SpVgg Bayreuth: Traditionsschub aus Oberfranken für die 3. Liga?

Das Aufstiegsrennen in den Regionalligen spitzt sich zu. Am deutlichsten vorn ist die SpVgg Bayreuth in der Bayern-Staffel: Die Lizenzunterlagen sind eingereicht, alles bereitet für den Aufstieg. Oder? Vor allem infrastrukturell muss noch etwas getan werden. Sportlich liefert der Klub hingegen jede Menge Argumente. Ein Blick in den Süden.

Elf Siege in Folge und kaum ein Punktverlust

Festspiele sind die Bayreuther gewohnt. Ende Juli bis Ende August ist Hochsaison für Kulturfreunde, vier Wochen stehen im Namen von Richard Wagner und bieten Klassiker des musikalischen Bühnenwerks. Nicht weit entfernt steht das Hans-Walter-Wild-Stadion, eine Fußballstätte alter Schule und sicherlich nichts für Opernfreunde. Spektakel und so manchen Festtag haben die, die sich alle zwei Wochen dort einfinden, allerdings auch erlebt: Die SpVgg Bayreuth führt die Tabelle der Regionalliga Bayern mit 13 Punkten Vorsprung an. Am Mittwochabend gab es den nächsten Kantersieg – ein 4:0 über die Reserve des Erstligisten FC Augsburg. Immer mehr deutet darauf hin, als würde die 3. Liga einen weiteren Debütanten begrüßen können. Und das wäre hochverdient.

Es bahnt sich schließlich seit längerer Zeit etwas an in der "Oldschdod", wie die Bayreuther ihre Mannschaft so gerne nennen. Elfmal in Folge haben die Oberfranken nun gewonnen, das fabelhafte Torverhältnis dahinter beträgt 32:4 – so spielt nicht nur ein Aufsteiger, sondern auch einer, der die gesamte Regionalliga Bayern demontieren will. Kaum zu glauben, dass die insgesamt erzielten 79 Treffer nach 29 Spieltagen nur die drittbeste Offensive der Liga hinter der in der 3. Liga noch bestens bekannten FC-Bayern-Reserve (82 Tore) sowie Schweinfurt 05 (83) ist. Das Leistungsgefälle in dieser Spielklasse ist zwischen Ligaspitze und der Abstiegszone eben, Kritiker der Bayern-exklusiven Staffel bemängeln es immer mal wieder, ein gewaltiges. Und doch zeigt sich die Klasse darin, wie selten Punkte abgegeben werden: Nur fünfmal war das bei Bayreuth bislang der Fall, neunmal bei den Bayern, 14 Mal bei den schon abgeschlagenen Schweinfurtern. Da war selbst die 0:3-Niederlage gegen die "Schnüdel", einer von dreien im Saisonverlauf (kurioserweise alle daheim), verschmerzbar.

Homogener Kader mit einiger höherklassiger Erfahrung

Zu was die Spielvereinigung imstande ist, spürte zu Saisonbeginn bereits ein Bundesligist. Arminia Bielefeld sah sich im DFB-Pokal den Gelb-Schwarzen gegenüber, siegte spektakulär mit 6:3. Doch was auf dem Papier deutlich aussieht, war für den drei Klassen höheren Klub ein hartes Stück Arbeit. Denn Bayreuth machte nicht das, was 95 Prozent aller krassen Außenseiter in diesem Wettbewerb machen würden: Trainer Timo Rost beauftragte seine Spieler damit, die Bielefelder früh zu attackieren, selbst flache Kombinationen zu suchen, durchaus mal Spielphasen zu dominieren. Auch wenn sich die Bielefelder nach zwischenzeitlichem 3:3-Remis in der Schlussphase problemlos durchsetzten, spürte das stolze Publikum der Oberfranken: Mit dieser Einstellung kann die Saison kommen.

