Negativrekord und Defensive: Die Gründe für Havelses Abstieg

Aus Wut wurde Hoffnung – doch diese kam zu spät. Nach der 0:4-Niederlage gegen den SC Verl ist der TSV Havelse endgültig abgestiegen. Mit Blick auf die Tabellensituation in der Hinrunde kommt das kaum überraschend, vielmehr verwundert es, dass der Abstieg erst jetzt feststeht. Vor allem der schwache Saisonstart zählt zu den Hauptgründen für den Gang in die Regionalliga. Diese und weitere Aspekte zeigt liga3-online.de im Überblick.

Schwacher Saisonstart

Nach 14 Spieltagen schien das Urteil bereits gefällt: Der TSV Havelse würde direkt wieder absteigen. Bis dahin hatte die Mannschaft von Samir Ferchichi keinen Sieg eingefahren. Besonders bitter: Mehrfach war das Team nah dran – so auch am Stichtag gegen den 1. FC Saarbrücken. Eine frühe 0:1-Führung wurde zwar egalisiert, am Ende reichte es jedoch nur zu einem Remis. Ein Drittliga-Rekord – und gleichzeitig ein Wendepunkt.

Denn im darauffolgenden Ligaspiel gelang der erste Sieg (2:1 gegen den SSV Ulm 1846), der eine starke Aufholjagd einleitete. Seitdem holte Havelse 27 Punkte, davon 19 in der Rückrunde. Würde man nur die Tabelle ab dem 15. Spieltag betrachten, läge der Punkteschnitt bei rund 1,23 – hochgerechnet auf 38 Spieltage wären das etwa 47 Punkte. Ein Wert, der zum Klassenerhalt reichen würde. Doch die Hypothek aus der Hinrunde war letztlich zu groß.

Anfällige Defensive

Ferchichi steht für eine klare Spielidee: offensiv ausgerichtet, mit dem Fokus Balleroberungen und Umschalten. In der unteren Tabellenhälfte haben nur Jahn Regensburg, Waldhof Mannheim, der FC Ingolstadt und die TSG 1899 Hoffenheim II mehr Tore erzielt – allerdings ging diese Offensive oft zulasten der Defensive.

Ein Beispiel: der 12. Spieltag. Drei Tore erzielten die Niedersachsen in Cottbus, kassierten jedoch vier. Ein Spiel, das sinnbildlich für viele Saisonauftritte steht: Havelse kam immer wieder zurück und holte 17 seiner 32 Punkte nach einem Rückstand, blieb aber zu selten stabil genug für Punkte. Mit 81 Gegentreffern stellt der TSV die schlechteste Defensive der Liga.

Individuelle Qualität nicht hoch genug

Im "MDR" sagte Manager Florian Riedel einmal: "Wir sind wahrscheinlich der professionellste Feierabendklub Deutschlands." Klar war daher: Für die 3. Liga braucht es mehr individuelle Qualität im Kader. Mit Nassim Boujellab und Semi Belkahia wollte man genau dort ansetzen. Boujellab brachte Erfahrung aus der Bundesliga (FC Schalke 04) mit, Belkahia spielte bereits für Arminia Bielefeld und den TSV 1860 München in der 3. Liga. Dennoch reichte das nicht aus – auch, weil es im Winter einen Aderlass gab.

Mit John Posselt verließ der Top-Torjäger die Niedersachsen. Der vom SC Paderborn ausgeliehene Stürmer kehrte zunächst zurück und wechselte anschließend fest zum SSV Jahn Regensburg. Dort konnte er sich bislang jedoch nicht durchsetzen. Während er in der Hinrunde noch sechs Tore für Havelse erzielte, kam er in der Rückrunde nur noch zweimal zum Erfolg. Trotz des Wechsels bleibt er der Top-Torschütze des TSV – ein deutliches Zeichen dafür, dass die entstandene Lücke nicht geschlossen werden konnte.

Fazit

Der Abstieg des TSV Havelse ist letztlich die Konsequenz eines viel zu schwachen Saisonstarts und einer über die gesamte Spielzeit anfälligen Defensive. Zwar bewiesen die Niedersachsen nach dem ersten Saisonsieg Moral und entwickelten sich phasenweise zu einem konkurrenzfähigen Drittligisten, doch die Hypothek der ersten 14 Spieltage war am Ende zu groß. Hinzu kam, dass die individuelle Qualität des Kaders trotz einzelner erfahrener Spieler nicht ausreichte, um die fehlende Stabilität dauerhaft zu kompensieren.

Dass Havelse bis kurz vor Schluss überhaupt noch auf den Klassenerhalt hoffen durfte, spricht dennoch für die Entwicklung der Mannschaft in der Rückrunde – und macht Hoffnung für einen möglichen neuen Anlauf in der Regionalliga.

   

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