KFC Uerdingen: Der stärkste Aufsteiger der Geschichte

Es mag nicht jedem gefallen, aber es ist durchaus beeindruckend, wie konsequent Aufsteiger KFC Uerdingen an den ersten sieben Spieltagen durch die Tabelle der 3. Liga pflügt. Am Wochenende holte sich das Projekt von Mikhail Ponomarev die Führung im Klassement, hat bereits vier Zähler Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz. Was macht den KFC so stark, worüber kann er noch stolpern?

War wirklich kein Aufsteiger besser?

Rein statistisch toppt niemand den KFC, der nach sieben Spieltagen 16 Punkte eingefahren hat. Selbst RB Leipzig, das 2013/14 mit nochmals ganz anderen Ambitionen in die 3. Liga kam, hatte "nur" 14 Zähler in diesem Zeitraum geholt. Im gleichen Jahr positionierte sich Holstein Kiel ebenso mit 14 Punkten hinter Leipzig, 2016/17 führten die Sportfreunde Lotte als Neuling sogar mit der gleichen Punktzahl die 3. Liga an. 16 Zähler bedeuten jedoch einen unangefochtenen Rekord – dabei hatte Uerdingen das Premierenspiel sogar verloren. In einem echten Spitzenspiel, wie sich aber erst in den Wochen darauf herausstellen sollen, mussten sich Stefan Krämer und seine betuchte Mannschaft der SpVgg Unterhaching mit 1:3 geschlagen geben. Jetzt hat der KFC den Kontrahenten aus dem Süden Bayerns überholen können.

War der Erfolg vorhersehbar?

Glaubt man dem Portal transfermarkt.de, so haben die Uerdinger nach Eintracht Braunschweig den zweitteuersten Kader (7,6 Millionen Euro) der 3. Liga. Das wundert keinen, hat sich der KFC doch in der Sommerpause mit jeder Menge ehemaliger Bundesliga- und Zweitliga-Spieler eingedeckt. Erst am Mittwoch zogen die Krefelder mit dem Ex-Bundesliga-Profi Dominic Maroh einen weiteren Hochkaräter an Land. Gut möglich, dass nach dem eingesetzten Etat die Krefelder sogar Spitzenreiter sind. Immerhin betonte Investor Ponomarev schon im Zuge der vermeintlichen Zulassungspanne im Juni, dass der Verein die größten finanziellen Reserven der gesamten Liga besitze.

Was fraglich war: Würden die Aufstiegsmannschaft und die zahllosen Neuzugänge sofort miteinander auskommen? Würde die berühmte homogene Einheit entstehen, ohne die es in der 3. Liga kaum ein Verein zu Erfolg bringt? Ja – und das trotz der bitteren Auftaktpleite, die Uerdingen einstecken musste. Es folgten fünf Siege und ein Remis, auswärts hat Trainer Stefan Krämer seit seinem Amtsantritt zu Beginn des Jahres noch immer jedes Spiel in Regionalliga und 3. Liga gewonnen. Chapeau.

Was macht die Uerdinger so stark?

Das hohe Durchschnittsalter des Kaders von 27 Jahren fällt schnell ins Auge. Bislang konnte der KFC seine Routine allerdings gut ausspielen und allen voran die Annahme widerlegen, durch seine gealterten Profis ein Tempo- und Konditionsdefizit zu besitzen. "Wir konnten in fast jedem Spiel in der Schlussphase nochmals zulegen“, sagte Übungsleiter Krämer kürzlich. Das zeigt sich eindrucksvoll in den Spielverläufen: Die letzten 15 Minuten eines jeden Spiels, in denen sich der KFC vier der fünf Saisonsiege sicherte, prägten den guten Start. Zweimal schlug Krefeld gar in der letzten Minute zu: Auswärts bei 1860 München und daheim gegen den SV Meppen.

Zudem muss anerkannt werden, dass die namhaften Zugänge wie Stefan Aigner, Manuel Konrad und auch Kevin Großkreutz sich bislang gut in das Kollektiv einfügen, keine Star-Allüren zeigen. Entscheidend für so manches Spiel waren aber auch jene, die aufgrund der Prominenz im Kader etwas unter dem Radar laufen: Ali Ibrahimaj etwa bis zu seiner Meniskusverletzung, Oguzhan Kefkir und auch Keeper Rene Vollath, der kürzlich beim 2:1 gegen Halle seine erste schwache Saisonleistung zeigte.

Was kann den KFC ins Stolpern bringen?

Aktuell profitiert man im Uerdingen auch von der ausgeglichenen Liga, in der der KFC durchaus mehr Glück hatte als manch anderer Drittligist – so etwa jüngst bei der zweifelhaften roten Karte gegen HFC-Profi Braydon Manu, aber auch zu Gast in München, als der Erfolg ein höchst schmeichelhafter war. Trainer Stefan Krämer legte jedenfalls am Wochenende sofort den Finger in die Wunde: "Mit einer Leistung wie der gegen Halle werden wir nicht mehr viele Punkte holen." Offensiv, so macht es hin und wieder den Eindruck, kann Uerdingen spielerisch noch deutlich zulegen. Das kaschiert der Aufsteiger bislang auch durch eine starke Effizienz vor dem Tor, obgleich ihm nominell der bewährte Knipser im Sturmzentrum fehlt. Doch machen wir uns nichts vor: Das Szenario, das Uerdingen ernsthafte Startprobleme bescheren würde, ist nicht eingetreten.

Wer kann Uerdingen gefährlich werden?

Wirklich hervor tut sich nach der überraschenden Niederlage der SpVgg Unterhaching vorerst kein Klub mehr. Die Würzburger Kickers sind nach drei Startpleiten (unter anderem gegen Uerdingen) und darauf folgenden vier Siegen am Stück sicher unangenehm zu bespielen, aber ist der FWK nach dem Aderlass im Sommer ein Kandidat für die Spitze? Schwierig. Auch der VfL Osnabrück und Mitaufsteiger 1860 München, die tabellarisch die weiteren Verfolger-Positionen innehaben, unterliegen in ihrer Leistung noch Schwankungen. Vom SV Wehen Wiesbaden, dem 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig, denen viel zugetraut worden war, ist ganz zu schweigen. Fast zehn Punkte haben alle diese vermeintlichen Favoriten bereits auf Spitzenreiter KFC Uerdingen aufzuholen. Kurzum: Die Chancen für die Krämer-Elf, sich langfristig oben festzuspielen, sehen mangels Konkurrenz aktuell sehr gut aus.

 

   
  • O. K.

    Interessiert dieser Geldverein bundesweit wirklich die Leute? Selbst zu Hause ist der Run ja eher bescheiden.

  • Tomate

    Habe ich gesehen wie gut die gegen 10 Hallenser gespielt haben. Wenn die nicht ihren 12. Mann mit eingekauft hätten, wären die nicht mit einem Sieg vom Platz gegangen. Ansatzweise waren die spielerisch gut aber eine Mannschaft ist das nicht.

  • Martin Schädler

    Man kann nur hoffen, dass sich Russisch Uerdingen tatsächlich bald in die oberen Ligen verabschiedet, die ja inzwischen als Sammelbecken der Scheich-Vereine fungieren. In der Schauspieler-Tabelle hat man den Aufstieg jedenfalls schon so gut wie geschafft!

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