"Das war Ausnahmezustand": Große RWE-Party nach Pokal-Coup
Durch den 2:0-Erfolg gegen den FC St. Pauli hat es Rot-Weiss Essen erstmals nach sechs Jahren wieder in die zweite Runde des DFB-Pokals geschafft. Den Coup schrieben die Beteiligten vor allem den Fans zu. Selbst Trainer Uwe Koschinat ließ sich von der Atmosphäre anstecken.
Koschinat stimmt in Fan-Gesang mit ein
Sie wollten kein Ende nehmen, die Feierlichkeiten nach Spielende. Minutenlang feierten die RWE-Fans ihr Team nach der starken Leistung gegen den FC St. Pauli. Und die Mannschaft gab den Support nach der Partie mit lobenden Worten zurück: "Die Fans waren der Hauptgrund für den Erfolg. Wie die uns angefeuert haben, war wirklich unfassbar. Da konnte man gar nicht müde werden", sagte Marek Janssen im "Sky"-Interview. "Das war heute Ausnahmezustand. Mit diesen Fans ist so viel möglich. Wenn ein Funke überspringt, kann alles passieren. Und so war es auch." Selbst auf Trainer Uwe Koschinat sprang der Funke über, stimmte er in der Schlussphase doch bei einem Fan-Gesang mit ein. "Diese Atmosphäre packt einen natürlich", sagte er nach dem Spiel.
Auf dem Platz habe RWE indes versucht, "immer in Eins-gegen-Eins-Zweikämpfe zu kommen und diese zusammen mit dem Publikum zu gewinnen", wie Janssen berichtete. "Das ist uns von Anfang an sehr gut gelungen", hielt der Stürmer fest, der nach 36 Minuten das 1:0 erzielte und anschließend zum "Spieler des Spiels" gewählt wurde. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich das nochmal schaffe. Aus tiefstem Herzen: vielen Dank."
"Wäre im höchsten Maße unanständig"
Koschinat hob die Zweikampfstärke als Schlüssel hervor und sah es gerade in der zweiten Halbzeit als "sensationell gut gelungen" an, wie sein Team in die Duelle gegangen sei. "Dass wir reihenweise für einfachste Zweikampfgewinne abgefeiert wurden, macht die Hafenstraße aus, und so konnten wir das Ding mit dem 2:0 sogar relativ souverän nach Hause bringen." Essens Coach sprach von einem "Vorzeigespiel" und betonte, dass das Zusammenspiel zwischen der Hafenstraße und der Mannschaft "hervorragend" funktioniert habe.
Dass RWE es mehr wollte als die Kiezkicker, wollte er damit aber nicht sagen. "Weil dann würde ich unterstellen, dass man uns auf die leichte Schulter genommen hat." Das konnte der 54-Jährige schon allein deshalb ausschließen, weil er Paulis Coach Marcel Rapp "sehr gut" kennt. "So etwas zu unterstellen, wäre im höchsten Maße unanständig. Zudem kann ich es mir aufgrund des Auftretens der Paulianer auch nicht vorstellen."
"… dann wird es eklig an der Hafenstraße"
Statt über mögliche Unzulänglichkeiten des Gegners zu sprechen, legte Koschinat den Fokus auf die Leistung seiner Mannschaft und befand, dass sie einen "sehr guten" Tag gehabt und sich mit dem Zweitligisten "auf Augenhöhe" bewegt habe. Das komplette Team habe den Mut gehabt, "brutal aktiv zu sein, den Gegner immer wieder zu stressen und früh anzulaufen." So hätten die Hamburger irgendwann auf lange Bälle umstellen müssen. "Da sind wir stark, da sind wir schwer zu besiegen. Wenn wir mal in diesen Modus des Spiels kommen, dann wird es eklig hier an der Hafenstraße."
Wichtiger noch als das Erreichen der 2. Runde war für Koschinat aber etwas anderes: "Die Menschen haben heute gesehen, dass auch diese Mannschaft RWE zu 100 Prozent lebt." Gleichwohl gab Essens Coach auch ehrlich zu, dass seine Mannschaft bei der vergebenen Großchance der Gäste nach 19 Minuten, als Kaars das leere Tor verfehlte, Glück gehabt habe. "Wenn der Favorit so einen Einstieg in ein Spiel findet, dann wird es für uns sicher sehr, sehr schwer. Dann wird es ein anderes Spiel." So ging Essen in Führung und legte nach 53 Minuten das 2:0 durch Telalovic nach. Für den Neuzugang war es bereits der dritte Treffer in dieser Saison.
Auslosung am 5. September
Auf wen die Essener in der 2. Runde am 27./28. Oktober treffen, wird sich bei der Auslosung am 5. September entscheiden. Sicher ist bereits, dass es ein Erst- oder Zweitligist der aktuellen Saison ist. Und dass wieder an der Hafenstraße gespielt wird, wo RWE nur eines der letzten 14 Pflichtspiele verloren hat. Auch dann dürfte wieder eine "unfassbare Stimmung" herrschen, wie Ben Hüning sagte. "Ich will gar nicht wissen, was passiert, wenn hier noch die Ecken zu sind. Wir sind wieder mal getragen worden."