Trainerwechsel im Check: Wer überzeugt, wer nicht?

Im ersten Saisondrittel hat die 3. Liga bereits vier Trainerwechsel erlebt. Der direkte Output war dabei höchst unterschiedlich: Während ein Verein derzeit die Tabelle spektakulär aufmischt, läuft es bei den Top-Favoriten noch nicht. liga3-online.de zieht ein Zwischenfazit.

SVWW: Seitz sorgt für schlagartige Euphorie

Selten hat die 3. Liga einen spektakuläreren Trainereffekt erlebt als diesen: Seit der Amtsübernahme von Jochen Seitz beim SV Wehen Wiesbaden holte dieser 13 von 15 möglichen Punkten – und dies bei einer Torbilanz von 18:4. Die in der Branche üblichen positiven Aussagen auch aus Spielerkreisen, man freue sich auf neue Ansätze und Impulse, werden hier zu 100 Prozent von der Realität auf dem Platz widergespiegelt: Wiesbaden agiert viel aktiver und lebendiger, hat aber auch die mangelnde Effizienz vom Saisonbeginn ins Gegenteil gekehrt. Das Ergebnis ist ein tabellarischer Spurt von Rang 19 ins obere Tabellendrittel binnen gerade einmal drei Wochen. Dort hatte Ex-Coach Daniel Scherning, der am 14. September gehen musste, ein eher lethargische und im Offensivspiel verkopfte Mannschaft hinterlassen.

Als neue Schlüsselspieler fungieren auch erfahrene Haudegen, allen voran der Kapitän: Florian Hübner spielte – auch verletzungsbedingt – in der Startphase kaum eine Rolle, nun ist er unumstritten gesetzt. Der 35-Jährige glänzt mit zwei erzielten Toren sowie starken Rettungsaktionen, etwa in Verl (Endstand 4:1 für den SVWW), als die Partie vor der Pause komplett hätte kippen können. Auch Gino Fechner ist in der Mittelfeldachse einmal mehr unersetzlich geworden. Dazu hat Seitz endlich vorne ein funktionierendes Trio gefunden: Marcus Müller, Raul Paula und Roberto Massimo zählen mit ihrem Mix aus technischer Finesse, Abschlussdrang und Wucht derzeit zum Gefährlichsten, was die 3. Liga zu bieten hat.

Ingolstadt: Beierlorzer sorgt für Aufschwung

Ziemlich schmerzhaft war die Freistellung von Sabrina Wittmann beim FC Ingolstadt: In knapp zweieinhalb Jahren hatte die 35-Jährige bei ihrem Heimatverein Pionierarbeit für alle Frauen in Trainerpositionen geleistet. Letztlich fehlte vor der langen Länderspielpause aber der Glaube ans langfristige Weiterentwickeln unter schwierigen Bedingungen wie stetig kleineren Etats. Wie bereits ihrem Kollegen Daniel Brinkmann wurde ihr ein Auswärtsspiel bei Viktoria Köln (0:3) zum Verhängnis.

Und wie sieht es sechs Wochen später aus? Zunächst präsentierte der FCI eine unerwartete Lösung: Achim Beierlorzer war zuletzt als Sport-Geschäftsführer bei Rivale Regensburg tätig, wagte nun den Schritt zurück auf die Trainerbank – "weil ich die direkte Arbeit mit einer Mannschaft vermisst hatte", wie er im Interview mit liga3-online.de kürzlich verriet. Seine dort aufgestellte Zielsetzung, die Donaustädter in die obere Tabellenhälfte führen zu wollen, hat er nach jetzigem Stand erfüllt: Mit zehn Punkten aus fünf Spielen, darunter Erfolge gegen die Spitzenteams aus Duisburg und Essen, belegt Ingolstadt den 7. Tabellenplatz. Das kürzliche 1:1-Remis beim gut mithaltenden Schlusslicht aus Havelse war da fast etwas enttäuschend, der Gesamteindruck aber bleibt enorm positiv.

Hansa: Breitenreiter stabilisiert – und ernüchtert dennoch

Die Trennung von Daniel Brinkmann am 15. September kam vom Zeitpunkt her überraschend und stieß zumindest in Teilen des Hansa-Umfelds auf Unverständnis. Der durchaus prominente Name des Nachfolgers, André Breitenreiter, schuf dann schnell wieder Zuversicht: Auf Stationen wie Paderborn, Schalke und Hoffenheim folgte für den 53-Jährigen erstmals ein Kapitel in der 3. Liga. Doch dieses erweist sich derzeit als hartes Stück Arbeit.

Denn überzeugend – zumindest weitgehend – verlief einzig das Debüt, ein völlig verdientes 2:0 bei überforderten Würzburger Kickers. Hier beeindruckte auch die fahrige Defensive, die unter Brinkmann weit unterhalb ihrer Ansprüche performte. Doch zuletzt häuften sich wieder die Unzulänglichkeiten: Beim 0:2 daheim gegen Meppen verteidigte die Kogge gegnerische Eckbälle viel zu lässig, beim 0:2 in Aachen patzte Torhüter Luca Unbehaun.

Nicht auf alles hat Breitenreiter direkten Einfluss: Den 1:0-Vorsprung bei bis dato harmlosen Regensburg zu verspielen, lag hauptsächlich an einer schlichtweg unnötigen Gelb-Roten Karte für Leon Dajaku noch in der ersten Halbzeit. Unter dem Strich holte Breitenreiter trotz stabilerer Abwehr jedoch nur vier Zähler aus fünf Partien und damit halb so viele wie Brinkmann an den Spieltagen 1 bis 5, dazu ist Hansa in die untere Tabellenhälfte abgerutscht und liegt nur noch vier Zähler vor den Abstiegsrängen. Dagegen sind die beiden direkten Aufstiegsplätze schon zehn Punkte entfernt. Dieser Trainerwechsel hat seine Wirkung zumindest bislang verfehlt.

Fortuna: Langenekes erste Impulse fruchten, aber Ergebnisse fehlen

Noch etwas zu früh für ein Zwischenfazit ist es bei Fortuna Düsseldorf, die Freistellung von Alexander Ende liegt schließlich erst zwei Spieltage zurück. Viel Schuld, nach Geschmack des Sportdirektors Samir Arabi etwas zu viel, hatte das Umfeld auf dem einstigen Verler Erfolgscoach abgeladen. Keine Alibis mehr für die Profis – so das Motto am Flinger Broich.

Doch Nachfolger Jens Langeneke, der mehr als Interimslösung ist und das Traineramt "bis auf Weiteres" bekleiden darf, sendet zumindest vielversprechende Ansätze: Beim 0:0 gegen den SV Meppen schoss Düsseldorf 30 Mal auf das Tor der Emsländer, das an diesem Tag aber wie vernagelt blieb. Es war dennoch der vielleicht erfrischendste Auftritt der gesamten Fortuna-Saison. Ohne treffsichere Stürmer, allen voran Fabian Schleusener kann die hohen Erwartungen als Neuner noch nicht erfüllen, bleibt F95 aber mit zwölf erzielten Toren eine der harmlosesten Mannschaften im Drittliga-Zirkus. Dabei muss auch Langeneke alsbald Ergebnisse liefern: Die ersten drei Aufstiegsanwärter sind bereits mit acht bzw. zehn Punkten Abstand weit enteilt. Es droht ein Übergangsjahr, für das dieser prominente Kader eigentlich zu viel Geld verschlingt.

 

   

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