Zwischenfazit #2: Die 3. Liga nach dem Saisonstart

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Nur die wenigsten Drittliga-Spieler reisen jetzt zu ihren Nationalmannschaften, für viele dagegen stehen allenfalls Test- oder Landespokalspiele, für manche gar ein ruhiges Wochenende an. Für uns ist es an der Zeit, erstmals auf alle 20 Vereine zu gucken. Wie lief der Saisonstart, wo liegen die Probleme? Wir nehmen die Klubs unter die Lupe, im heutigen Fall die sieben Klubs im Tabellenmittelfeld.

Tabellarisch scheint der FCM nicht fern von der Spitze, spielerisch aber gelingt in dieser Saison – abgesehen vom 5:1-Erfolg über 1860 München, als der Knoten bereits zu platzen schien – bislang noch wenig. Vor allem die beiden Auswärtsspiele bei den bislang wenig konkurrenzfähigen Ost-Nachbarn aus Chemnitz und Jena gerieten zur großen Enttäuschung, denn Magdeburg gibt sich bislang nicht kreativ genug, um die Abwehrbollwerke dieser Spielklasse zu überwinden. Auf Last-Minute-Neuzugänge verzichteten die Magdeburger, zu allem Überfluss verletzte sich nun noch Defensiv-Allrounder Jürgen Gjasula. Eine schwierige Ausgangslage vor den harten Herbstwochen, in denen zahlreiche Traditionsvereine wie Duisburg, Lautern und Rostock zum Duell bitten.

 

Dafür, dass der FSV Zwickau wie in jedem Jahr zunächst sehr misstrauisch beäugt und als Abstiegskandidat gehandelt wird, hat sich der von Joe Enochs trainierte Klub bislang sehr gut geschlagen. Drei Siege, ein Remis, drei Niederlagen – die Bilanz zeigt die Konkurrenzfähigkeit sehr gut an. Auch eine kurze Negativserie wurde jüngst in Würzburg vergessen gemacht, der stets gefürchtete längere Abwärtstrend stellt sich nicht ein. Maßgeblichen Anteil daran hat Kaiserslautern-Leihgabe Elias Huth, der mit fünf Torbeteiligungen in sieben Spielen absolut überzeugt hat.

 

Ähnlich wie in Magdeburg ist auch in Kaiserslautern die Erwartungshaltung der Fans noch nicht erfüllt worden. Allerdings macht der FCK immer wieder Hoffnung. Bestes Beispiel: Das 2:0 im DFB-Pokal über Mainz 05, oder das 5:3 beim FSV Zwickau. Auch das prestigeträchtige Derby gegen Waldhof Mannheim nahmen die Roten Teufel an, hätten sich einen Heimerfolg verdient gehabt. Ein derart gut besetzter Kader, der mit Stürmer Lucas Röser nochmals verstärkt worden ist, darf sich allerdings längst nicht so viele Leistungsabfälle erlauben wie in der Frühphase der Spielzeit. Als Konsequenz muss der von Flavio Becca mit frischem Geld ausgestattete Verein sechs Punkte auf die Aufstiegsplätze aufholen.

 

Ebenso wie Duisburg hofft der SV Meppen auf einen kleinen Punktenachschlag per Nachholspiel, der aktuelle Tabellenplatz ist folglich nicht in Stein gemeißelt. Durchschnitt trifft die Lage bei den Emsländern allerdings gut: Niederlage, Unentschieden, Sieg – so lautete der Rhythmus in der Startphase. Zuletzt war es das 3:0 über Jena, das den SVM zurück ins Punktesoll beförderte. Mann des Spiels dort: Flügelstürmer Valdet Rama, den die Verantwortlichen als Wunschtransfer bezeichneten und der die linke Außenbahn, die nach dem Abgang von Nico Granatowski gen Osnabrück ein wenig ihrer Wucht eingebüßt hatte, neu belebt. Dass die Konkurrenz in diesem Jahr stark ist und der SVM im Normalfall auch in einem halben Jahr um einen ähnlichen Platz spielen wird, wird im Emsland akzeptiert – die Mannschaft hat genug Charakter, um für so manche Überraschung zu sorgen und das Dasein im Liga-Mittelfeld attraktiv zu machen.

 

Zuhause läuft es für die Westfalen, auswärts gab es bislang erst einen Zähler, der aus dem Drittliga-Auftaktspiel gegen 1860 München resultiert. Seitdem unterscheiden sich die guten Auftritte daheim und die schwachen in der Fremde wie Tag und Nacht, Konstanz ist ein absolutes Fremdwort. Während manche Fans davon abgeschreckt sind und die Zuschauerzahlen allmählich sinken, haben sich andere mit dem aktuellen Status des SCP abgefunden. Am Mittwoch verabschiedeten sich die Adlerträger zudem aus dem Landespokal: Zum dritten Mal in den letzten vier Jahren hieß die Endstation SV Rödinghausen. Die zahlreichen Talente im Kader benötigen Entwicklungszeit, einige wie Maurice Litka und Seref Özcan haben ihre Qualitäten schon angedeutet. Dass diese Saison auch schiefgehen könnte, daran denkt noch keiner – solange die Heimspiele gewonnen werden, ist das auch völlig legitim.

 

Der Tabellenstand lässt auf Tristesse bis hin zur Frustration hindeuten, doch die Kogge verspürt sachten Aufwind. Beraubte sich der FCH durch einen unnötigen Elfmeter beim 2:2 in Ingolstadt noch spät eines verdienten Auswärtssieges, so war beim hochverdienten 1:0-Sieg über Preußen Münster die Leistung auch eines Favoriten würdig. Fraglos ist die Qualität im Kader durch die Transferaktivitäten der letzten Tage (Nikolas Nartey, Nik Omladic, Osman Atilgan, Rasmus Thellufsen) durch die Decke gegangen, aber kann sich daraus eine Einheit bilden lassen? Wird der neue Konkurrenzkampf um die Plätze von allen angenommen? Nach Punkten ist Hansa noch weit vom eigenen Soll entfernt. Der Erfolgsdruck ist da.

 

Schwer einschätzbar sind sie, die Münchner Löwen. Das 1:0 in Chemnitz hat die Tabellenlage schlagartig deutlich verbessert, aber wie konkurrenzfähig sind die Sechziger tatsächlich? Zu Beginn der Spielzeit waren die Leistungen beachtlich, zuletzt zeigte der Trend dann nach unten und erreichte beim 0:4 in Mannheim respektive 1:5 in Magdeburg negative Höhepunkte. Auch das jüngste Landespokalspiel bei Fünftligist Dachau (Sieg im Elfmeterschießen) wurde zur Zitterpartie. Und wer wird der Knipser vorne? Vielleicht ja Prince Owusu, der zum zweiten Mal von Arminia Bielefeld ausgeliehen wurde, während der von Augsburg leihweise verpflichtete Tim Rieder schleunigst die Defensivlücken stopfen muss. Unwahrscheinlich ist es nicht, dass Sechzig noch längere Zeit mit dem unteren Mittelfeld vorliebnehmen muss.

 

 

   
  • Michael

    Lautern hätte den Heimerfolg im Derby verdient? Nun ja…

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