Derby ohne Zuschauer: Viele Fragen bleiben offen

Statikprobleme. Stadionsperrung. Keine Zuschauer gegen den Halleschen FC. Diese Nachricht schlug beim 1. FC Magdeburg ein. Eine Frage aber bleibt: Wie geht es weiter? Ein Kommentar.

Plötzlich Geisterspiel…

Und plötzlich ging alles viel schneller als gedacht. Die "Panikgrenze“ sei beim Hüpfen im Spiel gegen Hansa Rostock deutlich überschritten worden, hatte die Stadt Magdeburg mitgeteilt. Erst wurden die Magdeburger Anhänger darum gebeten, das Hüpfen sein zu lassen – nun aber ist klar: Kein einziger Fan darf am Samstag zum Derby gegen den Halleschen FC ins Stadion. Ein Geisterspiel, das drastische Konsequenzen auch für den Verein bedeutet. Knapp 20.000 Zuschauer, darunter zahlreiche Dauerkartenbesitzer, haben einen Anspruch auf Entschädigung. Wer diese zu zahlen hat, ist noch offen. Wie der Klub betonte, sei es ein "unerträglicher Zustand“ für Fans und Verein, und das Ganze auf Basis einer "nie dagewesenen Situation.“

Das Hüpfen lässt sich nicht verbieten

Bei nahezu allen Magdeburger Fans – und auch den Rivalen vom Halleschen FC – drängt sich sogleich ein Verdacht auf: Das kann kein Zufall sein. Gehüpft wird im Block U (und auch auf den anderen Tribünen) schließlich nicht erst seit der Partie gegen Hansa Rostock, sondern in dieser Anzahl und Geschlossenheit seit dem Aufstieg in die 3. Liga. Gerade der 1. FC Magdeburg zeichnet sich schließlich dadurch aus, auch bei Begegnungen mit vermeintlichen unattraktiven Gegnern dennoch eine hohe Beteiligungsquote zu erzielen. "Ein generelles Hüpfverbot ist für ein Heimspiel nicht umsetzbar“, stellte Sportchef Mario Kallnik in der Folge klar. Denn auch das ist verständlich: Niemand kann sich in Ernsthaftigkeit vorstellen, den Anhängern ihre Hüpfeinlagen zu verbieten. Geschweige denn, dass sich auch nur irgendjemand an diese Einschränkung halten würde.

Stadion-Umzug oder Aufhebung der Verfügung?

Aber warum folgt dieser Ausschluss der Zuschauer ausgerechnet vor dem Derby gegen den HFC, das aufgrund des Todes von FCM-Fan Hannes – an dem nach bisheriger Aufarbeitung auch eine Mitschuld anwesender Halle-Fans nicht auszuschließen ist – eine besondere Brisanz erfahren hätte? Ist die Angst vor Ausschreitungen gegeben? Wird versucht, unter einem Vorwand den sicheren Ablauf eines Drittliga-Spiels zu ermöglichen? Mehr Details werden wohl erst in baldiger Zeit ans Licht kommen. Bis dahin deuten sich zwei Möglichkeiten an, die in jedem Fall für mächtig Diskussionsstoff sorgen werden: Einerseits bliebe die MDCC-Arena vorläufig gesperrt, das Verbot müsste auf jedes der stets gut besuchten Heimspiele ausgeweitet werden. Ein Umzug wäre von Nöten – aber wohin? Im Umkreis von Magdeburg finden sich kaum drittligataugliche Stadien. Der andere Fall ist die Aufhebung der Nutzungsuntersagungsverfügung, die aber nach den bisherigen Feststellungen kaum gerechtfertigt werden könnte. Denn das Hüpfen lassen sich die stimmgewaltigen FCM-Anhänger auch in Zukunft sicherlich nicht verbieten.

   
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