Die größten Aufreger des Jahres 2016

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© Hübner

Das Drittliga-Jahr 2016 hat nicht nur sportlich, sondern oftmals auch außerhalb des Platzes für Schlagzeilen gesorgt. liga3-online.de fasst die zehn größten Aufreger des Jahres zusammen.

Der Tod von FCM-Fan Hannes S. hat ganz Deutschland erschüttert. Kurz nachdem der 25-Jährige in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober am Bahnhof Haldensleben in der Nähe von Magdeburg in einen Zug gestiegen war, geriet er mit Fans des Halleschen FC, die sich auf der Rückreise von einem Auswärtsspiel befanden, in einen Streit. Nach Polizeiangaben soll sich Hannes S. von den rivalisierenden Hallensern bedroht gefühlt und die Tür-Notentriegelung betätigt haben. Ob der 25-Jährige selbstständig (aus Panik) aus dem Zug sprang, durch einen Unfall aus dem fahrenden Zug stürzte oder hinausgestoßen wurde, ist nach wie noch unklar – Video-Aufzeichnungen zu dieser Szene sind nicht vorhanden.

Ebenso fraglich ist, warum der Zug trotz geöffneter Tür weitergefahren ist. Erst eine Stunde nach dem Vorfall wurde der 25-Jährige schwerverletzt rund 300 Meter vom Bahnhof Haldensleben entfernt gefunden und in ein Krankenhaus gebracht. Dort erlag er, nachdem er zuvor in ein künstliches Koma versetzt worden war, Mitte Oktober seinen schweren Verletzungen. Der Fußball geriet in den Tagen danach in den Hintergrund: Vor dem Spiel in Erfurt spielten sich bewegende Szenen ab, eine Woche später erwiesen ihm die FCM-Fans die letzte Ehre. Das wenig später anstehende Derby gegen den HFC stand ebenfalls im Zeichen des Todes von Hannes. Viele Hallenser verzichten aus Respekt auf die Anreise zum Derby, Hannes' Bruder hielt vor dem Spiel zudem eine bewegende Rede.

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Wenn der 1. FC Magdeburg zu Heimspielen in der MDCC-Arena antritt, feuern die FCM-Fans ihr Team nicht nur mit lautstarken Gesängen, sondern auch mit rhythmischem Hüpfen an. Doch genau ist mittlerweile ein Problem. Da das Hüpfen dem Bauwerk des Stadions stärker als bislang angenommen schadet, appellierte die Stadt Magdeburg Mitte November an die Zuschauer: "Bitte unterlasst das Hüpfen auf den Rängen!" Was anfangs noch belächelt wurde, war wenig später nicht mehr lustig.

Nach einer durch die Stadt erstellten Nutzungsuntersagung aller Tribünen wollte der FCM ausgerechnet das Derby gegen den Halleschen FC ohne Zuschauer austragen. Erst ein seitens der Fans angebotener Hüpfverzicht hat das Geisterspiel knapp 24 Stunden vor Anpfiff noch abgewendet. Am Ende fanden sich über 19.000 Zuschauer in MDCC-Arena ein und hielten sich an das Hüpfverbot. Derzeit prüft die Stadt, inwiefern bauliche Anpassungen am Stadion vorgenommen werden können. Wann wieder gehüpft werden kann, ist noch offen.

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Mit einem 2:2 beim 1. FC Magdeburg machte Dynamo Dresden den Aufstieg in die 2. Bundesliga am 16. April bereits vier Spieltage vor Saisonende perfekt. Eigentlich ein Grund zum Feiern, doch jener 16. April hinterließ einen faden Beigeschmack. Bereits vor dem Spiel war es zu Ausschreitungen vor dem Gästeblock gekommen, da einige Dynamo-Fans ohne Ticket ins Stadion wollten. Die Polizei sperrte die Eingänge und setzte Pfefferspray ein – mehrere Personen wurden verletzt. Auch als das Spiel schon lief, standen knapp 700 Dresdner Anhänger noch immer vor geschlossenen Toren – dabei blieb es auch. Als Veranstalter entschied der 1. FCM, den wartenden Fans kein Einlass mehr zu gewähren.