Danach drehte der mit Drittliga-Qualität gespickte Kader auf. Stürmer Markus Ziereis, der in Chemnitz, Regensburg, Darmstadt und bei 1860 München nie Fuß fasste in der 3. Liga, knipst in der Regionalliga mit 17 Toren fleißig, Rechtsaußen Daniel Steininger (früher Magdeburg und Fürth) kommt mit 26 Jahren schon auf respektable 49 Zweitliga-Einsätze, auf der Sechs steht mit Benedikt Kirsch (25, Türkgücü) und Nicolas Andermatt (26, Meppen) ebenso ein Duo, das für ihr Alter sehr erfahren ist. Andere, wie die in der Offensive nicht minder gefährlichen Markus Nollenberger und Ivan Knezevic, kennen die Bayern-Regionalliga in- und auswendig. Es ist eine nahezu perfekte Mischung, homogen und ohne klassische Stars, etliche Spieler haben Bezug zur Region, wurden in der Nähe ausgebildet, etwa in Nürnberg oder Fürth.

Noch mangelt es am Flutlicht

Trainer Rost kommt aus Lauf an der Pegnitz, auch das ist nicht weit entfernt. Einst Bundesliga-Spieler und Kapitän bei Energie Cottbus, ist er schon seit fünf Jahren Fußballlehrer. Ein Talent auf dieser Position, etwas abseits vom großen Scheinwerferlicht, das die Bayreuther 2018 abgeschlagen auf dem letzten Platz übernahm und sie zu einem Spitzenteam formte. Die kuriose Saison 2019/21, die im Herbst 2020 ohne Aufsteiger Türkgücü München fortgeführt worden war und in Aufstiegs-Play-offs zwischen Schweinfurt, Aschaffenburg und der SpVgg endeten, schloss die "Oldschdod" als Dritter ab. Schweinfurt scheiterte schließlich an Havelse, wurde dem Anspruch als Topfavorit in dieser Saison nicht gerecht. Und da sind sie wieder, die Bayreuther. 13 Punkte Vorsprung trügen zwar ein bisschen, Verfolger Bayern II hat noch zwei Spiele in der Hinterhand. Doch wenig deutet darauf hin, als würde die Rost-Elf überhaupt noch sieben Zähler liegen lassen. Wobei sowohl der FCB als auch Schweinfurt noch auf dem Spielplan stehen.

Neben den letzten sportlichen Hürden gibt es auch infrastrukturelle Hindernisse zu bewältigen. Das 1967 eingeweihte Hans-Walter-Wild-Stadion, das 21.500 Zuschauer aufnehmen kann, aber unter den Drittliga-Arenen doch zum eher alten Eisen gehört, besitzt weder Rasenheizung noch eine Flutlichtanlage. Gerade Letzteres muss aber schon zum Start der neuen Saison installiert sein, sonst droht ein Umzug etwa ins Steigerwaldstadion im thüringischen Erfurt – das zwei Stunden entfernt liegt. Im Februar 2022 stellte die Stadt dem Klub, der zuletzt zwischen 1988 und 1990 Gast in der 2. Bundesliga war, eine Summe von 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Noch ist aber unklar, ob die Einrichtung bis Juli klappt. Auch in Sachen Euphorie könnte sich unterdessen noch etwas tun: Gegen Augsburg II verirrten sich nur 866 Fans ins Stadion, etwas dürftig für einen derart dominanten Spitzenreiter aus einer Stadt mit immerhin 75.000 Einwohnern. Spätestens im Endspurt sollten die Zahlen deutlich steigen – schließlich locken unter anderem bald bayrische Duelle mit 1860 München, wenn die SpVgg Bayreuth ihren Kurs hält. Mit dem Aufstieg würde die Oberfranken nach 33 Jahren in den Profifußball zurückkehren, nachdem der Klub von der 2. Liga (1985-1990) bis in die 5. Liga (2008-2014) abgestürzt war.

   

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