Zahlen, Daten, Fakten: Das Transfer-Zwischenfazit

Wir schreiben Anfang Juli, das Transferfenster hat noch rund acht Wochen geöffnet. So lange wollen – und können – die Vereine der 3. Liga aber abseits einiger Last-Minute-Transfers nicht warten, die Saison beginnt in wenigen Wochen. Wer hat bislang emsig verpflichtet, wer hält sich zurück? Ein Zwischenfazit für den Drittliga-Spielermarkt.

147 Zu-, 246 Abgänge

Nach 16 Corona-Monaten spielen finanzielle Aspekte auf dem Transfermarkt in diesen Wochen mehr denn je ihre Rolle. Auch und gerade in der 3. Liga muss in diesem Transfer-Sommer nochmals mehr darauf geachtet werden: Welche Einnahmen können wir in der kommenden Saison einkalkulieren, wo liegt unser Budget? Wie viel wirtschaftliches Risiko ist vertretbar? Entsprechend vorsichtig, das ist spürbar, planen die meisten der 20 Vereine. Auch an den nackten Zahlen ist das erkennbar: Mit Stand vom Montagnachmittag stehen laut "transfermarkt.de" 246 Abgänge erst 147 neuen Spielern gegenüber – vereinsinterne Transfers und Leihrrückkehrer nicht einbezogen. Natürlich haben die drei Zweitliga-Absteiger, die allein mehr als 50 (!) Spieler ersetzen müssen, daran ihren Anteil. Doch auch andere Klubs haben den Sommer für einen Umbruch genutzt. Wir listen auf, wer bislang vorsichtig auf dem Markt agiert und bei wem eine hohe Fluktuation erkennbar ist.

Die meisten Abgänge

Wie bereits erwähnt, liegen hier wenig verwunderlich die drei Absteiger vorn: Die Würzburger Kickers haben 19 Spieler verabschiedet, beim VfL Osnabrück waren es 18 und bei Eintracht Braunschweig 17 Akteure, die künftig andere Farben tragen. Doch andere Klubs, auch solche aus der oberen Tabellenhälfte, ziehen nach: Beim SV Wehen Wiesbaden, der unter anderem mit fünf Leihspielern arbeitete, gehen zwölf Spieler, beim SC Verl 14. Auch der 1. FC Magdeburg (12) und Viktoria Köln (14) trennten sich von zahlreichen Spielern, bei Türkgücü München als auch dem MSV Duisburg fiel der Umbruch mit jeweils 16 verabschiedeten Kickern sogar noch ein bisschen größer aus.

Die wenigsten Abgänge

Sie sind ziemlich selten geworden, doch es gibt auch noch Klubs, die an ihrem Kader – zumindest bislang – eher wenige Veränderungen vorgenommen haben. So haben Aufsteiger TSV Havelse als auch 1860 München und der 1. FC Kaiserslautern bislang erst jeweils vier Spieler verabschiedet. Bei Sechzig könnte im von Darmstadt heiß umworbenen Dennis Dressel, bei Kaiserslautern der wechselwillige Hikmet Ciftci bald hinzukommen. Viktoria Berlin, ein weiterer Neuling in der 3. Liga, kommt bislang auf sechs Abgänge, der am Grünen Tisch drittklassig gebliebene SV Meppen auf acht. Alle anderen Klubs trennen sich von mindestens neun Spielern – ein klares Indiz dafür, dass in diesem Sommer die Kadergrößen deutlich reduziert werden müssen.

Der teuerste Abgang

Offiziell teuerster Abgang ist Chris Führich von Borussia Dortmund II, für den Zweitligist SC Paderborn 700.000 Euro zahlte. Nun ist die Rechnung mit den zweiten Mannschaften stets kompliziert, noch dazu hat Führich weder je in der 3. Liga gespielt noch zum Aufstieg der BVB-Reserve seinen Teil beigetragen, da er im vergangenen Jahr schon an Paderborn ausgeliehen war. Auf Drittliga-Spielpraxis kommen die drei dahinter Platzierten allemal: Jakov Medic, Mittelfeldspieler des SV Wehen Wiesbaden, wechselte für kolportierte 400.000 Euro in die 2. Bundesliga zum FC St. Pauli, der sich von Absteiger Osnabrück auch Flügelstürmer Etienne Amenyido für mehr als 350.000 Euro gesichert hat. Einen Betrag in ähnlicher Hohe soll zudem der niederländische Ehrendivisionär FC Groningen für Saarbrückens Innenverteidiger Marin Sverko bezahlt haben.