Einige Anhänger, die zu diesem Zeitpunkt im Stadion waren, sorgten nach dem Ausgleichstreffer der SGD ebenfalls für Aufregung, als sie Feuerwerkskörper in einen angrenzenden Magdeburger Block feuerten. Aufgebrachte FCM-Fans stürmten daraufhin durch eine Pufferzone in Richtung des Gästeblocks, Ordnungskräfte und die Polizei mussten ein direktes Aufeinandertreffen verhindern. Knapp fünf Minuten war die Partie unterbrochen, danach ging es ohne Zwischenfälle weiter. Die anschließende Aufstiegsfeier in Dresden verlief am späten Abend dann ebenfalls nicht wie geplant. Dynamo sprach im Anschluss von "asozialen Hohlköpfen" und einem "Aufstieg mit gemischten Gefühlen".

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Nach dem Auswärtsspiel des FSV Frankfurt in Zwickau war Roland Vrabec, Trainer des Zweitliga-Absteigers, nicht mehr zu halten. Der Grund: "Wenn unser Spieler Shawn Barry am Ball ist und dann Affenlaute gerufen werden, die ganz klar in die rassistische Richtung gehen, kann ich es einfach nicht tolerieren", monierte er gegenüber dem "MDR". Konkret ging es um Shawn Barry, der sich einige Tage nach dem Spiel so äußerte: "Bereits während des Spiels habe ich vereinzelt Beschimpfungen gehört, auch das Wort Nigger. Beim Gang in die Kabine gab es ebenfalls Zuschauer, die Affen imitiert haben."

Der FSV Zwickau stritt die Vorwürfe zunächst ab, räumte während der DFB-Verhandlung am 1. Dezember jedoch ein, dass es möglicherweise doch rassistische Rufe gegeben haben könnte. So reduzierte der DFB das zunächst angedachte Strafmaß von 18.000 auf 13.000 Euro. Video- und Ton-Aufnahmen von den Affenlauten liegen übrigens nicht vor, das Urteil stützt sich ausschließlich auf Zeugenaussagen. Ein Umstand, den der FSV Zwickau im Nachgang der Verhandlung kritisierte. 

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Es war der unrühmliche Höhepunkt des Spitzenspiels zwischen Lotte und Duisburg am 4. Dezember: Als MSV-Spieler Baris Özbek nach einer Tätlichkeit die rote Karte sah, rastete der 30-Jährige völlig aus. Erst trat er den am Boden liegenden Pires-Rodrigues, dem er zuvor erneut ins Gesicht gefasst hatte, mit dem Fuß auf die Fersen, dann teilte er mit beiden Ellenbogen gleichzeitig gegen Nico Granatowski und Alexander Langlitz aus, Letzterer bekam Sekunden später einen weiteren Schlag ab und sank – wenn auch etwas theatralisch – zu Boden.

Die Folge war eine heftige Rudelbildung, Özbek musste von mehreren Spielern und Betreuern zurückgehalten und vom Platz gezerrt werden, setzte dabei aber noch zur Kopfnuss gegen André Dej an. Letztlich war es Simon Brandstetter, der den 30-Jährigen vom Platz führte. Am Tag danach gab Özbek gegenüber einem türkischen TV-Sender an, beleidigt worden zu sein. Der DFB blieb dennoch hart und sperrte den 30-Jährigen für acht Spiele (Drittliga-Rekord). Außerdem musste er eine vereinsinterne Geldstrafe in Höhe von 8.000 zahlen.

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Dass Abstiege immer dramatisch und bitter sind, ist bekannt. Doch als Energie Cottbus und die Stuttgarter Kickers im Mai den bitteren Gang in die Regionalliga antreten mussten, kam es zu unschönen Szenen. In beiden Stadien stürmten aufgebrachte Anhänger den Rasen, in Stuttgart wurden Spieler zum Teil sogar von Vermummten attackiert. Die Polizei musste einschreiten, konnte die Lage aber schnell unter Kontrolle bringen.

