Bundesgericht reduziert Sperre: Erdmann wieder spielberechtigt

Das DFB-Bundesgericht hat der Berufung des 1. FC Saarbrücken gegen die Strafe von Dennis Erdmann nach Rassismus-Vorwürfen mehrerer Magdeburger Spieler am Mittwoch stattgegeben und die Sperre von acht Wochen abgemildert. Weil die ausstehenden zwei Partien bis zum Saisonende zur Bewährung ausgesetzt wurden, ist der 30-Jährige ab sofort wieder spielberechtigt. Die Geldstrafe in Höhe von 3.000 Euro wurde aufgehoben.

"Fiktive Geständnis" strafmildernd

Nach Angaben der "Saarbrücker Zeitung" verzichtete der FCS bei der Verhandlung am Mittwochvormittag auf eine Beweisaufnahme und stellte gleichzeitig einen Antrag auf Strafmilderung, den das Bundesgericht annahm. Zuvor hatte Erdmanns Anwalt Horst Kletke nach DFB-Angaben für seinen Mandanten erklärt, dass die eingelegte Berufung auf das Strafmaß beschränkt werde. Um die Frage, ob die rassistischen Äußerungen tatsächlich getätigt worden sind, ging es somit nicht mehr. Das in erster Instanz getroffene Urteil, das Erdmann aufgrund der rassistischen Äußerungen für schuldig befand, wurde somit im Grundsatz bestätigt. Kletke habe hierbei ausgeführt, dass der Saarbrücker Abwehrspieler die ihm unterstellten Äußerungen zwar nicht getätigt habe, wenn es aber zu Missverständnissen gekommen sei, dann täte dies seinem Mandanten leid.

"Durch die Beschränkung der Berufung ist der vom DFB-Sportgericht festgestellte Tatbestand auch für das DFB-Bundesgericht bindend", sagte Achim Späth, der die Sitzung leitete. Heißt: Nach wie vor sieht der DFB den 30-Jährigen als schuldig an. Lediglich das Strafmaß wurde nun reduziert. "Strafmildernd hat das Bundesgericht trotz der schwerwiegenden Vorfälle berücksichtigt, dass den 13 Zeugen durch dieses fiktive Geständnis die erneute Vernehmung und Belastung erspart blieb", so Späth weiter.

FCS sieht Sache "als erledigt an"

Erdmann zeigte sich gegenüber der "SZ" erleichtert – wenngleich das abgeänderte Strafmaß keinen Freispruch bedeutet und nur durch die sogenannte "Geständnisfiktion", das juristisch wie ein Geständnis zu behandeln ist, zustande kam. "Ich bin froh, dass es vorbei ist und ich wieder auf die Platte kann." Erneut betonte er zudem: "Ich habe nicht gesagt, was mir da vorgeworfen wurde." Pressesprecher Peter Müller stellte gegenüber "Saarnews" derweil klar, dass es sich bei der Beschränkung der Berufung auf das Strafmaß nicht um ein Eingeständnis handele: "Natürlich nicht, weil nichts vorgefallen war." Müller sprach von einem "salomonischen Urteil". Ziel sei es demnach gewesen, die Strafe zu verkürzen. "Die Spiele, der er gesperrt war, können wir nicht mehr zurückholen. Insofern ist unser Prozessziel nun erreicht. Damit sehen wir die Sache als erledigt an."

Durch die abgemilderte Sperre steht Erdmann dem 1. FC Saarbrücken bereits beim Auswärtsspiel in Halle am Samstag wieder zur Verfügung, nachdem er die letzten sechs Partien aufgrund der Sperre verpasst hatte. Allerdings spielt der 30-Jährige nun auf Bewährung: Sollte er sich bis zum Saisonende etwas zu Schulden kommen lassen, würde er nochmals für zwei Spiele gesperrt werden.

Vorfall bei Partie am 25. August

Was war passiert? Im Nachgang des Duells zwischen dem 1. FC Saarbrücken und dem 1. FC Magdeburg am 25. August, das der FCS mit 2:1 gewann, hatten mehrere Magdeburger Spieler zu Protokoll gegeben, von Erdmann während des Spiels rassistisch beleidigt worden zu sein. So kam es am 2. September zu einer ersten Anhörung, bei der Magdeburgs Sirlord Conteh berichtete: "Erdmann hat zu mir gesagt, ich solle mit meinen Eltern zurück nach Ghana paddeln. Und hat mich als N… bezeichnet." Erdmann stritt die Vorwürfe dagegen ab: "Das ist unfassbar für mich. Ich habe niemals jemanden rassistisch beleidigt und würde das auch niemals tun." Schiedsrichter Robert Kampka gab an, die rassistischen Beleidigungen nicht mitbekommen zu haben.

