Erneuter HFC-Einspruch: Erfolgsaussichten weiterhin gering

Zum dritten Mal hat der Hallesche FC am Sonntag Einspruch gegen die Spielwertung der Partie gegen Preußen Münster eingelegt und zieht damit nun vor das DFB-Bundesgericht. Allerdings sind die Erfolgsaussichten auch in der dritten Instanz weiterhin gering.

"Es ist keine Schiedsrichterentscheidung"

Der Hallescher FC lässt nichts unversucht. Nachdem das DFB-Sportgericht den Einspruch der Saalestädter zuletzt zweimal abgewiesen hatte, zieht der Klub nun vor das Bundesgericht des DFB. "Wir sind nicht zufrieden mit den Argumenten aus der mündlichen Begründung des DFB", begründet HFC-Sportdirektor Ralf Heskamp gegenüber dem MDR und erklärt: "Wir halten den Einspruch für keineswegs aussichtslos und sind weiterhin von unserer Bewertung der Dinge überzeugt."

Realistisch betrachtet sind die Aussichten auf einen Erfolg aber eher gering, wie der Hallenser Anwalt für Sportrecht Björn Fehse bereits im September im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert hatte: "Das Problem ist, dass ein Schiedsrichter nur die Erlaubnis erteilt, das Spielfeld zu verlassen, dies aber nicht selbst anweisen kann. Es ist daher keine Schiedsrichter-Entscheidung." Ein Regelverstoß bei der unübersichtlichen Auswechslung, als erst der Tausch beim SC Preußen und Sekunden später HFC-Wechsel auf der Tafel angezeigt wurde, lag somit nicht vor. Anders wäre es gewesen, wenn bei Münster zum Zeitpunkt des 2:2 zwölf Spieler auf dem Platz gestanden hätten.

"Normalerweise ist der Schiedsrichter Herr des Geschehens, hier ist es nur Assistent", fügte Fehse im Detail hinzu, dass der Auswechselvorgang nicht im Machtbereich des Unparteiischen liegt – und auch nicht soll: "Er überprüft gar nicht, ob der richtige Spieler runter ist oder nicht. Er verlässt sich auf die Anzeige." Und auf der Anzeige stand die Nummer neun, die HFC-Stürmer Pascal Sohm nun einmal unzweifelhaft trug. Dass der Schiedsrichter und auch Sohm fälschlicherweise der Annahme waren, die angezeigte Rückennummer würde dem HFC-Stürmer gelten (gemeint war eigentlich Münsters Rufat Dadashov, der ebenfalls die 9 trägt), sei ein "Kommunikationsproblem" gewesen. Dafür könne man aber nicht den Unparteiischen belangen, sondern müsse die Schuld auch bei den Spielern suchen, so Fehse.

Wiederholungsspiel unwahrscheinlich

"Michael Bacher hat Pascal Sohm nicht vom Platz geschickt, sondern ihm erlaubt, zu gehen. Und der Spieler hat das angenommen, das ist ein feiner Unterschied", erklärte der Fachanwalt und wies darauf hin, dass der Spieler gleichermaßen dem Missverständnis unterlag. Spieler können sich schließlich auch weigern, den Platz zu verlassen, selbst wenn ihr Trainer sie dazu auffordert: Der Schiedsrichter ist dann allerdings machtlos und muss weiterspielen lassen.

Eine Wiederholung der letzten acht Minuten hält Fehse für "ziemlich unwahrscheinlich", zumal nicht gewährleistet wäre, dass exakt dieselben 22 Spieler wieder zum Einsatz kommen könnten. "Es wäre nur möglich, das Spiel neu beginnen zu lassen", so Fehse, der darin aber auch kaum Aussichten auf Erfolg sieht: "Normalerweise sind Sportgerichte so aufgestellt, dass sie sich am Regelwerk entlang orientieren. Sie werden also prüfen, ob der Schiedsrichter zu belangen ist. Und hier ist es nicht sein Tätigkeitsbereich."

