RL: Mehrere Aufstiegskandidaten mit Stadion-Sorgen

Der Aufstieg in die 3. Liga stellt für viele Vereine nicht nur eine sportliche, sondern vor allem auch eine finanzielle Herausforderung dar. Besonders die Stadion-Anforderungen sind dabei keine geringe Hürde. Der aktuelle Blick in die Regionalliga-Staffeln zeigt: Gleich mehrere Aufstiegskandidaten stehen vor einem Problem.

SC Verl: Umzug oder Ausbau?

Wie groß die Hürden sind, zeigt sich vor allem am Beispiel des SV Rödinghausen. Die Ostwestfalen führen die Tabelle der Regionalliga West souverän an, haben aber keine Lizenz für die 3. Liga beantragt. Das heimische Häcker-Wiehenstadion ist mit 3.140 Plätzen schlicht zu klein, ein Umbau zu teuer und ein Umzug aus anderen Gründen keine Option. Daher ist nun der SC Verl der erste Aufstiegskandidat, doch auch der SCV müsste in der 3. Liga nachjustieren: Die Sportclub-Arena mit ihren 5.300 Plätzen wird den Anforderungen von mindestens 10.001 Plätzen in der 3. Liga nicht gerecht.

Einem Bericht des "Westfalen-Blatts" zufolge wird über einen Ausbau diskutiert, was vor allem zusätzliche Zuschauerplätze und eine neue Rasenheizung sowie Flutlichter bedeuten würde. Andernfalls müsste es auf einen Umzug hinaus laufen, denn ein ebenfalls im Raum stehender Stadionneubau ist kurzfristig nicht zu realisieren. Laut dem "RevierSport" gab der SV Verl die Schüco-Arena von Arminia Bielefeld und die Benteler-Arena des SC Paderborn als mögliche Ausweichorte an. Auch das Heidewaldstadion in Gütersloh ist eine Option, müsste zunächst allerdings ertüchtigt werden: Momentan sind nur 8.400 Zuschauer zugelassen. Die Gespräche laufen aber bereits, wie der SC Verl mitteilte: "Wir freuen uns, dass die Stadt Gütersloh und der FC Gütersloh uns helfen wollen."

VSG Altglienicke: 3. Liga im Olympiastadion?

Im Nordosten spielt die VSG Altglienicke aus Berlin überraschend um den Aufstieg mit und hat nach "RBB"-Angaben das Stadion an der Köpenicker Landstraße als Spielort angegeben. Problem: Die Spielstätte erfüllt derzeit noch nicht die Drittliga-Anforderungen. Momentan trägt der Klub seine Heimspiele im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark aus. Mit 19.708 Plätzen wären die Anforderungen dort erfüllt, allerdings soll das Stadion gegen Jahresende abgerissen werden und stünde damit für eine etwaige Drittliga-Rückrunde nicht zur Verfügung: "Vielleicht kann man sich mit dem DFB auf die Hinrunde einigen und dann zur Rückrunde ein anderes Stadion benennen. Aber es ist schwierig. Wirklich schwierig“, so Geschäftsführer Marco Schröder gegenüber dem "RBB".

Denkbar wäre ein Umzug in das Stadion an der Alten Försterei – oder aber in das Olympiastadion. Problem allerdings: die hohen Kosten. "Das wird am Ende immer eine Zuschuss-Nummer für uns werden. Rentabel ist das garantiert nicht. Selbst wenn der Senat die Miete vielleicht erlassen würde, bleiben trotzdem die ganzen Organisationskosten. Für den Sicherheitsdienst und alles, was dazugehört", so Schröder.

Lok Leipzig: Umzug nach Erfurt?

Kleiner sind die Sorgen von Nordost-Tabellenführer Lok Leipzig. Das Bruno-Plache-Stadion erfüllt mit 10.900 Plätzen die Mindestkapazität und bräuchte spätestens im zweiten Drittliga-Jahr "nur" rund 1.000 zusätzliche Sitzplätze sowie eine Rasenheizung. Als Ersatzstadion hat der Klub nach "MDR"-Angaben das Steigerwaldstadion in Erfurt angegeben.

Türkgücü München: NRW keine Option

Auch bei Türkgücü München wird im Aufstiegsfall über einen Umzug nachgedacht. Allerdings war dieser in einer größeren Dimension überlegt worden: Von einem Abschied in Richtung Nordrhein-Westfalen war bei den Münchnern die Rede. Eine Idee, die den DFB relativ zügig auf den Plan rief.

