Analyse: Warum sich die Zebras derzeit selbst im Weg stehen

Nach dem herausragenden Saisonstart ließ der MSV Duisburg zuletzt Federn – genau wie zum selben Zeitpunkt der Vorsaison. Seit drei Partien sind die Meidericher sieglos – und besonders die Spiele gegen Ingolstadt (1:2) und Stuttgart II (3:3) waren für alle Beteiligten zum Haareraufen, denn die Zebras stehen sich derzeit vermehrt selbst im Weg. Eine Analyse.

Grund 1: Passivität

Gegen Ingolstadt klingelte es bereits nach vier Minuten im Kasten des Gegners, gegen Stuttgart II war es nach fünf Zeigerumdrehungen soweit. Und gegen die jungen Schwaben legte der MSV Duisburg sogar direkt nach: Drei Tore nach elf Minuten? Eigentlich eine sichere Sache, wird jeder sagen. Zumal die Duisburger im Verlauf der ersten Hälfte noch beste Möglichkeiten auf weitere Treffer liegen ließen. Nein, bis zur 39. Spielminute war von einer drohenden Passivität nichts zu sehen. Bis die Rote Karte gegen Tobias Fleckstein kam. Im zweiten Abschnitt ließ sich Duisburg in Unterzahl die Butter vom Brot nehmen. Und gegen Ingolstadt? Da schüttelt mancher Fan noch mehr mit dem Kopf, denn in knapp 60-minütiger Überzahl verspielte Duisburg ebenfalls eine Führung gegen die Schanzer und ging am Ende sogar noch leer aus.

Der MSV gilt als Arbeitermannschaft, die Ruhrpott-Mentalität zwingt zur Maloche. In vielen Partien dieser Saison wie auch gegen Wiesbaden (4:1) oder Saarbrücken (4:2) überrollte Duisburg den Gegner. Aber schon gegen Havelse (2:1) und Hoffenheim II (3:2) musste sich der MSV das Glück des Tüchtigen erarbeiten. In den letzten beiden Partien war der MSV in drei von vier Halbzeiten dafür zu passiv. Eine spannende Parallele ist dazu noch, dass die Duisburger schon in der letzten Saison an Spieltag 10, 11 und 12 das gleiche Motorstottern erfuhren. Seinerzeit gab es sogar eine Phase, in der die Zebras nur drei Siege aus 13 Spielen holten. Dabei schien es so, als hätte sich die Mannschaft in ihrer Stabilität weiterentwickelt.

Grund 2: Abwehrverhalten

Ob Dreier-, Vierer- oder Fünferkette – in der Defensive zeigt sich Duisburg anfällig. Flecksteins Platzverweis gegen Stuttgart II? Oder der Elfmeter, den Rasim Bulic zum Anschluss des VfB II verursachte? Einfach ungeschickt und bisweilen unglücklich. Die Außenverteidiger Joshua Bitter, Can Coskun und Frederik Christensen fallen vermehrt durch ihren Offensivdrang auf, aber abwehrtechnisch ist Ackern bis zum Umfallen angesagt. Innenverteidiger Martin Ens, in dem viele Fans eine Universalwaffe in der Zentrale sahen, ist noch kein entscheidender Faktor im Duisburger Defensivspiel. Hinzu kommt die große Anzahl an Standardgegentoren, denn acht von 17 Treffern fielen nach einem ruhenden Ball – also über 50 Prozent.

In der Abwehr sucht Hirsch noch die klare Linie. Oder wechselt der MSV-Coach gar zu viel durch? Auf der linken Seite betrieben Coskun und Christensen zuletzt Arbeitsteilung. Bitter spielt immer, wenn er fit ist – aber mal als rechter Schienenspieler, mal als dritter Innenverteidiger. Und Ben Schlicke tauschte zu Saisonbeginn auch munter mit Ens in der Zentrale. Alles in allem sind die Wechselspiele in der Defensive legitim, besonders angesichts der individuellen Qualität jedes einzelnen Spielers. Logisch ist auch, dass jeder nach Spielanteilen lechzt. Nur nimmt die Anzahl der Gegentore nicht ab, was auch damit zusammenhängen könnte, dass Hirsch auf der Suche nach der ultimativen Lösung das Abwehrverhalten sogar mit zu vielen Ideen überfrachtet.