"Die Spieler haben die Pflicht"

Fehse stützt sich dabei auf Regel 3, in der der Auswechselvorgang geregelt ist. Darin heißt es unter anderem: "Weigert sich ein Spieler, der ausgewechselt werden soll, das Spielfeld zu
verlassen, läuft das Spiel weiter." Von dieser Regelung hätte Sohm Gebrauch machen können – wenn er nicht davon ausgegangen wäre, dass die angezeigte 9 auf der Auswechseltafel ihm galt. Darüber hinaus hätte auch Terrence Boyd beim Schiedsrichter um Erlaubnis für seine Auswechslung bitten müssen. Sonst würde es möglicherweise ganz andere Fälle geben: Spieler können bei schlechtem Spielverlauf für das eigene Team einfach das Feld verlassen, um nachher mit dem Argument der Unterzahl zu reagieren. Deswegen spielt es für die Entscheidung des DFB-Sportgerichts auch keine Rolle, dass der HFC zum Zeitpunkt des Gegentores nur zu Zehnt war.

"Solange die Mindestanzahl von sieben Spielern nicht unterschritten wird, kann der Schiedsrichter nichts machen", erklärte Fehse. Ein negativer Einfluss auf das Spielgeschehen zählt somit zum Selbstverschulden. "Die Spieler haben die Pflicht, sich die Erlaubnis zu holen. Wenn es zum Normalfall wird, dass sie gehen, wenn sie es auf der Anzeigetafel sehen, dann passieren eben solche Geschichten", wies Fehse darauf hin, dass eine striktere Befolgung der Regeln dem Missverständnis vorgebeugt hätte. Hätten sich nämlich zwei Spieler zur Auswechslung bei Bacher gemeldet, wäre dem Schiedsrichter der Fehler vermutlich aufgefallen. So aber wird der erneute Einspruch des Hallesche FC auch weiterhin keine großen Erfolgsaussichten haben. Zumal Stephan Oberholz, stellvertretender Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, bereits darauf verwies, dass Tatsachenentscheidungen des Unparteiischen, "grundsätzlich nicht anfechtbar" sein. Das wird das Bundesgericht unter der Leitung von Achim Späth kaum anders sehen.

   
  • ironimus

    Das ist für den HFC ein Kampf gegen Windmühlen. Im Prinzip ist er zwar im Recht. Aber recht haben und recht bekommen ist ein großer Unterschied. Das ist bei der Sportgerichtsbarkeit auch nicht anders als vor normalen Gerichten. Lasst es deshalb gut sein und konzentriert euch auf den Sport. Alles andere ist reine Zeitverschwendung.

  • Philipp Schramm

    Ich denke, auch der Linienrichter, der die Auswechlung letztendlich abnimmt, hätte merken müssen, das etwas nicht stimmt, spätestens dann, als die komplette Bank des HFC, die fehlerhafte Auswechslung moniert hat.

    Auch denke ich, das Herr Fehse hier ebenfalls Unrecht hat, denn natürlich weist der Schiedrichter dem Spieler an, das Spielfeld zu verlassen. Und neuerdings zeigt er ihm auch an, an welcher Seite er dieses verlassen soll (nämlich die Seite, die dem entsprechendem Auswechselspieler am nächtsen liegt).

  • Proband80

    Die Argumentation von Herrn Fehse ist extrem dünn, selbstverständlich weisen Schiedsrichter Spieler an das Feld zu verlassen, vor allem wenn es um Zeitspiel in den Schlussminuten geht. Deswegen wurde ja auch Sohm vom Feld "geschickt" und nicht höflich gefragt ob er gehen will.

    Das hieße im Umkehrschluss auch, dass ich in der Schlussphase das Spiel mit Leichtigkeit verzögern kann: der Trainer bereitet eine vermeintliche Auswechslung vor, der auszuwechselnde Spieler verweigert die Auswechslung und bleibt auf dem Feld und bekommt nicht einmal gelb. Dieses Spiel kann mit zahlreichen weiteren Auswechselversuchen in den Schlussminuten beliebig oft wiederholt werden bis der Schiedsrichter den Auswechselvorgang nicht mehr zulässt. Ich traue in der 3.Liga genug Spielern und Mannschaften dieses Verhalten zu, wenn es das Regelwerk zulässt.