Weil Erdmanns Anwalt Horst Kletke zunächst weitere Beweise sichten wollte, wurde die Verhandlung auf den 13. September vertagt. Im Rahmen dieses Termins sah das Sportgericht die Vorwürfe schließlich als erwiesen an und verhängte eine Sperre von acht Wochen sowie eine Geldstrafe in Höhe von 3.000 Euro gegen Erdmann. "Dass der Schiedsrichter oder andere Saarbrücker Spieler die Äußerungen von Spieler Erdmann nicht wahrgenommen haben, bedeutet nicht, dass diese nicht gefallen sind", hatte Richter Stephan Oberholz erklärt. Für bewusste Falschaussagen aller Magdeburger Zeugen und einen Komplott gegen Dennis Erdmann würden keine Anhaltspunkte vorliegen, so Oberholz. "Der DFB duldet grundsätzlich keinerlei Form von Rassismus und Diskriminierung auf seinen Plätzen und zeigt hier klare Kante. Deshalb war eine empfindliche Strafe auszusprechen."

Weil die Saarländer die Zeugenaussagen ihrer eigenen Spieler nicht ausreichend gewürdigt sahen und zudem darauf verwiesen, dass das Gericht die Aussage von Magdeburgs Baris Atik als nicht mehr glaubwürdig eingestuft hatte, war der FCS in Berufung gegangen. Das abgemilderte Urteil ist nun ein Teilerfolg. Freigesprochen wurde der 30-Jährige allerdings nicht, sodass die schwerwiegenden Vorwürfe weiterhin im Raum stehen. FCM-Sportchef Otmar Schork will mit der Angelegenheit nun abschließen: "Es wurde ein Urteil gesprochen, das von allen Beteiligten zu akzeptieren ist. Jetzt geht es darum, die Emotionen rauszunehmen."

   
  • Zizou

    Richtig. Dennoch hat der FC den Vorschlag angenommen und darauf verzichtet den Fall neu aufzurollen. Bei all den Ungereimtheiten für mich nicht nachvollziehbar! Wenn die Verhandlungsstrategie eine Strafmilderung sein sollte, dann hätte man das VORHER machen müssen und nicht praktisch mit Ablauf der Strafe. So werden wir nie erfahren was war. Unglaublich auch, dass so ein Atik nach Falschaussage, Unsportlichlkeit, Zeigen von politischen Symbolen und Anstiftung zur gemeinsamen Körperverletzung ungeschoren davon kommt.
    Vom Verein FCS bin ich auch enttäuscht. Wenn man von der Unschuld überzeugt ist, knickt man nicht wegen 2 Spielen ein, sondern hält weiter zu Erdmann. Hier geht es um etwas Größeres als die Frage, wie lange eine Sperre ausfallen soll.

    • DM von 1907

      Saarbrücken hat den kleinen Vorteil mit Blick auf die Tabelle (ein Innenverteidiger mehr für zwei Spiele) der sauberen juristischen Aufarbeitung vorgezogen und damit einem vom DFB vorgeschlagenen Kuhhandel zugestimmt. Der Kontrollausschuss wollte das erstinstanzliche Urteil nicht zurücknehmen, hatte aber mit Recht große Angst vor einem Zivilgericht. Dort wäre der juristisch unhaltbare Schuldspruch gekippt worden. Interessant wäre es auch gewesen, wie die Aussagen aller Zeugen unter Eid ausgesehen hätten …

      Dabei war die rechtliche Lage für Saarbrücken und Erdmann denkbar günstig: Die betroffenen Magdeburger Spieler haben klar gesagt, dass die Beleidigungen vor Freistößen gefallen sein sollen. Und anhand des Videomaterials konnte dann ebenso klar nachgewiesen werden, dass die Betroffenen bei allen Freistößen von Erdmann so weit weg standen, dass Beleidigungen unmöglich gehört werden konnten! Da hätte Erdmann schon in ein großes Megaphon hineinbrüllen müssen!

  • ironimus

    Es war ein Vergleich, nicht mehr und nicht weniger. Mein Mandant bekennt sich ein bisschen schuldig und ihr sperrt ihn deswegen ein bisschen weniger und verzichtet auf die Geldstrafe. Das sich daraus ergebende Urteil wird dann von beiden Seiten angenommen. Dadurch erspart man sich weiteren Aufwand und Kosten. Mehr war in dem auf juristisch dünnen Beinen stehenden Verfahren nicht herauszuholen.