Grund 3: Diskussionen

Mal ist der Rasen zu lang, mal ist er zu seifig. Am vergangenen Samstag glich das Geläuf in der Schauinsland-Reisen-Arena nach einer Halbzeit einem Acker, auf dem es sich eine Schar Tauben mehrfach gemütlich machte. Besonders im eigenen Stadion ist die Qualität des Bodens ein Dauerthema, das auch von Hirsch schon mehrfach angesprochen wurde. Trotz alledem ist Duisburg seit 21 Monaten im Ligabetrieb zuhause ungeschlagen. Wiederkehrende und sich wiederholende Diskussionen um den Rasen sind vielleicht nötig, um Bewegung in die Sache zu bekommen. Zumal das Grün mit Einbruch der Winterzeit sicherlich nicht besser werden wird. Aber es lenkt manchmal auch davon ab, dass es nicht verantwortlich für den Ausgang einer Partie ist.

Genauso, wie es auch die Diskussionen um die Leistungen der Schiedsrichter tun. Gegen Viktoria Köln monierte Hirsch, dass "manchmal mit zweierlei Maß gemessen" wurde. Gegen Ingolstadt war es die neue Fünf-Sekunden-Regel, die für den MSV-Coach "ein völliger Witz" war. Und gegen Stuttgart II haderte der 54-Jährige beispielsweise mit einem Handspiel vom VfB-Keeper außerhalb des Strafraums. liga3-online.de-Experte Babak Rafati unterstreicht hingegen in seiner Analyse, dass Duisburg in den Entscheidungen gegen sich nicht benachteiligt wurde. Im Gegenteil: Das zweite Tor von Lex Tyger Lobinger hätte aufgrund einer Abseitsposition nicht zählen dürfen.

Sicherlich sind nicht alle Argumente, die Hirsch vorträgt, an den Haaren herbeigezogen. In einigen Fällen hat der Duisburger Coach auch recht. Deswegen räumte der Fußballlehrer fairerweise ein, dass der MSV wegen dieser Punkte noch kein Spiel verloren hat. Und trotzdem kommt Hirsch regelmäßig in seiner Argumentation auf ähnliche Dinge abseits der eigenen Leistung zurück, warum dem MSV manches schwer fällt, was zu Schauplätzen neben dem Spielgeschehen führt. Und gleichzeitig betont der 54-Jährige trotzdem schonungslos, dass er zuletzt in Teilen einfach schlechte Spiele seiner Mannschaft gesehen hat.

Fazit

Am Ende des Tages weiß es der MSV deshalb auch selber, dass man sich nur an die eigene Nase fassen braucht. Hirsch tut nach Außen hin alles, um seine Spieler zu schützen und von individuellen Missgeschicken abzulenken. Angefangen mit der Partie in Düsseldorf (1:2) häufen sich diese Fehler jedoch, was den Duisburgern etwas Souveränität gekostet hat. Keine Frage: Sieht Fleckstein gegen Stuttgart II nicht die Rote Karte, dann entsteht das Thema wohl gar nicht, weil Duisburg dann mit großer Wahrscheinlichkeit eine dominante erste Halbzeit gekrönt hätte.

Aber auch schon bei souveränen Siegen wie eben gegen Wiesbaden oder Saarbrücken war alles nicht so deutlich, wie es zunächst aussieht. Der MSV kann einen Gegner wahrlich überrollen, aber der Zug sollte dann auch über 90 Minuten weiterfahren.

   

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