Den bislang teuersten Zugang können wir übrigens nicht küren, da es schlicht keinen Transfer mit gesicherten Informationen über eine gezahlte Ablösesumme gibt. In diesem Sommer läuft fast alles über ablösefreie Verpflichtungen: Je günstiger, desto besser, das ist mehr denn je die Devise – auch wenn sich ein Spieler den Wechsel in diesem Fall auch in tieferen Profiklassen gerne durch einen Unterschriftsbonus bezahlen lässt.

Die Transferkönige und die Zurückhaltenden

Ausgerechnet einer der kleinsten Vertreter der Liga führt die Rangliste an: An die 15 verpflichteten Spieler des SC Verl – der Altersschnitt der Neuzugänge beträgt übrigens keine 22 Jahre – kommt kein anderer Drittligist heran. Nicht einmal, Türkgücü München, wo der Umbruch ähnlich groß ausfiel und bereits 14 Neue unter Vertrag genommen wurden, darunter der zweitligaerfahrene Albion Vrenezi aus Regensburg, das schottische Offensivtalent Andy Irving (Heart of Midlothian) sowie Philip Türpitz von Aufsteiger Hansa. Auf immerhin zehn Zugänge kommen der 1. FC Saarbrücken, der SV Wehen Wiesbaden und der MSV Duisburg, sogar auf elf der 1. FC Magdeburg. Dem FCK ist es unterdessen gelungen, mit Marvin Senger (St. Pauli), Jean Zimmer (Fortuna Düsseldorf) und Daniel Hanslik (Holstein Kiel) drei Leihspieler weiter zu binden. Felix Götze (FC Augsburg) und Anas Ouahim (SV Sandhausen) sollen noch folgen.

Zurückgehalten hat sich bislang allen voran Waldhof Mannheim: In Fridolin Wagner und Routinier Marc Schnatterer stehen erst zwei Neuverpflichtungen fest. Drei sind es bei 1860 München (Marcel Bär, Kevin Goden, Yannick Deichmann) sowie Aufsteiger Havelse (Julius Düker, Linus Meyer, Fynn Arkenberg) und jeweils vier beim Halleschen FC und Viktoria Köln. Auch die Absteiger, man höre und staune, haben den Markt bislang nicht leergefegt: Der VfL Osnabrück hat acht Spieler unter Vertrag genommen, Würzburg sieben und Braunschweig sogar erst sechs.

Große und kleine Kader

Knapp drei Wochen vor Saisonbeginn stecken die Drittligisten vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen. Aus dem bisherigen Text geht etwa die Problematik bei Viktoria Köln schon hervor: viele Abgänge, wenige Zugänge – insgesamt besteht die Mannschaft von Trainer Olaf Janßen, die künftig ohne den nach Kaiserslautern abgewanderten Star Mike Wunderlich auskommen muss, derzeit erst aus 16 Akteuren. Alle anderen sind deutlich weiter, schlank besetzt wirken allerdings noch Mannheim, Zwickau und Braunschweig mit jeweils 21 Spielern.

Bei gleich 30 oder mehr Akteuren stehen unterdessen der 1. FC Kaiserslautern, der SC Verl, der 1. FC Magdeburg und auch der SC Freiburg II, wobei bei Letzteren sicher abzuwarten sein wird, wie eng sich die Verbindung etwa zum U-19-Spielbetrieb gestaltet.

   
  • Tom-1201

    Ich stell mir hier eh die Frage wie ein Verein wie der 1.FC Kaiserslautern 30 oder mehr Spieler verpflichten kann nach der Pleite (Insolvenz). Bei denen geht doch nix mit rechten Dingen zu. Aber vielleicht klappt es ja diese Saison mit deren Abstieg

  • ralf sandreuther

    marc schnatterer beim richtgen verein…..wir können gehalt bis zu saisonende bezahlen. im gegensatz zu verein westlich….

    • Zorn Gottes

      Schmerzt die Derbypleite immer noch so sehr. ;)

      • Günther1987

        Nöö, am Ende zählt der Blick auf die Tabelle und da sind wir die 2te Saison vor euch ;-)

      • Südpfälzer

        Im Niemandsland. Ein Spiel habt ihr gegen uns nicht gewonnen 😉

      • Günther1987

        Oder Ihr mit dem 3-fachen am Budget nur 1 von 4 Gewonnen.
        Kann man immer sehen wie man will

      • Südpfälzer

        Das 3-fache Budget haben wir sicherlich nicht…

    • Südpfälzer

      Kriegt der noch Gehalt oder schon Rente?

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