    • Thorsten J. Weber

      Ich glaube, das stimmt nicht. Es handelt sich nicht um ein Vergleichsurteil. Die Verurteilung hat Bestand. Lediglich das Strafmaß wurde abgemildert.

    • Monnemer

      Es war ein Geständnis. Nicht mehr und nicht weniger. Alles andere sind Trump-hafte Versuche der Saarbrücker die Realität zu verdrehen. Peinliche Nummer.

  • Titus

    Wenn ich mich unschuldig fühle hätte ich geklagt bis es nicht mehr geht, ich würde mich nie auf so einen Vergleich einlassen.
    Ergo, da war was und Erdmann ist froh das er mit einem blauen Auge davon gekommen ist.

    • Friedrich Herschel

      Recht haben und Recht kriegen sind aber zwei paar Schuhe. Leider ist es manchmal sinnvoller, eine eigentlich ungerechtfertigte Strafe zu akzeptieren, statt dagegen vorzugehen.

      • Titus

        Im Prinzip richtig, aber im Fall Erdmann sind doch noch mehrere Instanzen möglich und die würde ich doch nutzen bei so einem Vorwurf. Es ist doch nicht so das es sich Erdmann nicht leisten kann.
        Aber vielleicht kann Erdmann auch damit leben nun auf ewig in der Rassistenecke zu stehen.

  • Philipp Schramm

    Erdmann ist jemand, der weiß, wie man es macht, ohne aussagekräftige Beweise haben zu können. Er macht es so, das kein anderer es hören kann.

    Die Aussagen der betroffenen Spieler kommen doch nicht von ungefähr. Das kein anderer, inklusive Schiedrichter etwas davon mitbekommen haben, ist ganz einfach, weil Erdmann das so gemacht hat, das es kein anderer mitbekommt.

    Das sich dann die Aussagen, sowohl der betroffenen Spieler, als auch der Spieler des eigenen Vereins massiv unterscheiden, dürfte klar sein.

    Das sich Erdmann anschließend als Süpndenbock fühlt, zeigt, das er nur so tut, als ob. Die abgemilderte Strafe ist einfach nur ein Schlag ins Gesicht, eines jeden, dem es ebenso ergangen sein mag, wie den Spielern, die von Erdmann beleidigt worden sind.

    Ein Spieler wie Erdmann, hat auf dem Spielfeld nichts mehr zu suchen, solche Spieler gehören dauerhaft gesperrt, sowohl als Spieler, als auch als eventuell mögliche Trainerkandidaten.

    • Pappnase

      Bis er dann mal bei Hallo im Kader aufschlägt. ;-)

  • Falk Schmiedeknecht

    Bei dieser Art von MiSsVeRsTäNdNiSsEn frage ich mich immer, warum den unschuldig falsch verstandenen Akteur nie jemand bei Anhörungen, Verhandlungen oder Pressekonferenzen fragt, was er denn eigentlich kommunizieren wollte, wenn er lediglich fAlScH verstanden worden sein möchte.

  • Max T.

    Ein sehr schwerer Fall, ohne unparteiische, glaubwürdige Zeugen. Die Aussage der Magdeburger Spieler steht gegen die Aussage der Saarbrücker Spieler. Ich kenne "Erde" als großen Trash-Talker. Kann und möchte aber nicht glauben, dass er die o. g. Sätze gesagt hat. Das Rassismus im Sport und anderswo nichts zu suchen hat, steht außer Frage. Aber ein Urteil ohne glaubwürdige Zeugen und Beweise, das einen Spieler quasi als R. abstempelt, ist äußerst fragwürdig.

    • Doppelherz

      Wieso sind die Maggis, in deinen Augen, keine glaubwürdigen Zeugen bzw.was macht einen Menschen zu einem glaubwürdigen Zeugen???

      • Max T.

        Auch die Saarbrücker Spieler sind für mich keine glaubwürdigen Zeugen. Dabei ist für mich die Nähe zu den jeweils beteiligten Spielern entscheidend. Der Schiedsrichter als Unparteiischer wäre ein glaubwürdiger Zeuge. Aber der hat ja nichts gehört.

      • Doppelherz

        Nachvollziehbar…danke

    • Elmedi Korslan

      Mensch Mäxchen.. was treibst dich wieder in der 3. Liga rum.. oder hast mit deinen Schiffchenclub wieder Sehnsucht nach derselbigen? 🤣

      • Max T.

