Trotz Mittelmaß: Warum Düsseldorf plötzlich Hoffnung schöpft

Die Tabelle ist ehrlich und schonungslos: Derzeit braucht sich Fortuna Düsseldorf kaum realistische Hoffnung auf den direkten Wiederaufstieg zu machen. Doch nach dem 0:0 gegen den SV Meppen macht sich plötzlich Zuversicht bereit – und womöglich hilft der stille Abbau des Topfavoriten-Status sogar dabei, endlich in der 3. Liga anzukommen.

Wird ein 0:0 zum Aha-Erlebnis?

25 Abschlüsse, 15 davon innerhalb des gegnerischen Strafraums. Acht gegnerische Paraden, die dem Meppener Torhüter Julius Pünt in einschlägigen Apps die Maximalbewertung von 10,0 Punkten bescherten. 3,97 erarbeitete xGoals, aber eine Null auf der Anzeigetafel. Eigentlich hatte Fortuna Düsseldorf am Freitagabend alles richtig gemacht, wenn sich nicht die einfachste Fußballweisheit bestätigt hätte: Wer gewinnen will, muss Tore schießen! Und doch wähnt sich die Fortuna zwei sieglose Partien nach dem Trainerwechsel mitten im Aufwärtstrend, wirkt befreit von einem taktischen Korsett, das auch in der 3. Liga nicht so recht zum Kader und zur Spielweise der meisten Gegner gepasst hatte. Unter Jens Langeneke könnte ausgerechnet ein 0:0 zum Aha-Erlebnis werden – und einer bis dato gebrauchten Spielzeit den erhofften Wendepunkt bescheren.

Zugegeben: Auf Trainer-Vorgänger Alexander Ende hatten sich insbesondere die Fans schon seit Wochen eingeschossen. Ein Gefühl, das sich womöglich auf Teile der Mannschaft übertragen hatte und mit ursächlich dafür war, dass die Fortunen weitab ihrer individuellen Leistungslimits agierten. "Es herrschte das Gefühl, dass, egal, was wir machen, er an vorderster Front steht", wurde Sportdirektor Samir Arabi in der "Rheinischen Post" aus einer Medienrunde zitiert. "Wir wollen auch mal Alibis nehmen." Spätestens gegen Meppen wirkten dann fast alle Elemente der 4-2-3-1-Formation so, als würden sie sich wohlfühlen.

Zimmermann stützt Langenekes Taktikumstellung

Mit Matthias Zimmermann bestätigte dies ein gestandener Profi. "Mir liegt ein System mit zwei klaren Flügeln besser", äußerte der 34-Jährige gegenüber der "RP" – er sei "einfach kein Eins-gegen-Eins-Spieler", sondern brauche jemanden, mit dem er sich "bis nach vorne kombinieren" könne. Im Zusammenspiel mit Startelf-Debütant Filimon Gerezgiher, der unter Ende nicht eine Spielminute in der 3. Liga sammeln durfte, schaffte es die rechte Düsseldorfer Seite zu etlichen Durchbrüchen über die Flügel. "Ich bin der Meinung, dass wir in der 3. Liga mit klaren Flügeln deutlich besser bestehen können", so Zimmermann weiter. Auch ohne die Personalie direkt zu erwähnen: Der auf seine zentrums- und ballbesitzlastige Spielidee äußerst fixierte Alexander Ende kam bei dieser Beurteilung nicht gut weg.

Die Folgerung, dass unter Jens Langeneke prompt alles rosarot gemalt werden darf, kommt nach einem torlosen Remis gegen den mit einem Bruchteil des Fortuna-Etat ausgestatteten Aufsteigers aus Meppen allerdings reichlich früh. Am kommenden Samstag wartet etwa zu Gast in Ingolstadt (14 Uhr) ein anderes Kaliber: Hier hat der Trainerwechsel hin zu Achim Beierlorzer bereits konkrete Früchte getragen und den FCI bereits in der Tabelle vor die Fortuna gehoben. Noch bedenklicher: Gegen die Top 3 hat F95 im Oktober enorm an Boden verloren, der Rückstand auf die direkten Aufstiegsränge ist von fünf auf zehn Punkte angewachsen. In den verbleibenden sechs Spielen bis zum Winter sind vier Siege das Minimum, um Konkurrenzfähigkeit zu suggerieren, allerdings wartet unter anderem noch ein Mega-Dezember: Die drei Gegner Wiesbaden, Viktoria Köln und Essen sind allesamt in bestechender Form.

Wirtschaftliche Perspektive nimmt den größten Aufstiegsdruck

In der 3. Liga gab es viel zu viele Gegenbeispiele, um die Spielzeit jetzt schon herzuschenken – und auch bei den Buchmachern wird Fortuna Düsseldorf derzeit immerhin noch als geteilter Fünfter mit einer realistischen Aufstiegschance gehandelt. Doch vielleicht wird die sich allmählich entspannende Erwartungshaltung im hektischen Umfeld am Rhein zum begünstigenden Faktor: Vom Wiederaufstieg als Pflicht redet nach dem verpatzten Start jedenfalls kaum noch einer. Salopp formuliert hat Fortuna Düsseldorf, gestartet als nomineller Topfavorit, nun oft genug schlecht gespielt, um nicht mehr täglich mit der 2. Bundesliga in Verbindung gebracht zu werden. Auch die vielen Fans, von denen sich allein 19.000 eine Dauerkarte in der Hoffnung auf große Erfolge gesichert hatten, haben den Realitätscheck hinter sich. Gegen Meppen verzichtete das Publikum auf Pfiffe, obgleich der erhoffte Pflichtsieg ausblieb.

Was zusätzliche Temperatur vom Herd nimmt: Auch wirtschaftlich scheint die Lage bei einem längeren Verbleib im finanziell prekären Drittliga-Betrieb nicht aussichtslos. Beim kürzlichen Mitgliederforum erklärte Vorstandsvorsitzender Alexander Jobst, dass der Verein auch nach der Saison 2026/27 mit einem positiven Eigenkapital plane. "Auch wenn wir nicht direkt aufsteigen, wären wir nicht pleite", wurde Jobst in der "RP" zitiert. Sparen müsste Fortuna dennoch an allen Ecken und Enden – und ob sich dauerhaft ein Profi-Etat jenseits der acht Millionen Euro finanzieren lässt, steht ebenfalls in den Sternen. Profis vom Kaliber eines Fabian Schleusener, Philipp Förster oder Dominique Heintz – die derzeit aber allesamt keine sportlichen Führungsrollen einnehmen – werden in dieser Frequenz dann eher nicht mehr ihre Zelte am Flinger Broich aufschlagen.

Eine "neue" Fortuna

Den Unterschied machen andere. Ob Louis Lord, der vom Herausforderer zur unumstrittenen Figur zwischen den Pfosten aufgestiegen ist, ob der 17-jährige Elias Arden, der auf der Doppelsechs gegen Meppen groß aufspielte, oder der zuletzt angeschlagene Wirbelwind Anas Slimani. Das "neue" Fortuna Düsseldorf ist in der Mache. Und legt die Mannschaft weitere Auftritte mit dieser Dominanz an den Tag, werden die Ergebnisse folgen.

   

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Back to top button