Warum Horst Steffen beim SC Preußen Münster scheiterte

Organisation ist das A und O im Fußball-Einmaleins. Kommen dazu noch ein vernünftiger Plan sowie ein kompetenter Trainer, stehen die Chancen auf Erfolg sehr gut. Nicht immer aber führen die guten Voraussetzungen automatisch zum Erfolg, das muss Preußen Münster in diesen Tagen leidvoll am eigenen Leibe erfahren. Horst Steffen hat als Trainer in Münster versagt – den Grund dafür zu finden ist allerdings deutlich schwieriger als die bloße Entlassung an sich.

Es gab keine Alternative mehr

Der Schritt war logisch, er verwunderte angesichts des katastrophalen Saisonstartes keinen mehr wirklich: Horst Steffen musste am 4. Oktober seinen Hut nehmen und ist nicht mehr Trainer des SC Preußen Münster. Es ist das abrupte Ende einer Beziehung, der scheinbar der Erfolg vorprogrammiert war – einstellen sollte dieser sich jedoch nie. Nicht in der Rückserie 2015/2016, die sich nach einem verheißungsvollen Auftakt mehr und mehr den für gewöhnlich schwachen SCP-Rückrunden der letzten Jahre anpasste. Und auch nicht zum Auftakt der aktuellen Spielzeit: So schwach startete Preußen Münster seit Jahrzehnten nicht mehr, sieben Punkte in zehn Spielen lassen das Abstiegsgespenst über der Hammer Straße schweben. Zum Ziehen der Reißlinie, zur Entlassung des Trainers gab es seitens des SCP kaum noch eine Alternative.

Bischoff sorgte für Ärger in der Mannschaft

Wo aber lag der Fehler im Plan? Was muss sich Steffen vorwerfen lassen, falsch gemacht zu haben? Die Saisonvorbereitung verlief tadellos, die Begegnungen machten Hunger auf mehr. Dann entschied sich Steffen, Neuzugang Michele Rizzi anstatt des bisherigen Kapitäns Amaury Bischoff zum Anführer des Teams zu ernennen. Eine umstrittene, aber verständliche Entscheidung, da Bischoff alles andere als unumstritten war und ist. Die Folgen zerrütteten das Team, das sich dadurch zusätzlich schwächte. Bischoff fehlte erst aufgrund selbstdiagnostizierter „mentaler Probleme“, war dann durch eine Verletzung außer Kraft gesetzt und schimpfte schlussendlich beim Auswärtsspiel in Aalen lauthals in Richtung Trainerbank. Den extrovertierten Franzosen bekam Steffen nie richtig in den Griff – und daher auch nicht in die Form, die dem SC Preußen hätte weiterhelfen können. Bischoff dürfte einer der Wenigen sein, die mit der Entlassung von Steffen nur wenig hadern werden. Steffens Autorität und Bischoffs Enttäuschung, sie ließen einander überwerfen: Ein großer und zeitgleich unnötiger Nebenkriegsschauplatz.

Naiv bei der Kaderplanung, rätselhafte Spielerentwicklung

Zeitgleich hatte sich der Verein eine bisher kaum drittligataugliche Defensivreihe zusammengestellt: Keiner aus der ursprünglich angedachten Viererkette hatte je eine Saison in der 3. Liga absolviert, dazu gesellte sich mit Ole Kittner ein über fast vier Jahre Langzeitverletzter. Ein zu hohes Risiko und vielleicht der einzige Fehler im Plan, der im Voraus hätte vermieden werden können. Dass sämtliche neu ins Boot geholten Leistungsträger wie Michele Rizzi, Sandrino Braun, Tobias Rühle oder die begehrten Regionalliga-Spieler Jeron Al-Hazaimeh oder Sebastian Mai bisher allesamt keine Bäume ausrissen oder sogar deutlich unter den Erwartungen blieben, war kaum vorhersehbar. Eine Erklärung, weshalb Steffen zwar langzeitverletzte Kicker oder Reservisten wie Max Schulze Niehues, Danilo Wiebe oder Jesse Weißenfels wieder in Form brachte, bei seinen eigens geholten Akteuren aber scheiterte, gibt es nicht. „Vielleicht haben wir uns in einigen Spielern getäuscht“, sagte etwa Präsident Georg Krimphove am Mittwoch sichtlich mitgenommen ob der Ereignisse.

Die Ursache liegt nicht nur beim Trainer…

Präsident und auch Sportvorstand Carsten Gockel müssen sich nun neuerliche Vorwürfe gefallen lassen. Sie entwickelten vorfreudig im Sommer einen Matchplan, basierend auf einem Trainer und dessen gefordertem Spielermaterial. Nun müssen sie diesen nach nur zehn Runden wieder vollständig umwerfen. Während Georg Krimphove wohl vorzeitig – also noch vor dem Jahreswechsel – aus seinem Posten ausscheidet, werden die Diskussionen um Gockel größer. Auch seine Zukunft bei Preußen Münster ist ungewiss – die neuerliche Trainerentlassung allerdings spielte ihm gewiss nicht in die Karten. Mangelndes Engagement und Herzblut für den Verein Preußen Münster kann ihm sicherlich niemand vorwerfen. Nur braucht es endlich wieder Kontinuität, aus der sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen Erfolg ableiten lassen könnte. Ob jemand wie Gockel dafür noch sorgen kann, ist aktuell fraglicher denn je.

   
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