"Tut einfach weh": MSV-Traum auf tragische Weise geplatzt
Platz 4 als Aufsteiger, zuhause ungeschlagen. Die Saison des MSV Duisburg war sensationell. Und doch bekam sie am 38. Spieltag ein tragisches Finale, denn nach dem 1:1-Unentschieden gegen Viktoria Köln verpassen die Zebras die Relegation denkbar knapp. Über 30.000 Fans streckten ihre Schals in den Himmel, obwohl das "Wunder von der Wedau" vorerst unvollendet bleibt.
Experte Klos: "Fußball kann so scheiße sein"
Es lief bereits die Nachspielzeit, als Rasim Bulic nach einem Doppelpass mit Patrick Sussek aus wenigen Metern frei zum Abschluss kam – doch die Kugel klatschte an den Pfosten und raus. Fast zeitgleich erzielte Rot-Weiss Essen in Ulm den Treffer, der den Lokalrivalen in letzter Sekunde an den Zebras vorbei auf Platz 3 beförderte. "Der Ball geht nicht rein, und du hast trotzdem nichts falsch gemacht in der Szene. Fußball kann so scheiße sein", erklärte "Magenta Sport"-Experte Fabian Klos, wie sehr er in der Situation mit dem MSV litt. Denn Duisburg verpasste letztendlich die Relegation, das 1:1 gegen Viktoria Köln war zu wenig.
"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es fehlen die Worte. Ich möchte mich einfach bei den Fans bedanken, die uns mit ihrer Unterstützung so oft getragen haben", äußerte sich Abwehrspieler Can Coskun als Erster zur Situation, während sich auf den Rängen die Emotionen mischten. Stolz oder Trauer – was überwog am Ende? "Heute tut es brutal weh, aber wir werden aufstehen", kündigte der Linksverteidiger an. "Jeder braucht jetzt seinen Raum. Wenn einer ans Limit gehen möchte, dann soll er das machen. Wenn er alleine sein will, dann ist das auch okay. Aber wir haben etwas bewegt über ein ganzes Jahr lang, und darauf bin ich extrem stolz."
"Ich bin jetzt keiner, der weinen wird"
Vor fast genau zwei Jahren stand der erstmalige Abstieg der Duisburger in die Regionalliga West fest. Seitdem stieg der Meidericher Spielverein wie Phönix aus der Asche, lockte am finalen Spieltag über 30.000 Zuschauer ins Stadion. Statt eines Pfeifkonzerts – das der MSV auch schon mal vor Jahren als Tabellenführer der 3. Liga erlebte – gab es nach der verpassten Teilnahme an der Relegation aufbauende Gesänge von den Fans. "Immer wieder MSV" hallte es durch die Schauinsland-Reisen-Arena. "Es ist jetzt einfach schade so, aber wir können alle stolz darauf sein, was wir hier gemacht haben", fand auch Bulic, der die Fassung behielt.
"Ich bin jetzt keiner, der weinen wird. Also was soll ich dir sagen? Ich gehe jetzt gleich in die Kabine und tröste ein paar Jungs, aber dann geht es weiter", zeigte sich der Mittelfeldmotor schon wieder voll auf Angriff. Und hob hervor, was der MSV in den letzten 24 Monaten in Duisburg bewegt hatte: "Es gab auch Zeiten, da waren hier nur 10.000 Zuschauer." Am Ende waren es wenige Ausrutscher in dieser Saison, die den Zebras den großen Wurf kosten – etwa fehlende Siege gegen die Absteiger, aber auch speziell der Spielverlauf am 38. Spieltag. Ein großes Chancenplus, inklusive eines möglicherweise zu Unrecht nicht gegebenen Elfmeters, blieb ungenutzt. Details, an denen Duisburg in der Zukunft schrauben wird.
Hirschs ehrliche Worte zum Abschluss
Schon weit vor dem letzten Spieltag deutete Cheftrainer Dietmar Hirsch an, dass der Aufstieg in dieser Saison kein 'Muss', sondern ein 'Wollen' der Zebras war. Möglicherweise wird sich die Ausrichtung in der neuen Spielzeit ändern, sodass der 54-Jährige nun fairerweise den Teams gratulierte, die vor dem MSV stehen: "Zum Spiel will ich gar nichts sagen, aber trotz allem Glückwunsch an Cottbus für den Aufstieg und Essen für die Relegation." Verspielt habe es Duisburg in den letzten beiden Partien, so der MSV-Coach, der am Ende doch noch eine klassische Kopfsache im großen Aufstiegsfinale sah.
Hirsch hielt am Ende nur noch mit ehrlichen Worten fest: "Es will keiner hören, dass wir Vierter sind und die Saison toll war. Das muss jetzt jeder erst einmal verarbeiten und tut einfach weh. Das kommt vielleicht irgendwann, aber heute nicht." Das sogenannte "Wunder von der Wedau" bleibt zunächst zwar unvollendet, aber die Fans werden sich wohl darauf verlassen können, dass die Zebras ihre Schlüsse daraus ziehen werden. Denn bei aller Tragik: Es war eine Saison, die für einen Drittliga-Aufsteiger ein sensationelles Ergebnis ergeben hat.