Wer muss runter? Der Abstiegskampf im Check

Vier Teams erwischt es wie jedes Jahr, acht Spieltage vor Schluss gibt es naturgemäß den einen oder anderen heißen Kandidaten. Wen müssen wir in acht Wochen in Richtung Regionalliga verabschieden? Ein Blick auf die neun Mannschaften, die sich noch kleinere oder größere Sorgen um den Verbleib in der 3. Liga machen müssen.

Die benötigte Punktzahl, um die 3. Liga zu sichern, wird in diesem Jahr höchstwahrscheinlich nicht annähernd in Richtung der 45-Punkte-Marke gehen. Deshalb, und weil die Kölner schon 37 Zähler und derer neun Vorsprung auf Rang 17 auf dem Konto haben, ist der Ligaverbleib nur noch Formsache. Der 2:1-Sieg gegen Wiesbaden war ein Kraftakt, überhaupt sind die Rheinländer seit Mitte dieser Spielzeit ein mehr als solides Mittelfeldteam – vergessen ist der verkorkste Auftakt, trotz dessen die Kölner an Trainer Olaf Janßen festhielten. Nicht die schlechteste Entscheidung, lässt sich da im Nachhinein sagen. Einzig das Restprogramm (darunter Magdeburg, Lautern, Braunschweig) hat es in sich.

 

Auch für den Halleschen FC sieht es schwer nach einem weiteren Jahr in der 3. Liga aus, es wäre dann bereits das elfte in Serie. Dabei erinnern sie sich an der Saale noch ganz genau an den schweren Winter, an die sieglosen Monate November bis Januar, die Trennung von Florian Schnorrenberg. Und jetzt: 13 Punkte aus den vergangenen sechs Spielen, ja selbst Rivale Magdeburg wurde geärgert. Neun Spiele Zeit bleiben für die letzten fünf, sechs Punkte, was Formsache sein sollte. Selbst der kürzliche Corona-Ausbruch, der zur Absage des Spiels gegen Freiburg II führte, dürfte den HFC und seinen bis dato sehr erfolgreichen Trainer Andre Meyer nicht mehr aus der Bahn werfen. Dass der Verein seinen Ambitionen nichtsdestotrotz hinterherläuft, bleibt der andere Teil der Wahrheit – nun ist Zeit, die Planung für ein besseres Jahr 2022/23 aufzunehmen.

 

Schieben wir doch gleich noch ein Krisenkind dieses Winters hinterher: Wie viele Anhänger der Duisburger Zebras hatten vor ein, zwei Monaten noch das Gefühl: "Jetzt passiert es, dieses Jahr sind wir fällig." Ein durchaus prominent besetzter Kader schien so gar nicht miteinander zu harmonieren, zuhause gab es fette Niederlagen, noch immer stellt der MSV die schlechteste Drittliga-Defensive mit 55 Gegentoren. Die 17 Niederlagen "toppt" nur Schlusslicht Havelse. Was soll es: Zuletzt war die Reaktion der Weiß-Blauen unter dem endlich angekommenen Cheftrainer Hagen Schmidt unverkennbar, vier Siege gab es in fünf Spielen. Darunter ganz wichtige gegen die direkte Konkurrenz Türkgücü und Würzburg, zuletzt half in Meppen auch der Gegner mit zwei roten Karten fleißig mit. Weil die Konkurrenz patzte, deutet jetzt sogar einiges auf einen vorzeitigen Klassenerhalt hin. Wer das Anfang Februar prognostiziert hätte, wäre an der Wedau für verrückt erklärt worden. Dann trat Ivo Grlic zurück – und kurz danach kam die Wende.

 

Nachdem das Jahr richtig gut begonnen hatte, ist diese Saisonphase eine zähe für den FSV Zwickau. Fünf Spiele warten Joe Enochs und Co. nun auf einen Erfolg, beim 0:0 im Nachholspiel bei Viktoria Berlin wäre dieser verdient gewesen, immerhin hielten die Schwäne aber einen direkten Konkurrenten auf Distanz. Trotzdem wird immer klarer: Die Sachsen behalten ihren Zwei-Jahres-Turnus aufrecht, auf eine starke Saison (wie 2020/21, 2018/19 und 2016/17) folgt eine mühsamere, in der die 50-Punkte-Marke wohl verfehlt wird. Solange die Berliner ihr bescheidenes Niveau nicht mehr verbessern und Würzburg nicht zu einer Mega-Serie ansetzt, braucht man sich aber noch keine Sorgen zu machen um den FSV, der auch noch ein weiteres Nachholspiel gegen Verl in der Hinterhand hat.

 

29 Punkte nach 30 Spielen sind schon dürftig. Aber der Fakt, dass Viktoria Berlin schon 17 Zähler aus den ersten acht Partien dieser Saison geholt hatte, zwischenzeitlich Tabellenführer war und ohne diesen Traumstart sang- und klanglos als Absteiger so gut wie feststehen würde, macht die Lage noch ein wenig aussichtsloser. Ohne Tolcay Cigerci fehlt diesem Team das Herzstück, Platz 20 in der Rückrundentabelle ist angesichts von bereits zehn sieglosen Spielen in Folge schon seit einiger Zeit gepachtet, und auch der Trainerwechsel von Benedetto Muzzicato hin zu Farat Toku hat nicht sofort gezündet. Bis Ende April warten noch etliche anspruchsvolle Spiele (Osnabrück, Magdeburg, Saarbrücken), aus denen Siege Pflicht sind. Sonst ziehen die Würzburger noch vorbei. Einzig aufgrund des Elf-Punkte-Abzugs für Türkgücü stehen die Himmelblauen derzeit noch über dem Strich.

