Dotchev-Rückkehr: Nachvollziehbar, aber skurril

Das kam überraschend: Pavel Dotchev wird nur 189 Tage nach seinem Aus am 1. Juni zum dritten Mal Trainer bei Erzgebirge Aue, soll den Klub vor dem zweiten Abstieg in Folge bewahren. Auf der einen Seite ist die Entscheidung der Klub-Bosse nachvollziehbar, auf der anderen Seite mutet diese Rückholaktion doch sehr skurril an. Ein Kommentar.

Kein Trainer hat mehr Erfahrung

Nun ist die Katze aus dem Sack, Pavel Dotchev wird mal wieder Trainer im Erzgebirge und damit fast sein eigener Nachfolger. Denn vor dem erfolglosen Intermezzo von Timo Rost an der Seitenlinie zu Saisonbeginn war es Dotchev, der neben dem Job als Sportchef die Auer auch als Trainer fungierte und mit dem Klub im Frühjahr aus der zweiten in die dritte Liga abgestiegen war. Zuvor war der 57-Jährige schon von Juli 2015 bis Februar 2017 bei den Sachsen in der Verantwortung.

Aus pragmatischer Sicht leuchtet die Re-Installation des Deutsch-Bulgaren ein. Mit 294 Drittliga-Spielen als Trainer verfügt niemand über mehr Erfahrung in dieser Spielklasse. Hinzu kommen noch 176 Spiele in der einst drittklassigen Regionalliga. Auch im Abstiegskampf kennt sich der Coach bestens aus, meisterte ähnliche Situationen schon mit dem MSV Duisburg und Preußen Münster.

Auch aus finanzieller Sicht war der Schritt der Auer Bosse clever. Denn der einstige Libero stand bei den Veilchen ohnehin noch unter Vertrag. Neues Geld musste – im Gegensatz zu einer externen Lösung – deshalb nicht in die Hand genommen werden. Das Sparschwein des Klubs wird diesen Schritt dankend zur Kenntnis genommen haben. Doch genau das lässt die Verpflichtung skurril erscheinen.

Juristische Streitereien und Kritik am Ex-Klub

Denn die Trennung von Dotchev nach dem Abstieg verlief nicht geräuschlos. "Menschlich ist das schwierig, aber nach der letztjährigen Höllensaison gehen wir es mit brutaler Konsequenz an. Wir brauchen eine Aufbruchstimmung", sagte der damalige Präsident Helge Leonhardt am 1. Juni zur Trennung. Diese führte dazu, dass sich beide Seiten in juristischen Belangen stritten. Denn Dotchev hatte einen unbefristeten Vertrag. Wie dieser beendet werden sollte, darüber wurde man sich nicht einig. Für den 19. Januar 2023 war ein Kammertermin angesetzt. Der sich nun erledigt haben dürfte.

Dotchev wird also wieder bei dem Verein Trainer, mit dem er sich nicht friedlich auf eine Vertragsauflösung einigen konnte. Immerhin ist Helge Leonhardt nicht mehr Präsident, nachdem er Mitte September nach dem schwachen Saisonstart zurückgetreten war. Auch sein Zwillingsbruder Uwe ist nicht mehr Teil des Aufsichtsrats, was die Wogen zwischen Klub und Dotchev geglättet zu scheinen hat.

Doch zuvor war die Stimmung angespannt, Dotchev ließ es sich auch nicht nehmen, den Klub Ende August für viele Entscheidungen zu kritisieren. Drei Punkte hatte die Mannschaft damals aus sechs Spielen geholt, stand auf dem vorletzten Tabellenplatz. Seiner Einschätzung nach hatte sein (Ex-)Klub "die Liga unterschätzt. Das muss man so klar sagen. Jetzt fangen sie erst an, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen. Natürlich braucht ein Umbruch Zeit, aber man hat sich die 3. Liga zu einfach vorgestellt". Nun ist mit ihm ein Experte zurück, dem das nicht passieren wird.

   
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