"Ein solcher Umzug von Türkgücü München zum Beispiel nach Nordrhein-Westfalen ist nicht möglich", erklärte Heike Ullrich, zuständige Direktorin Vereine, Verbände und Ligen beim DFB. Es sei zwar möglich, Ausnahmen durch den Drittliga-Ausschuss zu genehmigen, allerdings nur im Rahmen "räumlicher Nähe", der bei einem Umzug nach NRW allerdings nicht gegeben wäre. Dennoch braucht Türkgücü eine Option – denn eine Drittliga-Saison, in der mit Türkgücü, Bayern II und 1860 München gleich drei Teams im Grünwalder Stadion spielen, sei "nicht umsetzbar". Denkbar wäre, dass die Bayern-Amateure ausziehen und ihre Heimspiele auf dem Campus-Gelände austragen – oder in der Allianz Arena.

Saarbrücken: Wettlauf mit der Zeit

Auch der 1. FC Saarbrücken reiht sich in die Sammlung von Aufstiegskandidaten mit offenen Stadionfragen ein. Der heimische Ludwigspark wird zwar momentan umgebaut, allerdings ist ungewiss, ob die Arbeiten bis zum Saisonende abgeschlossen sind. Derzeit trägt der FCS seine Heimspiele im Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen aus, das aufgrund der zu geringen Kapazität (6.800 Plätze) aber keine Option für die 3. Liga ist. Auch ein Ausbau kommt aus wirtschaftlichen Gründen nicht infrage.

Und da der DFB einen Umzug ins benachbarte Frankreich nicht erlaubt, bleiben wohl nur zwei Optionen. Möglichkeit eins wäre ein Umzug in die PSD Bank Arena des FSV Frankfurt – diese Alternative haben die Verantwortlichen derzeit im Blick. Zwar ist die Spielstätte des früheren Zweit- und Drittligisten fast 200 Kilometer von Saarbrücken entfernt und liegt zudem in einem anderen Bundesland, doch räumliche nähere Stadien wie in Elversberg, Mannheim und Kaiserslautern kommen aus unterschiedlichen Gründen nicht infrage. 

Möglichkeit zwei wäre, dass der FCS vorerst auf einer Baustelle im Ludwigsparkstadion spielt. Der Rohbau der Tribünen ist immerhin schon abgeschlossen, auch das Dach ist bereits zu Teilen montiert. Ein Wettlauf mit der Zeit also.

   
  • ironimus

    Dem DFB fallen seine Lizenzbedingungen für Liga 3 immer mehr auf die Füße. Viktoria Köln spielte vor dem Aufstieg in einer Bruchbude, die dann im Schnellverfahren mit teilweise abenteuerlich anzusehenden Konstruktionen ligatauglich gemacht werden musste. Der FC Bayern II muss in einem für seine ZS-Zahlen völlig überdimensionierten Stadion spielen (Ausnahme Lokalderby gegen 1860). Und jetzt drängen Vereine nach oben, die die geforderten Standards nicht mal ansatzweise erfüllen können. Dass der DFB selbst keine klare Linie hat, zeigt das Beispiel FC Saarbrücken. Er darf Pokalspiele gegen Bundesligisten anstandslos im nur 6.800 Zuschauer fassenden Völklinger Stadion austragen. Für ggfs. anstehende Drittligapartien wird es ihm verwehrt, weswegen er diese wahrscheinlich im 200 km entfernten Frankfurt austragen muss. Lok Leipzig müsste nach Erfurt umziehen, nur weil das "Bruno" zuwenig Sitzplätze hat. Angedachte Spiele von Altglienicke im Olympiastadion dürften einem Horrorszenario gleichkommen und gar nicht finanzierbar sein. Nicht besser sieht es für Türkgücü in München aus. Bin mal gespannt, wie sich der Verband aus dieser verzwickten Situation herauswindet. Mit Ausnahmeregelungen hat er sich immer schwergetan und Flexibilität ist ohnehin nicht seine Stärke.

  • Nikita

    Wenn mehrere Mannschaften gezwungen werden, in Stadien spielen zu müssen, die rund 200 km weit weg und/oder völlig überdimensioniert sind und auch noch eine sportlich qualifizierte Mannschaft nicht aufsteigen kann, dann sollte der DFB vielleicht mal seine Lizenzbedingungen überdenken. Abgesehen von der fehlenden Stimmung unter solchen Bedingungen, können die Forderungen Vereine auch in den Ruin treiben.

    • marc h.

      das sehe ich genauso. Finanziell ist da schon soviel zu tun. Es macht auch keinen Sinn bei einem Schnitt von 5000 Zs. immer nur ein halbvolles Stadion zu haben. Flutlicht und Rasenheizung ergeben aber durchaus Sinn wegen den Terminen. Gewisse Sicherheitsstandarts erfüllen etc. und gut ist. Der Sprung in die 2.Liga wird dann ja auch Finanziell besser unterstützt und dann müssen die Anforderungen auch steigen.

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