kerl"

Der SV Meppen könnte stattdessen den erfahrenen Nick Proschwitz, kürzlich aus der Vertragslosigkeit verpflichtet, in der Spitze aufbieten. Allerdings ist dieses Szenario zumindest zum Anpfiff unwahrscheinlich. "Er braucht noch ein paar Wochen, ihm fehlt die Spielpraxis", lässt Neidhart zumindest durchblicken. "Und wir haben mit Deniz Undav einen Stürmer, der immer besser mit seiner Rolle zurechtkommt." Dass Proschwitz so oft auf seinen Vorfall im türkischen Trainingslager beim damaligen Verein SC Paderborn reduziert wird, findet Neidhart schade. "Es war diese eine Schlagzeile, die ihm jetzt nachhängt." Der 50-Jährige betont viel lieber, wie gut sich Proschwitz in den Mannschaftsverbund eingefügt habe. "Er ist ein ganz feiner Kerl, der die jungen Spieler sofort zur Seite nimmt. Dass er für uns auch finanziell Abstriche gemacht, ist ihm ebenso hoch anzurechnen."

Leistungen waren besser als der Tabellenplatz

Klar ist: Drei Punkte müssen her, auch wenn der Tabellenzweite kommt. Dafür will der SV Meppen auf den guten Heimspielen gegen Braunschweig und 1860 München aufbauen. "Das waren Leistungen, die unserem Tabellenplatz überhaupt nicht angemessen waren, sondern deutlich besser", sagt Neidhart. Was er nun gerne einleiten würde, ist das, was den kommenden Gegner durch die vergangenen Wochen getragen hat: Eine Erfolgssträhne soll es laut Neidhart sein. "Das nötige Spielglück dafür hätten wir uns mittlerweile redlich verdient."

   

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