20. März 2017 um 09:32 Uhr

1. FC Magdeburg: Block U ruft zum Derby-Verzicht auf

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© imago/foto2press

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Vor den anstehenden Derbys beim Halleschen FC in der 3. Liga (Ende April) und im Landepokal (Termin noch offen) ruft Block U alle Fans des 1. FC Magdeburg auf, nicht nach Halle zu fahren. Hintergrund ist der Tod von Hannes vor einem halben Jahr.

Block U behält sich "drastische Konsequenzen" vor

In einer Stellungnahme kritisieren die FCM-Ultras, dass bei etlichen Club-Fans "viel zu schnell" der gewohnte Spieltagsablauf Einzug gehalten habe: "Der sportliche Höhenflug und andere Nebenschauplätze haben zur Ablenkung, fast bis hin zur Verdrängung der Ereignisse beigetragen", moniert die Fanszene. Man wolle zwar keine "ewige Trauer", aber "wir müssen öfter als zuvor innehalten, uns fragen wo wir stehen, was wir wollen und dann, wenn es erforderlich ist, einen Schritt zurücktreten." Stillen Gedenkens sollen sich die FCM-Fans "die Erinnerungen an die Geschehnisse wieder ins Gedächtnis rufen" und sich der "Bedeutung des Vorfalls bewusst" werden.

Vor diesem Hintergrund appelliert die aktive Fanszene an alle FCM-Anhänger, die anstehenden Spiele in Halle sowie die Stadt nicht zu besuchen. "Von Personen und Fanclubs, die sich zu Block U zählen und sich mit diesem identifizieren wollen, erwarten wir ein striktes Einhalten dieses Aufrufs", heißt es in dem Schreiben. Andernfalls seien "drastische Konsequenzen" für das Projekt Block U unvermeidbar. Darüber hinaus behalten sich die Ultras vor, "dieses Verhalten auch bis auf Weiteres für die kommenden Spiele in Halle umzusetzen." Für die nun anstehenden Duelle fordert die Fanszene vom Verein, "alle Kartenkontingente nicht anzunehmen und keine Karten zu verkaufen oder Werbung für diese Spiele zu betreiben."

Gemeinsame Vereinbarung – Scharfe Worte in Richtung HFC-Fanszene

Bereits am Herbst des vergangenen Jahres hatten sich Vertreter der aktiven Fanszenen aus Magdeburg und Halle getroffen und vereinbart, auf den Besuch des jeweiligen Auswärtsspiels diesere Saison zu verzichten. Die HFC-Ultras haben diesen Verzicht beim Hinspiel am 26. November eingehalten, nun sieht sich Block U in der Pflicht, dieser Vereinbarung ebenfalls nachzukommen.

Scharfe Worte in Richtung des Rivalen können sich die aktiven Magdeburger Fans aber dennoch nicht verkneifen: So habe die Fanszene Halle "mit ihrem Handeln während der gesamten Situation" ihren Anspruch als Fanszene und damit ihre Daseinsberechtigung verwirkt. "Sie sind es nicht würdig, weiter beachtet zu werden", schreibt Block U. "Mit unserem Fernbleiben entziehen wir ihnen ihre Identifikation, ihren Antrieb und letztendlich auch ihre Existenzgrundlage – auf das die Personen und die Schuldigen für immer in der Versenkung verschwinden." Den eigenen Anhängern entgegnet Block U: "Wer nun danach schreit, wie wir die Mannschaft in dieser vielversprechenden Situation im Stich lassen können, der hat die Tragweite und Bedeutung der Geschehnisse einfach nicht verstanden."

 

