Schiri-Frust bei 1860: "Verhältnismäßigkeit fehlte"

Nein, wirklich zufrieden zeigte sich der TSV 1860 München mit dem 2:2 im Stadtduell gegen Türkgücü München nicht. Bis zu 60. Minute hatten die Löwen das Spiel im Griff, ehe Dennis Dressel Rot sah – eine umstrittene Entscheidung. Trainer Michael Köllner vermisste vor allem die Verhältnismäßigkeit bei den Karten.

Köllners Kritik an der Spielleitung

Sie war ohne Frage der Knackpunkt der Partie, die rote Karte gegen Dressel, nachdem er Philipp Erhardt im Kampf um den Ball am Schienbein getroffen hatte. "Die rote Karte kann man geben, keine Frage", meinte Köllner auf der Pressekonferenz, schob jedoch direkt hinterher: "Aber dann muss man im ganzen Spiel streng unterwegs sein. Und das war nicht der Fall." Beispielhaft nannte Köllner drei "klare Fouls" von Türkgücü zu Spielbeginn, die jeweils nicht mit Gelb geahndet worden waren. "Und dann begeht Dressel sein erstes Foul und sieht direkt Rot. Die Verhältnismäßigkeit und das Augenmaß fehlten. Eine klare Linie war nicht zu erkennen, deswegen wurde es auch so hektisch", monierte der Oberpfälzer, der mit der Spielleitung von Schiedsrichter Patrick Hanslbauer insgesamt "nicht zufrieden" war und sich bereits während der Partie wegen Meckerns Gelb abholte. Auch Sascha Mölders, Torschütze zum 2:1, konnte den Platzverweis bei "MagentaSport" nicht nachvollziehen und meinte: "Sehr mutig, in so einem Spiel an der Mittelinie Rot zu zeigen."

Aufregung gab es auch bereits in der ersten Halbzeit, als Türkgücüs Stangl den Ball bei einem Kopfball-Duell mit dem Arm berührte – der Elfmeter-Pfiff blieb aber aus. "Ärgerlich, dass der Ball von der Hand nicht zu Lex kommt, sondern abgewehrt wird", meinte Köllner und bemerkte mit einer Prise Ironie: "Wurden die Regeln für Handspiel schon wieder geändert? Da blickt keiner mehr durch." Für Türkgücü-Coach Alexander Schmidt war es derweil "kein klares" Handspiel. "Wenn er streng ist, kann man es geben. Aber es war eher eine Verlängerung der Brust beziehungsweise der Schulter."

Mölders ist "null zufrieden"

So musste 1860 am Ende eines hitzigen Spiels, in dem es acht gelbe Karten gab, mit dem Punkt leben. Köllner war dennoch "mächtig stolz" auf seine Mannschaft: "Sie hat ein starkes Spiel gemacht und ein richtig gutes Gesicht gezeigt. Für uns war es das dritte Spiel in sieben Tagen, zwei davon haben wir in Unterzahl beendet." Zwar sei es ärgerlich, "dass wir nicht drei Punkte geholt haben", doch die Tatsache, dass 1860 trotz 30-minütiger Unterzahl immerhin einen Zähler mitnahm, sei "extrem wichtig" für die Moral. "Auch mit einem Mann weniger haben wir gut verteidigt und kaum etwas zugelassen", meinte Köllner. Allerdings kassierten die Löwen in Unterzahl den 2:2-Ausgleichstreffer. Köllner war aber darum bemüht, das Positive aus den letzten 30 Minuten zu ziehen: "Das Gegentor hat uns nicht ins Wanken gebracht." Selbiges sagte der Sechzig-Coach auch über das aus seiner Sicht "blöde 1:1", bei dem die Zuordnung nicht gestimmt habe.

Ärgern werden sich die Löwen vor allem, weil sie die Top-Scorer der 3. Liga, Petar Sliskovic und Sercan Sararer, nicht in den Griff bekamen. Vorlage Sararer, Tor Sliskovic – so lief es gleich zweimal an diesem Samstagnachmittag. Unter dem Strich gehen die Münchener mit drei Unentschieden aus der Englischen Woche – zu wenig für die Ansprüche. "Wir wollten unbedingt gewinnen, das haben wir nicht geschafft", war Mölders, der ein Interview mit dem "BR" abbrach, nach Spielende mächtig angefressen. "Ich bin mit dem Punkt null zufrieden. Das einzig positive ist, dass meine Tochter Geburtstag hat und ich ihr das Tor schenken kann." Um einen Sieg als nachträgliches Geschenk können die Löwen dann in einer Woche bei Viktoria Köln kämpfen.

   
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