Strittige Szenen im DFB-Pokal: Die Analyse von Babak Rafati

Das 2:1 für Karlsruhe, die rote Karte gegen Althaus, ein Rückpass von Freiburg, das 3:0 für Freiburg, das 1:1 von Köln, das 1:0 für Elversberg sowie die gelb-rote Karte gegen Bielefelds Felix. In den Pokalspielen der Drittligisten hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de sieben strittige Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga- & FIFA-Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 56-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter seit März 2015 jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf arbeitet Rafati heute als Mentalcoach für Profifußballer und Manager und ist ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, unter anderem bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation. Mehr Infos unter babak-rafati.de.

Szene 1: Eine Hereingabe von Danyal Zor verlängert Moritz Broschinski ins Zentrum, wo Sebastian Jung zum 2:1 für Karlsruhe trifft. Münster reklamiert Abseits von Ben Ferhat, Schiedsrichter Florian Badstübner gibt den Treffer. [TV-Bilder – ab Minute 4:00]

Babak Rafati: Beim Zuspiel auf die linke Angriffsseite steht Ferhat in Abseitsposition, allerdings läuft er zunächst zum Ball und lässt das Spielgerät dann aber weiter zu einem Mitspieler, der zum Zeitpunkt des vorangegangenen Zuspiels aus dem Mittelfeld nicht in Abseitsposition stand. Dadurch, dass Ferhat regeltechnisch nicht eingreift, liegt eine richtige Entscheidung vor, weiterlaufen zu lassen und den anschließenden Treffer anzuerkennen. Die Nicht-Abseitsposition ist nicht nur mit der Nichtberührung des Balles begründet, sondern auch dadurch, dass er nicht entscheidend eingreift und zudem keinen Verteidiger auf sich zieht, irritiert oder behindert.

Szene 2: Für ein Foulspiel an Santeri Väänänen (Karlsruhe) sieht Samuel Althaus (Münster) die rote Karte. [TV-Bilder – ab Minute 4:35]

Babak Rafati: Diese Foulentscheidung ist unstrittig. Althaus trifft seinen Gegenspieler Väänänen mit den Stollen über dem Knöchel, sodass ein gesundheitsgefährdendes Foulspiel vorliegt. Man sieht auch sehr gut das Trefferbild und die schiefe Fußhaltung des Angreifers durch das Foulspiel, sodass die rote Karte eine absolut richtige Entscheidung ist. Sehr gut vom Schiedsrichter erkannt – und das ohne VAR.

Anmerkung der Redaktion: Der nicht gegebene Elfmeter für Münster konnte aufgrund fehlender TV-Bilder nicht analysiert werden.

 

Szene 3: Freiburg-Keeper Mio Backhaus nimmt einen Rückpass von Philipp Lienhart (Freiburg) mit der Hand auf, Schiedsrichter Robert Hartmann pfeift nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:45]

Babak Rafati: Lienhart spielt den Ball kontrolliert und bewusst zum eigenen Keeper Backhaus zurück, der daraufhin den Ball aufnimmt. Das ist regeltechnisch ein Rückpass bzw. ein Zuspiel, sodass der Keeper den Ball nicht hätte aufnehmen dürfen. Somit hätte es dort, wo der Keeper den Ball aufnimmt, einen indirekten Freistoß für Düsseldorf geben müssen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen und das Vergehen nicht zu ahnden. Selbst der Assistent auf dieser Seite ist verwundert, was offensichtlich ist. Er bleibt auf der Höhe des Keepers stehen, weil er auch mit einem Pfiff rechnet. Er hätte aber die Möglichkeit gehabt, die Fahne zu heben und den Schiedsrichter auf seinen Irrtum aufmerksam machen dürfen.

Szene 4: Nach einer Kopfball-Verlängerung trifft Lucas Kübler zum 3:0 für Freiburg. Düsseldorf moniert Handspiel, der Treffer zählt. [TV-Bilder – ab Minute 4:30]

Babak Rafati: Für die Beurteilung von Handspielvergehen gilt, dass die Grenze zwischen Schulter und Arm (bei angelegtem Arm) unten an der Achselhöhle verläuft. Kübler spielt den Ball nicht mit dem Arm, vielmehr mit der Schulter bei angelegtem Arm, sodass der Treffer regulär ist.

 

Szene 5: Liam Omore (Würzburg) wird an der Seitenlinie von Said El Mala (Köln) zur Seite geschubst, gepfiffen wird die Aktion nicht. Stattdessen gibt Schiedsrichter Martin Petersen einen Einwurf, aus dem das 1:1 fällt. [TV-Bilder – ab Minute 5:05]

Babak Rafati: El Mala nimmt im Zweikampf gegen Omore beide Arme zu Hilfe, streckt sie am Oberkörper des Gegenspielers aus und schubst ihn dadurch klar um, sodass Omore an der Seitenlinie zu Fall geht und den Ball nicht mehr kontrollieren kann. Das ist ein Foulspiel, somit hätte es einen Freistoß für Würzburg geben müssen. Eine Fehlentscheidung, dieses Schubsen ungeahndet und weiterspielen zu lassen. Somit hätte der anschließende Treffer nicht mehr fallen dürfen

 

 

Szene 6: Im eigenen Strafraum geht Rasim Bulic (Duisburg) gegen Noah Darvich (Elversberg) zu Fall, Schiedsrichter Dr. Max Burda lässt weiterlaufen. Auch Patrick Sussek (Duisburg) geht anschließend noch zu Boden, wieder wird nicht gepfiffen. Kurz danach fällt das 1:0 für Elversberg. [TV-Bilder – ab Minute 1:25]

Babak Rafati: Bei beiden Situationen liegt im Zweikampf sicherlich eine leichte Berührung vor, allerdings sind das keine Foulspiele. Bei der ersten Situation, kommt es zu einem leichten Verstolperer des Verteidigers, den er aber selbst verursacht. Bei der zweiten Szene spielt der Duisburger den Ball, und der Angreifer trifft nur ins Leere. Man stelle sich vor, diese Szenen wären andersherum gegen einen Angreifer gewesen, dann wäre auch niemals ein Elfmeter fällig. Die Frage nach einer Abseitsposition – sowohl beim langen Ball auf die linke Angriffsseite als auch beim entscheidenden Pass in den Strafraum – stellt sich in beiden Szenen auch nicht, sodass eine richtige Entscheidung vorliegt, weiterspielen zu lassen und den anschließenden Treffer anzuerkennen.

 

Szene 7: Nach einem Zweikampf im Mittelfeld gegen Marlon Faß (Großaspach) sieht der bereits verwarnte Joel Felix (Bielefeld) von Schiedsrichter Felix Bickel Gelb-Rot. [TV-Bilder – ab Minute 5:05]

Babak Rafati: Faß startet einen guten Angriff, dabei kommt Felix im Zweikampf einen Moment zu spät, stellt ihm ein Bein, bringt ihn schlussendlich zu Fall und stoppt damit einen guten Angriff. Auch wenn die Aktion sicherlich unbeabsichtigt ist, liegt ein Foulspiel vor, das eine gelbe Karte nach sich zieht, weil eben eine gute Angriffssituation unterbunden wird. Dafür gibt es richtigerweise neben dem Freistoß die gelbe Karte. Da Felix bereits verwarnt war, sieht er infolgedessen die gelb-rote Karte. Somit eine richtige Entscheidung.

 

 

   

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