"Und am Ende stehen wir leer da": Aachens Erfolgsserie ist gerissen
Nach drei Siegen in Folge ist die Erfolgsserie von Alemannia Aachen gerissen. Beim 0:1 im Westschlager an der Essener Hafenstraße musste die Mannschaft einen frühen Rückstand und eine Gelb-Rote Karte im zweiten Durchgang verkraften. Trainer Mersad Selimbegovic fand anschließend dennoch kaum kritische Worte für den Auftritt seiner Spieler.
"Es gibt keine Kritikpunkte"
"Schade einfach, dass wir so viel richtig gemacht haben, sehr viel investiert haben und am Ende leer dastehen", haderte Selimbegovic nach Abpfiff bei "MagentaSport". Aus seiner Sicht war Aachen über weite Strecken spielbestimmend. Zwar hatte Dickson Abiama die Essener bereits in der fünften Minute in Führung gebracht, doch anschließend übernahm die Alemannia nach Einschätzung ihres Trainers die Initiative. RWE konzentrierte sich zunehmend auf Konter, lange Bälle und zweite Bälle. Der Alemannia fehlte dagegen die letzte Konsequenz vor dem Tor. Auch Mika Hanraths sah Aachen bereits vor der Pause mit Vorteilen. "Der Ball wollte heute einfach nicht rein", haderte der Abwehrspieler.
In der Pressekonferenz verwies Selimbegovic zudem auf die unglücklichen Entscheidungen im letzten Drittel. Auch nach der Pause habe seine Mannschaft Möglichkeiten gehabt, den Ausgleich zu erzielen. Vorwürfe wollte der Coach seinen Spielern dennoch nicht machen. Gerade angesichts des jungen Kaders und des Ausfalls von Führungsspieler Danilo Wiebe sei der Auftritt bemerkenswert gewesen. "Ich kann nur stolz sein", betonte Selimbegovic. Sein Urteil über den Einsatz seiner Mannschaft: "Es gibt keine Kritikpunkte."
"Man hat es uns nicht anmerken lassen"
Selbst die Gelb-Rote Karte gegen Louis Köster (65.) brachte Aachen nicht von seiner offensiven Ausrichtung ab. Hanraths, der nach seiner Rückkehr in die Startelf wegen einsetzender Krämpfe bereits nach knapp einer Stunde ausgewechselt worden war, verfolgte die Schlussphase von der Bank. "Man hat es uns nicht anmerken lassen", sagte er über die Unterzahl. Noch immer habe er seiner Mannschaft den entscheidenden Lucky Punch zugetraut.
Selimbegovic bestätigte den Eindruck. Statt auf Schadensbegrenzung zu setzen, habe Aachen weiter mutig gepresst und nach vorne gespielt. Dadurch sei die Begegnung allerdings zunehmend offener geworden. Essen kam zu weiteren Abschlüssen, während die Gäste ihre Möglichkeiten nicht konsequent zu Ende spielten. Auch mehrere Standardsituationen in der Nachspielzeit brachten nicht den erhofften Ausgleich. Die erste Verwarnung gegen Köster wegen des Blockierens eines Freistoßes bezeichnete der Trainer als unnötig. Zugleich vermisste er etwas "Fingerspitzengefühl", wollte die Schiedsrichter-Leistung aber nicht grundsätzlich bewerten.
"Das ist unser Projekt, das ist unsere Mannschaft"
Nach Abpfiff ergriff Torhüter Manuel Riemann im Mannschaftskreis das Wort. Seine emotionale Ansprache begrüßte Selimbegovic ausdrücklich. Der erfahrene Keeper habe dabei vor allem hervorgehoben, dass sich die Mannschaft trotz aller Widerstände nicht habe entmutigen lassen. Gerade für die Entwicklung der jungen Spieler seien solche Führungspersönlichkeiten wichtig. Verantwortung müsse schließlich nicht allein vom Trainer ausgehen. "Das ist unser Projekt, das ist unsere Mannschaft", betonte Selimbegovic.
Auch Hanraths wollte die Niederlage, durch die Aachen auf den siebten Tabellenplatz zurückgefallen ist, als wichtige Erfahrung verstanden wissen. Selbst Spiele, in denen Aachen über weite Strecken Vorteile habe, könnten verloren gehen. "Und daraus müssen wir lernen", erklärte er. Die nächste Pflichtspielaufgabe wartet am 18. November (19 Uhr) im Mittelrheinpokal beim FC Hennef 05. Drei Tage später empfängt Aachen in der Liga den SV Waldhof Mannheim (16:30 Uhr). Dort gilt es, die eigenen Möglichkeiten konsequenter zu nutzen und wieder Punkte einzufahren.