"Kommt natürlich viel zu spät": Aues Sieg als "Balsam für die Seele
Am 36. Spieltag fährt Erzgebirge Aue den ersten Sieg der Rückrunde ein. Am späten Sonntagabend traten die Veilchen entfesselt auf und machten ein 5:3 aus einem 1:3 gegen den FC Ingolstadt. Drei Tore gingen auf das Konto von Julian Guttau, der sich seine Zukunft angesichts der Eigenwerbung offen hält – so, wie vermutlich jeder derzeit im Erzgebirge.
Erster Sieg seit Dezember
Zunächst lief alles wie immer in dieser Saison. Aue gewährte Ingolstadt große Lücken in der Abwehr, sodass die Schanzer mit einem komfortablen 3:1-Vorsprung in die Kabine gingen. "Wir haben in der ersten Halbzeit wieder vieles falsch gemacht, wieder ein paar Dinge angesprochen", erklärte Interimscoach Khvicha Shubitidze bei "Magenta Sport", dass die Veilchen wieder und wieder in alte Muster verfielen. Doch in der zweiten Hälfte bäumte sich Aue auf – und wie! Aus dem klaren Rückstand machte das Erzgebirge einen 5:3-Sieg.
"Wir haben schon in den vorherigen Spielen immer wieder Rückstände aufgeholt, was für die Mentalität der Mannschaft spricht, und dafür, dass sie zuhören", fand Shubitidze. So erlebten die mitgereisten Fans eine unerwartete Wiederauferstehung ihres Teams. Denn es war der erste Sieg seit Dezember und damit auch der erste Erfolg in der Rückrunde. Der Interimscoach war erleichtert: "Das hat allen Jungs gut getan. Wenn ich in die Gesichter sehe, dann macht mich das glücklich. Auch die Fans freuen sich. Heute hat es sich gelohnt, nach Ingolstadt mitzukommen."
"Wir können Fußball spielen"
Ein besonderes Lob erhielt natürlich Julian Guttau, der den ersten Dreierpack seiner Karriere erzielte. "Julian ist schon ein kleiner Zauberer. Wenn es läuft, dann läuft es", so Shubitidze. Aber der 51-jährige Trainer erkannte auch die Wahrheit dahinter: "Schade, dass es nicht so viele solcher Tage bei ihm gab." Und das sah auch Guttau ganz ähnlich, denn auch beim Spieler und der Mannschaft war eine große Last zu spüren, die von den Schultern abfiel. "Was in den Köpfen abging, ist schwierig zu beschreiben. Das ist Balsam für die Seele, auch, wenn es natürlich viel zu spät kommt", so Guttau. Der 26-Jährige muss, wie jeder andere im Erzgebirge auch, Eigenwerbung betreiben. Und ein Sieg wie in Ingolstadt kann erlösend wirken.
"Wenn so ein kleines Erfolgserlebnis kommt, dann spielt man sich auch mal in den Rausch rein. Man sieht, dass wir Fußball spielen können. Aber wir haben es diese Saison leider oft viel zu spät gezeigt", erklärte Guttau, der sich seine eigene Zukunft offen hält. Sein ursprünglich bis 2027 laufender Vertrag wird in der Regionalliga seine Gültigkeit verlieren. "Jeder versucht im Sommer bestmöglich unterzukommen", sprach der 26-Jährige an, dass nun viele Spieler um ihre Zukunft spielen. Möglicherweise auch in Aue: "Ich werde schauen, was der Verein vorhat. Aber ich lasse mir auch alles offen", so Guttau ehrlich. Eine legitime Meinung, die der Offensivspieler sicherlich nicht als Einziger in der Mannschaft vertreten wird.