Waldhof Mannheim: Ein Aufsteiger sorgt für Furore

Neun Punkte, noch keine Niederlage in der Liga. Dazu ein Pokalspiel, das für Aufsehen gesorgt hat: Aufsteiger Waldhof Mannheim ist nicht nur in der 3. Liga angekommen, sondern manch etabliertem Klub derzeit mindestens einen Schritt voraus. Woran liegt das, und kann der Erfolg von Dauer sein?

Die Liga hat Respekt

Es ist nun nicht so, dass der Höhenflug der Buwe völlig überraschend kommt. Drittliga-Aufsteiger, die von ihrer eigenen Euphorie getragen durch das Teilnehmerfeld pflügen und sich lange Zeit – in seltenen Fällen sogar bis zum Saisonende – weit oben in der Tabelle halten können, kommen vor. Und während sich die übrigen Aufsteiger Chemnitz, Bayern II und Viktoria Köln zwischen passabel und noch überhaupt nicht in der neuen Spielklasse eingelebt haben, überzeugen die Waldhöfer nicht nur mit Ergebnissen, sondern auch mit ihrer Spielweise. Brachten die ersten Partien in Chemnitz, gegen Meppen und in Magdeburg jeweils nur ein Unentschieden, so ist der Durchbruch mit dem 4:0-Erfolg über 1860 München vor nunmehr zwei Wochen gelungen. Ein Spiel, in dem die Mannschaft von Trainer Bernhard Trares seine ungeheure Offensivpower mehrfach andeutete.

Seitdem hat die 3. Liga höchsten Respekt vor Mannheim. Auch das 3:5 im Pokal gegen Eintracht Frankfurt – nach zehn Minuten hatte Waldhof noch 2:0 geführt – tat der guten Stimmung keinen Abbruch im Gegenteil. Plötzlich war Mannheim beim Gastspiel in Jena bei den Buchmachern schon favorisiert, und so selbstbewusst trat der Neuling dort auch auf: Auf dem Papier stand "nur" ein 2:1-Erfolg, was einzig an der schwachen Chancenverwertung lag. Gerade Valmir Sulejmani, er machte sich bislang in Liga und Pokal mit vier Treffern verdient, hätte mehr als seinen unfreiwillig vorbereiteten Abstauber zum Endstand erzielen können. Die Thüringer, immerhin in der dritten Saison Mitglied der 3. Liga, sahen kein Land gegen den dominierenden SVW. "Das war eine Männermannschaft, die gegen eine Schülermannschaft gespielt hat", sagte Carl-Zeiss-Trainer Lukas Kwasniok nach Spielende mit einer Mischung aus Respekt und viel Frust über die eigene Leistung.

Die Gründe für den Höhenflug

Es gibt aussagestarke Gründe für den Höhenflug des SV Waldhof. Dass der Aufsteiger zu großen Teilen der Mannschaft vertraut, die nach drei (!) verlorenen Aufstiegsrelegationen endlich den Weg zurück auf nationale Ebene gemeistert hat, ist einer davon. Nur Rechtsverteidiger Jan Hendrik Marx und der spät verpflichtete Max Christiansen im defensiven Mittelfeld standen als Neuverpflichtungen in der Jena-Startelf. Dazu kommt, dass jene Spieler offenkundig gerade in der Offensive auch die nötige Qualität mitbringen, um in Liga 3 zu bestehen. Ob Sulejmani, Gianluca Korte oder Maurice Deville: Vorne wird das Tempo hochgehalten, zudem ist die Freude am schnellen und enorm passsicheren Kombinationsspiel immer wieder erkennbar – in der 3. Liga keine selbstverständliche Qualität!

Strippenzieher aber ist Dorian Diring: Der Elsässer lenkt das Spiel wahlweise durch schnelle Spieleröffnungen, aber auch gekonnte lange Bälle und macht Waldhof so schwer ausrechenbar. Und, ganz nebenbei: Waldhof besitzt trotz teils enorm aktiver Spielweise und offensiver Ausrichtung mit lediglich drei Gegentreffern auch die beste Drittliga-Defensive. Heißt: Die Balance stimmt, und das ist bei solch einer taktischen Marschroute für einen Aufsteiger eine kleine Sensation.

Hammer-Programm in den kommenden Wochen

Mit neun Zählern aus fünf Spielen ist der Kurs Klassenerhalt fürs erste klar abgesteckt. In der Gewissheit, mindestens mithalten zu können, darf die Vorfreude bei den Fans von Waldhof Mannheim daher wachsen: Es folgen unglaublich anstrengende Wochen, die gleichwohl eine Menge Spaß bereiten können. Angefangen im Duell zweier momentan vor Selbstvertrauen platzender Mannschaften gegen den MSV Duisburg, geht es über das Derby beim aktuell schwächelnden 1. FC Kaiserslautern auch noch gegen Würzburg, Uerdingen und Rostock. Ein Kracher-Programm bis Ende September, vor dem sich Mannheim nach den jüngsten Leistungen aber nicht fürchten muss. Steht der SVW danach immer noch auf dem fünften Rang, so könnte erstmals über angepasste Ziele nachgedacht werden…

   
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