        Elm’chen Elm’chen … hast dich mal wieder selbst rein gelegt.

  • Philipp Schramm

    Erdmann wird genauso weitermachen wie bisher, solche Leute ändrern sich nie, zumindest nicht, bis sie eine harte Strafe bekommen. Diese Strafe ist viel zu milde.

    • Mülli

      Genau wie bei dir. Aber Gott ist groß.

      • Philipp Schramm

        Nur mit dem Unterschied, das ich keinen beleidige. Weder wegen seiner Herkunft, Hautfarbe, Behinderung, etc. Bei mir ist ein Mensch immer noch ein Mensch.

        Ich stehe nur zu dem, was ich schreibe und das zu 100%. Es gibt nur wenige Abweichungen, zu denen zählen bei mir derzeit die Impfunwilligen. Trotzdem sind es Menschen, wie du und ich. Ich bin nur nicht mit deren Meinung einverstanden.

      • Mülli

        Du bist der einzige, der permanent Leute beleidigt, weil sie nicht deinem Meinungsbild entsprechen. (Idioten, Schuss nicht gehört, usw.)Nun heuchelst die etwas von „Mensch ist Mensch“. Gib dir doch mal nen Ruck und versuche zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die anders denken. Ich akzeptiere auch, dass du auf Impfungen für alle bestehst. Vielleicht sollten wir beide in Zukunft nicht mehr so verbissen aufeinander reagieren…. Damit meine ich mich natürlich auch. Dann werden auch die Diskussionen wieder sachlicher.

      • Philipp Schramm

        Der Unterschied ist aber, ob man jemanden wegen seiner Herkunft, seiner Hautfarbe, etc. beleidigt, ob ich jemand als Idioten bezeichne.

        Jemanden wegen seiner Herkunft, Hautfarbe, Behinderug zu beleidigen, ist rassistisch, jemanden als Idioten zu bezeichnen ist allgemein und muss nicht unbedingt eine Beleidigung darstellen..

      • Mülli

        Hä? Wie kommst jetzt auf Rassismus und das ganze Zeug? Hab ich hier noch nicht erlebt. Es ging um Beleidigungen allgemein. Und da bist du nun mal ganz vorne dabei.

      • Berliner HFC Fan

        Schramm, schon deine Rechtschreibkenntnisse sind rassistisch Beleidigung. Langsam tust mir echt leid. Ich hoffe, du bist schmerzfrei.

      • Philipp Schramm

        Was gibt es denn an meiner Rechtschreibung zu bemängeln? Da gibt es andere, bei denen sich 10 Fehler in 5 Wörtern verstecken.
        Und schmerzfrei bin ich auch. Ich kann, im Gegensatz zu vielen anderen, nicht nur austeilen, sondern auch einstecken.

    • Hanseatix

      Was laberst für Grütze? Solche Spieler wie Erde müsste es viel mehr geben und nicht solche Weicheier und Ja-Sager wo jetzt über den Platz traben! Pro Erde

      • PeterPlys

        Ich bin froh, dass die Zahl der großmäuligen, unsportlich agierenden Fußballer sich in Grenzen hält. Das hat nichts mit "Weicheiern" oder so zu tun. Erdmann ist der Typ des feigen, beleidigenden "Ohrflüsterers". Aber wehe, es trifft ihn mal…
        Ach warte, hat es ja. Dann wird die Unschuld beteuert und gejammert.

  • Zizou

    Sehr unbefriedigendes Urteil in mehrfacher Hinsicht.

    Der DFB hat es durch den Kuhhandel vermieden die Widersprüche und Ungereimtheiten aus der 1. Instanz zu thematisieren.

    Erdmann akzeptiert damit quasi, dass er offiziell Rassist ist. Wegen zwei Spielen Sperre hätte es dieses
    zweiten Termins nicht bedurft. Wenn ihm übel mitgespielt wurde, so sollte er das durchziehen und nicht einknicken. Das stärkt nicht seine Glaubwürdigkeit.

    Dieser Kuhhandel wird der Wichtigkeit des Themas Rassismus nicht gerecht. Ferner sind in Zukunft alle Türen geöffnet, damit man jemanden ohne Beweise wegen Rassismus drankriegen kann.
    Der Fall hätte fraglos lückenlos aufgearbeitet werden sollen. Dazu gehören die Tiefschläge ALLER Beteiligten.

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