So kämpft der Ex-Lübecker Hoins gegen seine Depression

Dennis Hoins befindet sich in der wohl schwersten Zeit seines Lebens. Nicht etwa wegen Corona. Der Ex-Offensivspieler vom künftigen Drittligisten VfB Lübeck leidet seit Ende letzten Jahres unter Depressionen. Deshalb beendete Hoins jetzt auch frühzeitig seine Karriere und kehrt dem höherklassigen Fußball bereits mit 27 Jahren den Rücken.

Hoher Leistungsdruck

"Es ging nichts mehr", erinnert sich Hoins im Gespräch mit liga3-online.de an den Ausbruch seiner Krankheit: "Ich war extrem unruhig und fand keine Motivation mehr – nicht einmal für alltägliche Dinge wie das Kochen. Es war eine neue und sehr belastende Situation für mich. Mir war klar, dass ich schnell Hilfe brauche."

Ursache für die Depression war unter anderem der hohe Leistungsdruck im Fußball. "Es gab vorher bereits einige Momente, an denen ich über ein Karriereende nachgedacht hatte", betont Hoins, der seit 2017 für den vor kurzem gekürten Regionalliga Nord-Meister aus Lübeck kickte: "Meine Laufbahn lief teilweise nicht nach meinen Vorstellungen und ich musste mich häufiger mit kleineren, aber auch größeren Verletzungen herumplagen. Nach mehreren Wehwehchen hat mir mein Körper jetzt das Zeichen gegeben, dass er das nicht mehr will und eine Veränderung braucht."

Vier Monate Therapie in der Klinik

Hilfe holte sich Hoins über seinen Verein. Der VfB Lübeck vermittelte den Linksfuß an einen Arzt, der ihm zwei Möglichkeiten aufzeigte: Eine ambulante oder eine stationäre Therapie. "Ich entschied mich für Letzteres und war vier Monate in einer Klinik", so Hoins: "Dort bin ich in eine Welt eingetaucht, die ich bis dato noch nicht kannte. Ich habe viele Menschen mit den gleichen Problemen kennengelernt, mich viel ausgetauscht und einige Freundschaften geschlossen. Es war ein einschneidendes Erlebnis und eine prägende Zeit, die mir definitiv dabei geholfen hat, mit meinen Gefühlen und Gedanken wieder besser umzugehen."

Nach der Zeit in der Klinik wohnt der Rotschopf vorübergehend wieder bei seinen Eltern. "Ich bin froh, dass ich meine Familie derzeit tagtäglich um mich habe", sagt Hoins: "Sie und meine engsten Freunde geben mir wichtigen Halt." Seine Krankheit hat er aber noch nicht überstanden. Regelmäßige Termine mit einem ambulanten Pfleger, einem Psychiater und einer Therapeutin gehören zu seinem Alltag. "Die Behandlung ist ein langer Prozess", erklärt Hoins: "Es ist nahezu unmöglich, eine Prognose über das Ende einer Depression zu treffen. Man sagt aber, dass Zeit die Wunden heilt. Ich bin auf einem guten Weg und hoffe, dass ich ihn fortsetzen kann."

Wunsch nach offenerem Umgang mit Depressionen

Insgesamt wünscht sich Hoins, dass im Sport offener mit Depressionen umgegangen wird. Deshalb fasste er auch den beherzten Entschluss, den Grund für sein Karriereende öffentlich zu kommunizieren. "So können alle meinen radikalen Schritt verstehen, sich besser in mich hineinversetzen und dieses wichtige Thema erhält Aufmerksamkeit", so der aus dem niedersächsischen Verda stammende Regionalliga-Kicker.

Gleichzeitig hofft Hoins, dass sein "Outing" auch anderen an Depressionen leidenden Menschen dabei hilft, einen Ausweg zu finden. "Es ist entscheidend, sich Hilfe zu holen und die vielen psychischen Belastungen, die eine Depression mit sich bringt, nicht in sich hineinzufressen", betont er: "Man muss sich eingestehen, dass es einem schlecht geht. Sich helfen zu lassen, ist weder peinlich noch unangenehm. Es zeugt vielmehr von Mut."

Großen Mut bewies auch Hoins mit seinem Karriereende. Kurz bevor er die Chance gehabt hätte, erstmals in seiner Karriere im Profibereich zu spielen, zog er den Schlussstrich. Um seine Krankheit zu besiegen und wieder Freude zu verspüren. "Wir haben in Lübeck viele Jahre auf den Aufstieg hingearbeitet und ich hätte gerne in der 3. Liga gespielt. Aber die Gesundheit geht vor." Dennis Hoins zeigt, worum es sich im Leben wirklich dreht.

   
  • Hans Werner

    Starker Schritt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Im Fußball setzt sich immer nur die Qualität durch. Eine schlechte Phase, eine Verletztung kann das Aus bedeuten. Wir "Normalos" können uns schlechte Phase im Job in der Regel leisten (insbesondere Beamte ;-)). Gerade Kicker in der dritten und vierten Liga geht es auf Grund der deutlich geringeren Bezüge als in den Bundesligen und der endlichen "Arbeitszeit" oft um die finanzielle Existenz. Ich hoffe, der Spieler findet nun seine Zufriedenheit woanders.

    • Bongo

      Also eine schlechte Phase im Job kann ich mir als "normalo" nicht erlauben! Ich habe auch schwere Depressionen, das interessiert aber meinen Arbeitgeber nicht wirklich und die Öffentlichkeit schon gar nicht.
      Ein Fehler bei meinem Job und ich liege in der Ecke, wenn ich Glück habe lebe ich dann noch!
      Frag mal einen Arzt ob er sich bei einer OP ne "schlechte Phase" erlauben kann

      Die breite Masse der Bevölkerung sollte erst einmal aufgeklärt werden was es bedeutet unter Depressionen zu leiden. Robert Enke wurde leider viel zu schnell vergessen.
      Leider gibt es Menschen in Deutschland die denken es ist ansteckend, das man in eine Anstallt gehört, das sind Erfahrungen die ich gemacht habe nachdem ich offen damit umgegangen bin.

      PS: Aber ich drücke dem Dennis auch beide Daumen das er mit seiner Krankheit schnellst möglich zurecht kommt

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