 

Aus dem Achtzehnten Würzburg würde mit Türkgücüs Abzug schon einmal der Siebzehnte, und von da aus ist die Strecke in den sicheren Hafen nicht mehr weit. Als die Konkurrenz, von Berlin über Verl bis Havelse, zuletzt massiv schwächelte, nutzte der FWK seine wohl letzte Chance. Das 3:1 gegen die Dortmunder Reserve nach 0:1-Rückstand, der 1:0-Sieg in Wiesbaden mit einem Herzschlagfinale tief in der Nachspielzeit – genau diese Momente braucht ein Verein, der von den sportlich Totgesagten auferstehen will. Und ob Türkgücü, Köln, Berlin, Halle, Meppen oder Zwickau: Das Restprogramm besteht zum Großteil aus machbaren Losen, mindestens eine hohe Dreißiger-Punktzahl ist absolut realistisch. Wer weiß, vielleicht genügt das Ralf Santelli, sich zum Retter der Unterfranken aufzuschwingen. Fünf Siege aus den letzten acht Spielen will der 53-Jährige mindestens holen – dann hätten die Kickers 42 Punkte auf dem Konto. Dafür muss sich allen voran die Offensive nun konstant beweisen, 27 Treffer aus 30 Spielen sind immer noch eine eigentlich nicht drittliga-taugliche Bilanz.

 

Trainerwechsel, Stadionwechsel – in Verl werden derzeit fast alle Register gezogen, um den Wiederabstieg zu verhindern. Wer weiß, wann sich die Ostwestfalen das nächste Mal durch dieses berüchtigte Nadelöhr Regionalliga West quetschen könnten? Doch das schwere zweite Jahr verdiente sich seinen Namen allemal: Wehrt sich der Sportclub gegen die etlichen Negativerlebnisse teils beachtlich, so fehlt es immer wieder an der nötigen Reife. Die vorzeitige Trennung von Trainer Guerino Capretti, dessen Wechsel zu Dynamo Dresden viel über das Ansehen in der Branche verrät, hat den erhofften Impuls bislang nicht gebracht, Nachfolger Michél "Mitch" Kniat hat die ersten drei Partien allesamt verloren, dabei zuletzt sogar Topscorer Kasim Rabihic zuletzt aus dem Kader gestrichen. Jetzt steht der SCV mit dem Rücken zur Wand: Aus dem Trio Havelse (A), Zwickau (H) und Freiburg II (H), die Heimspiele finden ab sofort in Paderborn statt, müssen etliche Punkte her, denn danach wartet ein hammerhartes Finale mit Spielen gegen Magdeburg und Saarbrücken.

 

Es soll nicht sein: Am 25. Spieltag hatte der kleinste aller Drittligisten noch berechtigte Hoffnung, ein Wunder zu vollbringen, just den SV Meppen mit 3:0 besiegt. Die folgenden fünf sieglosen Spiele, darunter waren einige gegen direkte Kontrahenten, lassen den direkten Wiederabstieg angesichts von bereits sieben Punkten Rückstand auf das rettende Ufer nun naherücken. Nur 24 Tore in 30 Spielen reichen einfach nicht, um im Rennen gegen Abstieg ordentliche Chancen zu haben. Mehrere Corona-Ausfälle erschwerten die Situation zuletzt zusätzlich. Letzte Chance: das Heimspiel gegen Verl am Samstagnachmittag.

 

Mit zwei Siegen in Folge, darunter ein bemerkenswerter 2:1-Erfolg gegen Tabellenführer Magdeburg, sendete Türkgücü München zuletzt ein sportliches Lebenszeichen. Viel nützen wird der Coup aber wohl nicht, denn durch den vor einer Woche nochmals bestätigten Elf-Punkte-Abzug belegt der insolvente Klub den letzten Tabellenplatz und hat vor den letzten acht Spielen bereits acht Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Aufgegeben hat Trainer Andreas Heraf die Hoffnung auf den Klassenerhalt zwar noch nicht, doch derzeit ist nichtmal klar, ob Türkgücü die Saison überhaupt zu Ende spielen kann. Nach aktuellem Stand ist nur noch die kommende Partie gegen Wehen Wiesbaden am Samstag gesichert. Sollte Türkgücü den Spielbetrieb anschließend einstellen, würden alle Ergebnisse annulliert, was zu teils erheblichen Verwerfungen im Auf- und Abstiegskampf führen würde. Außerdem würden die Münchner endgültig als Absteiger feststehen. Wie es weitergeht, könnte sich am nächsten Donnerstag entscheiden. Für diesen Tag hat Insolvenzverwalter Max Liebig zu einer Betriebsversammlung geladen. Unterdessen gibt es Gerüchte, wonach Türkgücü eine Finanzspritze von FCS-Boss Hartmut Ostermann erhalten könnte. Zumindest von Vereinsseite ist das aber umgehend dementiert worden. Auch ein Gehaltsverzicht der Spieler steht im Raum, um die Kosten zu senken. Doch unabhängig davon, welches Szenario eintritt, wird sich Türkgücü mit sehr großer Wahrscheinlichkeit aus der 3. Liga verabschieden.

   

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