Kommentar: Rot-Weiß Erfurt schafft sich ab

Der FC Rot-Weiß Erfurt ist ein Trümmerhaufen. Seit Wochen regiert beim Liga-Dino und der einstigen, selbsternannten Nummer 1 Thüringens das Chaos. Wohin dieses führt, ist aktuell noch nicht abzusehen. Klar ist: Der Verein schafft sich ab. Ein Kommentar.

Größte Krise der Geschichte

Im April des vergangenen Jahres wollte Ex-Präsident Rolf Rombach eine neue Euphorie entfachen. Der Etat für die Saison 2017/18 sollte erhöht werden, um neue Spieler nach Erfurt zu holen. Durch attraktiveren Fußball wollte der Verein wieder mehr Zuschauer ins Stadion locken, zudem wurde die Aktion "Gemeinsam Eins" ins Leben gerufen, um frisches Geld zu generieren. Jetzt, knapp ein Jahr später, steht der Verein am Abgrund und befindet sich in der größten Krise seiner Vereinsgeschichte!

Schon seit vielen Jahren war klar, dass RWE finanziell arg angeschlagen ist, nun musste der Verein, den rund 8,1 Millionen Euro Schulden plagen, einen Insolvenzantrag stellen. Durch diesen Schritt soll ein Neuanfang in der Regionalliga eingeleitet werden. Der Verein soll sich neu aufstellen und möglichst schnell den Wiederaufstieg in die 3. Liga packen.

Alleingang des Präsidenten

Doch wie soll der Neuanfang gelingen, wenn der Verein von Chaos durchzogen wird? Präsident Frank Nowag warf seinem Vorgänger Rombach vor, Rot-Weiß im Alleingang geführt zu haben. Mitsprache war unter ihm angeblich nicht erwünscht. Doch genau dieses Vorgehen, das Nowag kritisierte, wird nun auch ihm zum Verhängnis. Ohne Rücksprache mit dem Aufsichtsrat reichte er am vergangenen Dienstag den Insolvenzantrag ein und stattete Trainer Stefan Emmerling Mitte Februar zudem mit der Doppelfunktion des sportlichen Leiters aus. Das Vorgehen beim Insolvenzantrag brachte das Fass zum Überlaufen.

Eine Vertrauensbasis war nicht mehr gegeben. Da sich kein Nachfolger für Nowag fand – wer opfert sich schon freiwillig für diese Aufgabe – trat der Aufsichtsrat geschlossen zurück. Nun steht Nowag völlig allein da. Das bereits bei seinem Antritt vorhandene Misstrauen der Anhänger ihm gegenüber verfestigt sich immer mehr. Nowag entließ beinahe jede Person im Verein, ein nachhaltiges Handeln ist jedoch überhaupt nicht zu erkennen.

Hauptsponsor will Nowag-Abgang

Das Problem: Die handelnden Personen begreifen nicht, dass der Verein ein Miteinander in den entscheidenden Positionen benötigt. Stattdessen gibt es fast täglich neue Negativ-Meldungen, Machtkämpfe werden öffentlich ausgetragen. Das Erscheinungsbild des Vereins ist eine Katastrophe. Zudem stellte der Hauptsponsor seine Zahlungen vorerst ein. Die Bedingung: Geld gibt es erst wieder, wenn Nowag weg ist. Es scheint also nur noch eine Frage der Zeit, bis auch dieser Posten neu besetzt werden muss.

Abgesehen davon, dass es aktuell unmöglich ist, einen Etat für die kommende Saison aufzustellen – wie soll so eine Mannschaft zusammengestellt werden, die um den Aufstieg mitspielen kann? Kein Spieler wird aktuell zum Chaos-Klub RWE wechseln. Seit Monaten ist dieser über die thüringischen Landesgrenzen bekannt, wird in Medien erwähnt, die den Klub bis dahin nicht einmal kannten. Inzwischen ist ein Punkt erreicht, in dem selbst Fans des großen Rivalen Jena Mitleid statt Hohn empfinden. Viel schlimmer geht es nicht mehr!

Die Fans müssen leiden

Sollte dem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung nicht stattgegeben werden, droht die Auflösung des Vereins. Es wäre der Höhepunkt einer kastastrophalen Saison. Wahrscheinlich wären die handelnden Personen kurz geschockt, doch die Leidtragenden wären neben den Mitarbeitern des Vereins vor allem die treuen Fans! Diese stecken ihr Herzblut und viel Zeit in den Verein, begleiten diesen auch bei den weitesten Auswärtsfahrten zahlreich. Doch es ist zurzeit eine einseitige Liebe, die beinahe täglich auf die Probe gestellt wird. Es bleibt aus ihrer Sicht zu hoffen, dass der Verein nach dieser Saison überhaupt noch existiert.

   
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