Der Platzsturm in Cottbus verlief unterdessen "friedlicher". "Die Fans waren genauso enttäuscht, sauer, traurig wie wir. Sie wollten nur ihren Frust loswerden und haben uns ein paar Takte erzählt, das ist absolut nachvollziehbar. Es gab dann sogar tröstende Worte", hatte Fabio Kaufmann Verständnis für den Platzsturm.

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Wenn Aue und Zwickau aufeindertreffen, brennt die Luft. Beim Landespokal-Finale im Mai haben beide Anhänger dies jedoch zu wörtlich genommen. Schon unmittelbar vor dem Anpfiff zündeten Anhänger aus Zwickau Pyrotechnik und Leuchtraketen, sodass sich der Anstoß um einige Minuten verzögerte. Während es in der Folge weitestgehend ruhig blieb, kam es in der 83. Minute zu hässlichen Szenen. Aus dem Gästebereich flogen mehrere gezielt abgeschossene Leuchtraketen in den angrenzenden Auer Block, von wo aus sie zurück in Richtung der Zwickauer Anhänger geworfen wurden. Die Polizei brachte sich in Stellung, die Partie musste unterbrochen werden. Insgesamt wurden mehrere Personen verletzt, davon drei im Gesicht.

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Auch beim DFB-Pokalspiel zwischen dem 1. Magdeburg und Eintracht Frankfurt kam es am 21. August zu Krawallen. Kurz nach Beginn der 2. Halbzeit feuerten Frankfurter Anhänger Leuchtraketen in einen angrenzenden Heimblock, woraufhin auf der gegenüberliegenden Seite einige FCM-Fans in den Innenraum stürmten. Die Polizei musste aufmarschieren, um einen Platzsturm zu verhindern. Auch einige Spieler eilten herbei, um ihre Anhängerschaft zu beruhigen. Schiedsrichter Markus Schmidt bat beide Mannschaften in die Kabinen und unterbrach die Partie für insgesamt elf Minuten. Die Konsequenz: Magdeburg wurde vom DFB zu zwei Teilausschlüssen verurteilt, auch Frankfurt wurde mit einer harten Strafe belegt.

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Die Aufregung war groß, als Mitte Februar eine Nachricht die Runde machte, wonach der F.C. Hansa Rostock beim Spiel in Magdeburg am 5. März keine Tickets für den Gästeblock erhalten würde. Der Grund war eine Gefahreneinschätzung seitens der Polizei. Nach weiteren Gesprächen zwischen dem Verein und der Polizei erhöhte der 1. FC Magdeburg das Kartenkontingent zwar auf 700, löste damit jedoch einen Sturm der Entrüstung in beiden Fanlagern aus. Erst nach einem gemeinsamen Gespräch zwischen Vertretern beider Vereine erhielt Hansa das volle Kontingent von 2.000 Karten. Ein Vertrauensvorschuss, denn beide Fanlager aber rechtfertigen: Das Spiel ging ohne Zwischenfälle über die Bühne.

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Auch das Aufeinandertreffen beider Vereine am 5. November blieb friedlich, jedoch sorgten einige Hansa-Fans mit dem Zünden von Pyrotechnik für Aufregung. Da dichter Nebel durch das Stadion zog, musste die Partie zwei für Mal insgesamt sechs Minuten unterbrochen werden. Die Folge: Auch aufgrund diverser anderer Vorfälle widerrief der DFB am vergangenen Freitag – einen Tag vor Heiligabend – ein im November 2015 ausgesprochenes Bewährungsurteil und verhängte ein Geisterspiel.

Somit muss die Kogge das erste Heimspiel nach der Winterpause gegen Jahn Regensburg ohne Zuschauer austragen. Wie die Kogge mitteilte, entgehen dem Verein damit Einnahmen zwischen 250.000 und 300.000 Euro. Zusätzlich muss Hansa eine Strafe von 10.000 Euro zahlen und darf die Südtribüne (Heimat der Ultras) in den ersten fünf Heimspielen nach dem Geisterspiel – also gegen Halle, Aalen, Köln, Paderborn und Duisburg – nur für maximal 2.000 Zuschauer öffnen. Ein drastisches Urteil für die Kogge.

 

   

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