"Wie er provoziert hat …": Schober gibt Ritter eine Teilschuld
120 Minuten lang bot der SV Waldhof Mannheim dem 1. FC Kaiserslautern in der ersten Runde des DFB-Pokals Paroli, ehe der Zweitligist durch ein Last-Minute-Tor als Sieger vom Platz ging. Doch am Ende stand nicht der große Kampf der Buwe im Vordergrund, sondern die schweren Ausschreitungen nach Ende der regulären Spielzeit. Zumindest eine Teilschuld sah Waldhof-Sportdirektor Matthias Schober bei Marlon Ritter. Derweil stand die Partie "nah am Abbruch", wie Schiedsrichter Robert Schröder durchblicken ließ.
"Das gehört sich nicht"
Wie konnte die Lage nach dem Ende der regulären Spielzeit derart eskalieren, dass die Partie wegen schwerer Ausschreitungen für 36 Minuten unterbrochen werden musste? Um diese Frage wird es bei der Aufarbeitung in den nächsten Tagen gehen. Mannheims Sportdirektor Matthias Schober hatte einen Teilschuldigen schon unmittelbar nach der Partie ausfindig gemacht: FCK-Kapitän Marlon Ritter. "Wie er provoziert hat, gehört sich einfach nicht", schimpfte Schober am "Sky"-Mikrofon. In der Tat ließ sich der 31-Jährige in der Schlussphase bei Ecken viel Zeit und brachte damit das Mannheimer Publikum gegen sich auf. Mit einem Bodycheck gegen Gregorio löste Ritter nach Abpfiff der 90 Minuten zudem eine heftige Rudelbildung aus, die in einen Raketenbeschuss aus beiden Fanblöcken mündete.
"Als Ritter dann zu seiner Bank gegangen ist, hat er auf seine Art und Weise, wie er gerne provoziert, ganz schön Dampf abgelassen", schilderte Schober die Geschehnisse aus seiner Sicht. Die anschließenden Becherwürfe von der Haupttribüne in Richtung der Lautrer Spieler könnten dadurch jedoch nicht entschuldigt werden, wie Schober betonte. Auch der Platzsturm der Waldhof-Fans, nachdem Anhänger des FCK mehrere Raketen auf den Platz sowie in Richtung der Haupttribüne geschossen hatten, "geht überhaupt nicht. Das gehört auf keinen Fall ins Stadion".
Ritter zeigt sich unbeeindruckt
Auf die Vorwürfe Schobers angesprochen, sagte Ritter: "Das ist mir relativ egal. Jeder darf seine Meinung sagen. Hätten wir verloren, hätte ich vielleicht auch mehr gesagt. Von der Waldhof-Bank kamen die eine oder anderen Sprüche. Aber das ist uns egal, wir haben gewonnen, das ist, was zählt." Lauterns Sportchef Thomas Hengen sah die Schuld für die Eskalation nicht bei Ritter und betonte, dass "viele Leute" provoziert hätten.
"Was dann auf den Rängen abgegangen ist, war von beiden Seiten drüber. Das schadet uns, das schadet allen, das schadet dem Fußball." Dass mal Bierbecher fliegen, sei "normal, aber nicht in dieser Dimension". Er habe "schlimmste Befürchtungen" gehabt, dass die Situation komplett eskalieren könnte. "Daher kann ich der Polizei nur ein Kompliment aussprechen, dass sie schnell auf dem Platz war und deeskaliert hat." Dass eine Pferdestaffel auf den Platz kommen musste, habe Hengen allerdings auch noch nicht erlebt. Gleichzeitig lobte er Schiedsrichter Robert Schröder.
Partie "nah am Abbruch"
Dieser ordnete die Geschehnisse in die negative Top 5 seiner Laufbahn ein. "Gerade mit den Situationen am Ende war es schon sehr heftig." Wie Schröder betonte, habe die Partie "sehr nah" am Abbruch gestanden. "Wenn Raketen auf das Spielfeld oder die Tribünen fliegen und Menschen verletzen können, hört der Spaß auf." Er habe daher zunächst die Mannschaften in die Kabine gebeten, ehe ein Austausch mit der Polizei und den Sicherheitskräften erfolgte. "Wir haben dann geschaut, ob die Lage es zulässt, nochmal weiterzumachen. Das war dann der Fall." So konnte das Spiel nach einer 36-minütigen Unterbrechung fortgesetzt und regulär zu Ende gebracht werden. Wäre es in der Verlängerung zu weiteren Ausschreitungen gekommen, hätte am Abbruch kein Weg mehr vorbeigeführt.
Kurz vor der Rudelbildung habe Schröder indes bereits "gesehen, dass sich etwas anbahnt", nachdem es zwischen Ritter und Gregorio zu einem "kleinen Zwist" gekommen sei. Entsprechend habe er versucht, "es noch im Ansatz zu verhindern und zu deeskalieren. Das ist dann leider nicht mehr gelungen, weil von allen Seiten etwas kam". Er habe sich dann aus der Situation herausgezogen und anschließend sowohl Ritter als auch Gregorio und Nijhuis, der ebenfalls mitgemischt hatte, jeweils Gelb gezeigt.
Angesprochen auf Ritter, betonte auch Schröder, dass "er die Ecken ruhig etwas schneller hätte ausführen können". Regeltechnisch seien ihm jedoch die Hände gebunden gewesen, da Ecken – anders als seit dieser Saison die Einwürfe – nicht per Countdown angezählt werden. "Dennoch habe ich versucht, das irgendwie zu beschleunigen. Aber die Mittel sind manchmal begrenzt." Mit Blick auf die Ausschreitungen wird Schröder nun einen Sonderbericht anfertigen, "der entsprechend lang wird" – und eine empfindliche Geldstrafe nach sich ziehen wird.
"Sehr, sehr teuer" verkauft
Aus sportlicher Sicht gratulierte Schober dem FCK derweil und hob hervor, dass sich die Buwe "sehr, sehr teuer" verkauft hätten. "Wir haben alles dagegen gehalten und uns mit allem, was wir hatten, voll reingehauen. Insgesamt war es top von der Mannschaft, was sie hier abgeliefert hat." In der Nachspielzeit hatte Boyd sogar noch die Riesenchance auf den Ausgleich, scheiterte aber an Krahl. Zuvor hatte Gregorio noch während der regulären Spielzeit den Pfosten getroffen. Entsprechend war auch Kapitän Lukas Klünter "einfach nur stolz" auf seine Mannschaft, zeigte sich aber über die Geschehnisse drumherum "umso enttäuschter". Denn über den großen Kampf wird in den nächsten Tagen niemand reden.