Stuttgarter Kickers: Die Chronik eines Abstiegs

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Wer sich die aktuelle Tabelle der 3. Liga anschaut, reibt sich womöglich immer noch ungläubig die Augen: Unterhaching, Uerdingen, Osnabrück heißen die Top 3 nach sechs Spieltagen. Rostock, Karlsruhe, Kaiserslautern, Braunschweig – alle in Tabellenhälfte zwei. Überraschungen oben wie unten – Geschichten in der 3. Liga können unerwartet ausgehen. Das verdeutlicht der Fall der Stuttgarter Kickers.

Ein Blick in die Historie

Gut 26 Jahre ist es bereits her: In der Saison 1991/92 spielten die Stuttgarter Kickers zum letzten Mal in der Bundesliga. Nicht besonders lange, nicht besonders erfolgreich: Nach nur einem Jahr der Erstklassigkeit stand der traditionsreiche Verein auf Platz 17 und fiel damit zurück in die 2. Bundesliga. Dennoch bleibt dieses Jahr historisch: So hoch spielten die Kickers nie wieder – und werden es auf Sicht wohl auch nicht mehr. Seit dem Jahr 2000 pendelten die Stuttgarter zwischen der Regionalliga Süd und, nach deren Einführung, der 3. Liga. Kurzzeitig sah es so aus, als könnte die Mannschaft aus dem Gazi-Stadion unterm Fernsehturm wieder oben anklopfen – dann folgte ein beispielloser Abstieg.

2014/2015 – Aufstiegskampf

Die Stuttgarter Kickers waren ganz nah dran, die Früchte einer beeindruckenden Entwicklung aufzusammeln. Drei Jahre zuvor stiegen die Kickers unter Dirk Schuster aus der Regionalliga Süd auf, es folgten der Klassenerhalt unter Trainer Massimo Morales (Platz 17) und eine Saison im Mittelfeld unter Horst Steffen (Platz 8) in den Folgejahren. Doch 2014/15, vor drei Jahren, war es ganz knapp: Mit 65 Punkten, und damit nur zwei Punkte hinter dem Drittplatzierten Holstein Kiel, schlossen die Kickers eine erfolgreiche Saison ab, die durchaus mit dem Aufstieg in das Unterhaus hätte enden können: Auch der MSV Duisburg und Arminia Bielefeld waren mit 71 respektive 74 Punkten nicht allzu weit entfernt. Es reichte nicht ganz, anstatt der Kickers ging Holstein Kiel in die Relegation gegen den TSV 1860 München. Der Aufstiegshunger war geweckt.

2015/2016 – Abstieg in letzter Minute

Doch bekanntlich kam alles ganz anders. Mit dem Aufstieg hatten die Stuttgarter Kickers herzlich wenig zu tun, im Gegenteil: Abstiegskampf hieß die neue Realität. Und diese fand ein tragisches Ende für die Stuttgarter. Am letzten Spieltag der Saison erwischte es auch die Kickers: In der 87. Minute der finalen Partie gegen den Chemnitzer FC kassierte der SVK ein entscheidendes 0:1, gleichzeitig traf der ebenso bedrohte Konkurrent Wehen Wiesbaden in der Nachspielt zum 3:1 gegen Mitabsteiger VfB Stuttgart II. Somit zog der SVWW, ebenso wie die Zweitvertretung Werder Bremens, punktgleich mit dem Vorsprung eines einzigen Treffers in der Tordifferenz an den Kickers vorbei, die plötzlich auf Platz 18 rutschten und somit in die Regionalliga gingen.

2016 bis Heute: Immer weiter nach unten

Was folgte, war der beispiellose Abstieg eines noch vor kurzem als Aufstiegsaspirant geltenden Drittligisten: In der Regionalliga Südwest hielt man eine Saison lang unter Trainer Tomasz Kaczmarek die Klasse, beendete die Saison auf Platz 13. In der nächsten klappte das nicht: Platz 17 unter Coach Jürgen Seeberger, erneuter Abstieg in die fünfte Liga. Seit Sommer spielen die Stuttgarter in der Oberliga Baden-Württemberg, stehen nach fünf Spieltagen bei zwei Siegen, einem Remis und zwei Niederlagen erneut nur auf einem Platz im grauen Mittelfeld. Das letzte Spiel gegen den 1. FC Normannia Gmünd nutzten die Kickers, um sich den Frust aus dem Leib zu schießen: Nach nur drei Toren in den ersten vier Partien schossen die Blauen den Konkurrenten mit 4:0 aus dem Stadion. Eine erste Leistungssteigerung, die Hoffnung weckt. Die Fans sind den Kickers in jedem Fall treu geblieben: Zu den ersten drei Heimspielen strömten im Schnitt 2.410 Zuschauer in das Stadion im Stadtteil Degerloch – ein beachtlicher Wert für einen Fünftligisten. Und vielleicht kann der Blick irgendwann wieder nach oben gerichtet werden.

   

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