"Wettrüsten Richtung 2. Liga": 1860 München kritisiert DFB

Am Freitag beschloss das DFB-Präsidium, dass die Drittligisten auch in der kommenden Saison fünf Auswechslungen pro Partie durchführen dürfen. Darüber hinaus können ab ab sofort 20 statt 18 Spieler in den Kader berufen werden. Ein Beschluss, der beim TSV 1860 München auf heftige Kritik stößt.

Jugendregelung "verwässert"

Nein, Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel war am Freitag auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen die Würzburger Kickers gar nicht gut auf den DFB zu sprechen. "Die Kosten werden weiter nach oben geschraubt: Du hast mehr Kaderplätze, mehr Prämien zu zahlen, mehr Reisekosten", meinte der Österreicher im Hinblick auf die Anzahl der erlaubten Wechsel pro Spiel. "Der 20-Mann-Kader tut sich die 3. Liga keinen Gefallen." Bei einer Abstimmung im Rahmen der Managertagung vor zwei Wochen wäre der Entschluss mit 11:9 Stimmen durchgesetzt worden, verriet der 49-Jährige, der offensichtlich gegen fünf Wechsel stimmte.

Was ihn zudem stört: Die U23-Regelung wurde in diesem Zuge nicht angepasst. Weiterhin müssen bei jedem Klub nur mindestens vier Spieler auf dem Spielberichtsbogen stehen, die während einer Saison für eine DFB-Auswahlmannschaft spielberechtigt und nicht älter als 23 Jahre sind. Diese Regelung werde durch die Erhöhung auf 20 Spieler im Kader "nun verwässert", so Gorenzel.

"Nicht Sinn und Zweck der Sache"

"Es hat mal geheißen, die 3. Liga sei eine Ausbildungsliga. Damit hat das nicht mehr zu tun, was jetzt veranstaltet wird. Es geht jetzt in ein Wettrüsten Richtung 2. Liga. Ob das der richtige Weg ist für den deutschen Fußball, für die 3. Liga, das wage ich zu bezweifeln", äußerte er große Sorgen.

Auch Löwen-Trainer Michael Köllner findet die getroffene Entscheidung falsch. "Am Ende entscheiden Vereine über den deutschen Fußball." Das sei nicht "Sinn und Zweck der Sache". Der DFB als "Hüter des Fußballs" solle weiterhin die Hoheit haben und Entscheidungen allein treffen. Solche wichtigen Sachen demokratisch auf die Vereine abzuwälzen, sei falsch. Bereits im Winter hatte der diesbezüglich Kritik am Verband geäußert. Zudem vermisst der 51-Jährige ein klares Konzept für die 3. Liga und somit auch die Förderung der Talente. "Der DFB hat eine ganz, ganz große Chance verpasst. Dann muss er damit klarkommen. Am Ende braucht sich auch keiner beschweren, wenn du zu wenige Nachwuchsspieler hast."

   
  • ralf sandreuther

    Solange das Krebsgeschür um koch das sagen hat wird sich nichts ändern.wie lange ist freis…äh sorry koch noch kommisarisch im amt?

  • DM von 1907

    Fünf Wechsel sind sinnvoll – zur Belastungssteuerung. Aber wenn fünf Wechsel erlaubt sind, ist ein 18er Kader zu klein. 11 Spieler plus Ersatztorwart, da kann ich nur noch fünf von sechs wechseln, und müsste dann einen Abwehrspieler bringen, obwohl ich einen Stürmer bräuchte. Also auch 20er Kader sinnvoll.

    Warum die U23-Regel jetzt verwässert werden soll, verstehe ich auch nicht. Wenn man aber meint, das wäre so, muss man eben fünf U23-Spieler für den Kader festlegen, wo ist das Problem?

    Und ansonsten, wie Phillip richtig angemerkt hat: Niemand muss einen 20er Kader benennen, niemand muss 5 x wechseln – es ist nur erlaubt! Und gerade Michael Köllner wechselt immer gerne nur sparsam und ist damit bisher doch sehr gut gefahren, oder?

  • FCS – SAAR

    In einer Sache hat er schon recht. Bei einem 20er Kader haben finanzstarke Verein mit 28-33 Spielern natürlich einen Vorteil vor Clubs mit (aktuell) nur 22-25 Spielern. Es fallen ja auch immer noch Spieler aus. Das Wettrüsten könnte man jedoch auch über ein Financial Fair Play lösen.

    Beim Thema Jugendförderung hat der DFB doch alle Hebel selbst in der Hand. Wenn sie den Nachwuchsfördertopf erhöhen wird man bei den Vereinen auch umdenken und mehr auf jüngere Spieler setzen!

    PS: Heute hatten auch einige Vereine weniger als 20 Mann im Kader. Lautern, BVB II, Halle (je 19) Mannheim, Saarbrücken (je 18)

  • Phillip

    Nur noch 3 Wechsler sind veraltet, damit kann nur einhergehen, dass man den Spieltagskader auch entsprechend vergrößert, um mehr Alternativen zu haben. Einen 20er Kader zu benennen, ist nicht verpflichtend auch auch 5 Wechsel muss niemand machen, von daher kann 1860 doch das alte Prinzip gerne weiter beibehalten.

  • ironimus

    … vermisst ein klares Konzept für die 3. Liga … Das hatte der DFB für sein "Premiumprodukt" noch nie.

  • Sterneneisen

    Spannend… den Quatsch von "Ausbildungsliga" kann man sich nicht mehr ausdenken. Wenn es wirklich darum ginge, junge, in Deutschland ausgebildete Fußballer eine bessere Plattform zu bieten, gäbe es ganz andere, viel bessere und wirksamere Hebel, als die U23-Regel. Die 5 Auswechselungen haben damit auch nichts zu tun.

    Worum es wirklich geht, steht doch am Anfang: Nur ums Geld. Niemand muss 5-mal wechseln. Das Argument der Prämien kommt nur von Clubs, die genau über solche Systeme sich Topspieler holen, und andere, nämlich meist Mittelklassevereine ausstechen. Gleichzeitig umgeht man mit Prämien-statt-Festgehalt-Ausgaben auch indirekt Einschränkungen der Lizensierung bzw. Finanzierung der Saison – die tauchen da nämlich vor der Saison logischerweise nicht auf. Man kann also ein geringeren Etat aufstellen, am Ende aber dicke draufzahlen, wenn der Erfolg sich einstellt. So lässt sich auch die eine oder andere Etat-Lücke der letzten Jahre miterklären.

    Viel Wind darum, dass bei 60 alles auf Maß geschneidert ist, man aber den Vorteil auch bis zum Getno auskosten will. Pech haben alle anderen. Man sollte doch eher das Mehrheitsvotum tolerieren, und auch akzeptieren, dass man nicht immer alles haben kann…

    • Brünnstein

      So viel Worte, so wenig Inhalt….Was für ein Gelaber.
      Was bitteschön ist bei 60 auf Maß geschneidert? Ist auf Maß schneidern prinzipiell nicht positiv? Welchen Vorteil will man bei 60 bis zum "Getno" auskosten? Und inwiefern haben alle anderen Pech?

    • Friedrich Herschel

      Prämienzahlungen werden geschätzt kalkuliert. Keine Mannschaft wird nach 38 Spieltagen mit 0 Punkten und = Toren dastehen.

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