Spielerrevolte: Neuer Wirbel um Ex-Drittligist Türkgücü München

Ex-Drittligist Türkgücü München, der inzwischen in der sechstklassigen Landesliga spielt, sorgt mal wieder für negative Schlagzeilen. Wie der "Kicker" berichtet, trat das Team zum Auswärtsspiel beim VfB Hallbergmoos am vergangenen Spieltag nicht an. Zuvor hatten 21 Spieler ihren Trainer Slaven Skeledzic boykottiert. Es droht der vierte Abstieg innerhalb von fünf Jahren

Absage ohne Wissen von Team und Sportchef

Ausgelöst wurde die Krise bereits in der letzten Woche. Beim Stadtduell gegen den FC Wacker München, das mit 1:6 verloren ging, standen fast nur A-Jugendspieler auf dem Platz. Die 21 Profis verfolgten die Partie im Mannschaftsoutfit von der Tribüne. Sie lehnen es seither ab, unter Skeledzic zu spielen, der früher Co-Trainer von Miroslav Klose war und zuletzt als Nationaltrainer Afghanistans arbeitete. Die Spieler werfen dem 54-Jährigen dem Bericht zufolge massives Fehlverhalten im Umgang mit der Mannschaft vor. Anlass soll ein Zerwürfnis nach der 0:3-Heimniederlage gegen das abgeschlagene Schlusslicht Eggenfelden gewesen sein.

In Hallbergmoos stand die Mannschaft dann gar nicht erst auf dem Platz. Die Absage kam nach Angaben des Berichts ohne Einbindung von Sportleiter Rainer Elfinger und der Spieler um Kapitän Burhan Bahadir zustande. Das Team hatte in der Zwischenzeit ohne Skeledzic zweimal trainiert. "Wir wollten spielen und waren bereit", sagt Bahadir. Als man von der Absage erfuhr, seien alle "baff" gewesen. Elfinger kündigt an, auf den Vorstand zuzugehen und um eine vorzeitige Vertragsauflösung im gegenseitigen Einvernehmen zu bitten.

Trainer und Vorstand weisen Spielern die Schuld zu

Skeledzic selbst spricht von "einer der enttäuschendsten Erfahrungen" seiner Laufbahn und macht wenige Personen für den Konflikt verantwortlich. Den Spielern wirft er unangemessene Argumente, ein unverhältnismäßiges Mittel und plötzliche Verhaltensänderungen vor. Zudem kritisiert er falsche Darstellungen und fehlende Gespräche mit ihm. Elfinger wirft er Falschaussagen und persönliche Motive vor. "Ein Trainings- und Spielboykott ist kein konstruktiver Weg, Konflikte im Fußball zu lösen."

Auch die Vereinsführung stellt sich hinter den Trainer. Vorstandsvorsitzender Ertürk Alagöz und sein Stellvertreter Bülent Aydin erklären in einem Statement, die Spieler hätten sich abgesprochen und die Revolte ohne Rücksprache mit Verein und Trainer begonnen. Sie sehen zudem eine bewusste Abkehr von dessen taktischen Vorgaben. Skeledzic habe stets versucht, die Mannschaft “leidenschaftlich, professionell und mit fundiertem Fachwissen" zu entwickeln. Auch finanziell hat der Spielerboykott Folgen: Der Hauptsponsor hat seinen Ausstieg verkündet.

Zwangsabstieg droht

Sportlich ist die Lage ebenfalls heikel. Zwar hat Türkgücü in der Hinrunde 27 Punkte geholt, steht auf Rang sieben und hat sieben Punkte Vorsprung auf den ersten Relegationsplatz. Doch bei vier Nichtantritten droht der Zwangsabstieg. Wegen der selbst verschuldeten Absage darf der Klub dem "Kicker" zufolge zudem nicht an der Abstiegsrelegation teilnehmen, falls er am Saisonende auf einem der drei Relegationsplätze landet. Es wäre der vierte Abstieg innerhalb von fünf Jahren, nachdem Türkgücü 2020 in die 3. Liga aufgestiegen war und sich große Ziele hatte. Langfristig wollten sie in München die Nummer 2 hinter dem FC Bayern werden und mindestens in die 2. Liga aufsteigen.

Doch daraus wurde bekanntlich nichts, stattdessen musste sich Türkgücü im März 2022 nach dem Ausstieg von Investor Hasan Kivran vorzeitig vom Spielbetrieb aus der 3. Liga zurückziehen, wodurch alle Spiele der Münchner annulliert worden waren. Ein bislang einmaliger Vorfall in der Historie der 3. Liga. Zwischen 2022 und 2024 spielte Türkgücü in der Regionalliga, ehe es nach einem Jahr in der Oberliga in die Landesliga ging.

   

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Back to top button