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  • Thommi Tulpe

    Ganz sicher sollten wir blau-weißen Fans gerade in Bezug auf Spiele gegen unseren "Erzrivalen" (diese "Rivalität" wurde uns während der Wende in der DDR seitens Halle erklärt! Der HFC war zu DDR-Zeiten niemals eine ernstzunehmende "Größe" für den Club!) nicht "einfach" zur "Tagesordnung" übergehen!
    Dennoch halte ich als langjähriger Fan des FCM (ich bin seit 1980 dabei) und U-Blocker mit "fußballerischem Asyl" im Stehblock den Aufruf und das Ankündigen von Konsequenzen für den völlig falschen Weg.
    Zum einen sagt selbst Hannes` Familie, dass der geforderte Boykott NICHT im Sinne von Hannes ist. Zum anderen: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden zwar eingestellt, die genauen Umstände des sinnlosen Todes von Hannes wurden bisher aber nicht zweifelfrei geklärt. Es gibt Leute in Reihen des HFC-Fan-Umfeldes, die genau wissen, was wirklich geschehen ist, die aber sicher vieles verschweigen!?
    Von daher bin ich der Meinung, dass wir Blau-Weißen massiv Präsenz in der Saalestadt zeigen und weiter energisch fordern, dass diejenigen, die schweigen, dieses Schweigen brechen.
    Nur durch neue Erkenntnisse kann die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wieder in Gang setzen. Genau das wäre im Sinne von Hannes! Der Boykott ist das meiner Meinung nach nicht!
    Jahrzehntelang strömten wir Blau-Weißen zu Spielen in die Saalestadt. Umgekehrt zog das Derby viele Hallenser in Magdeburg an.
    Das soll jetzt alles vorbei sein?
    Mir drängt sich ein ganz anderer Verdacht auf:
    In Zeiten der 4. Liga hatte der Club durchschnittlich 8.000 Zuschauer. Der U-Block war gut besucht, lange aber nicht bis auf den letzten Platz ausverkauft wie jetzt in der 3. Liga bei einem Besucherdurchschnitt von 16.000 Zuschauern.
    Zu DDR-Zeiten kam man nicht ohne Weiteres "einfach so" in den U-Block hinein. Man benötigte Fürsprecher, die bereits im U-Block jahrelang anerkannt waren.
    Heute kauft man sich eine Eintrittskarte für die Blöcke 3 bis 6 und ist automatisch der edelste und wahrste Fan des Clubs: U-Blocker eben?
    Wo waren denn die 8.000, die heute mehr ins Heinz-Krügel-Stadion pilgern, als der FCM noch in der 4. Liga umherdümpelte?
    Ich verurteile keinen einzigen "Neu"-Fan. Im Gegenteil: Ich bin stolz auf jeden einzelnen, der im Stadion unseren Club nach vorn peitscht!
    Aber wenn gerade der U-Block sch Tradition ganz groß auf die schreibt:
    Bisher waren Spiele zwischen Elbe- und Saalestädtern immer Zuschauermagnete! Auch das gehört zur Tradition beider Vereine!
    Und wie gesagt: Ich denke, es wäre in Hannes Sinn, gerade jetzt in Lalle massiv Präsenz zu zeigen!

  • Sven Ritoff

    Der Tod von Hannes ist schrecklich. Dass ein junger Mensch deswegen sterben musste, weil er Fan eines bestimmten Vereins ist, ist unbegreiflich und durch nichts zu entschuldigen, unabhängig davon, ob Fremdverschulden vorgelegen hat oder nicht. Selbst wenn Hannes, was die Staatsanwaltschaft festgestellt haben will, ohne fremdes Zutun aus dem Zug gesprungen wäre, bleibt die Frage nach dem Warum.

    Aber müssen deshalb die Magdeburger Fans die Spiele gegen den Verein aus dem Süden des Landes boykottieren, um den "dortigen Fans die Existenzberechtigung" zu entziehen. Ich behaupte, dass die Hallenser Fans in der weit aus überwiegenden Anzahl den Tod von Hannes genauso schrecklich empfinden, wie die Magdeburger. Ich behaupte, dass die weitaus überwiegenden Hallenser Fans eine Verurteilung des Täters oder der Täter, so es denn Täter gibt, und eine vollständige Aufklärung des Falles wünschen. Und ich behaupte, dass ein solches Ereignis unter denselben Voraussetzungen auch anders herum hätte passieren können, weil es Idioten in vielen Fanszenen gibt.

    Muss ich wegen dieser Idioten auf die wohl emotional wichtigsten Spiele der Saison verzichten? Ich behaupte: nein.

    Ich werde, sofern ich Karten bekomme, zu beiden Spielen fahren und die Mannschaft unterstützen, die in diesem Jahr bisher großartiges leistet. Ich lasse mir den Spaß als Zuschauer und Fan nicht von Idioten verderben. Und ich glaube, dass auch der tote Hannes sich so entscheiden würde, denn er war ein Fan des FCM und der Mannschaft.

    • Sven Ritoff

      Weil in vielen Foren darüber diskutiert wird, dass jetzt Menschen mitreden, die Hannes gar nicht gekannt haben, aber glauben feststellen zu können, was dieser gewollt hat, kann ich für mich sagen, dass ich anstelle von Hannes es so gewollt hätte.

  • Phillip

    Nimmt sich da jemand vielleicht ein bisschen wichtiger als er ist? Schon mal dran gedacht, dass es die HFC Ultras wegen ihrem Verein und nicht wegen MD gibt?

  • Sterneneisen

    Aussagen a la "Keine Existenzberechtigung" erzeugen doch nur mehr Hass und Gewalt. Und wieder entlarven sich sogenannte Ultras…

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