    • DM von 1907

      DIe Argumentation von RA Fehse ist klar und schlüssig!

      Die Anweisung zum Wechsel gibt ausschließlich der Trainer! Der Spieler kann diese zwar verweigern, was aber extrem selten vorkommt, da sich kein Trainer so etwas bieten lässt und den betreffenden Spieler anschließend suspendiert. Eine Wechselposse, wie Proband80 sie beschreibt, ist eher unwahrscheinlich, weil der Schiedsrichter dann das Ganze irgendwann unterbinden und auch Karten wegen unsportlichem Verhalten zeigen wird (gegen Spieler und Trainerstab). Wenn er dann noch saftig nachspielen lässt, bleibt auch der Nachahmereffekt aus … ;-)

      Der Schiedsrichter kann das Verlassen des Platzes nur erlauben. Um diese Erlaubnis muss er gefragt werden, was Sohm gemacht hat, nicht aber Boyd. Boyd trägt damit seinen Teil Mitschuld an der Wechselposse, was gerne übersehen wird.

      Der Schiedsrichter muss allerdings seit dieser Saison darauf hinweisen, dass der auszuwechselnde Spieler den Platz an der nächstliegenden Stelle verlassen muss, was Bacher bei Sohm gemacht hat. Wenn ein Spieler bei seiner Auswechslung alle Zeit der Welt hat, dann muss er ihn anweisen, schneller zu machen, und darf dieser Anweisung auch eine gelbe Karte folgen lassen.

      Schlechte Spielleitung von Schiri Bacher (heute bei Duisburg gegen Köln übrigens eine mindestens gute) – aber nie und nimmer ein Regelverstoß, sondern ein ärgerliches Kommunikationsproblem, welches einige Väter hat.

  • Sterneneisen

    Die Argumentation mag ja stimmen. Dann muss sich der Schiri trotzdem fragen lassen, warum er Sohm nicht wieder aufs Spielfeld geschickt hat. Und warum der HFC einen falschen Wechsel beibehalten bzw. durchführen musste, dass durfte der Schiedsrichter ebenso nicht anweisen, lt . Herrn Fehse. Trotzdem hat er es getan. Wieso wird das eigentlich nicht mal so seziert?

    • Sterneneisen

      Zur Info: Boyd sollte für Washausen das Spielfeld verlassen. Im Nachhinein hat der Schiri Boyd angewiesen, für Sohm auf das Spielfeld zu gehen, obwohl dieser nicht ausgewechselt wurde.

      • Doppelherz

        Vielleicht solltest du mit nach Frankfurt fahren…😉

  • Doppelherz

    😴…liga3-online…copy and paste…euer Ernst???
    Bis auf den Anfang habt ihr den Artikel schon mal gebracht!

    • liga3-online.de

      Sehr gut aufgepasst! In der Tat haben wir den Artikel in sehr ähnlicher Form schon mal gebracht. Uns haben seit gestern zahlreiche Fans angeschrieben, die sich nach den Erfolgsaussichten erkundigt haben. Diesen Leuten haben wir den Link zu dem anderen Artikel geschickt. Da wir aber den Eindruck hatten, dass auch bei weiteren Lesern noch Unklarheit herrschte, haben wir uns dazu entschieden, den Artikel erneut zu veröffentlichen.

      • Doppelherz

        😋
        Vielleicht wäre es ja ebenfalls sinnvoll, zusätzlich zu dem sogenannten Sportrechtler, den Anwalt des HFCs zu befragen, wie den seine Argumentation aussieht und warum man trotz des Gegenwindes, weiter kämpft.
        Des weiteren würde mich interessieren, ob es in der deutschen Rechtssprechung üblich ist, zweimal den selben Richter in 2 unterschiedlichen Instanzen zu berufen.
        Danke

      • Philipp Schramm

        Das wäre für mich ein NoGo, das ein und der selbe Richter in 2 Instanzen urteilen kann/darf.
        Das dieser Richter sein Urteil nicht ändern würde, dürfte allen von vor herein klar gewesen sein.
        Eine Frage würde mich aber noch interessieren, hätte der HFC nicht einen anderen Richter verlangen dürfen?

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