Scheitert die Regionalliga-Reform? Fragen und Antworten

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Weil sich derzeit keine Lösung anbahnt, wie ab der Saison 2020/21 aus fünf Regionalligen vier werden, damit alle Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen, droht die angedachte Regionalliga-Reform zu scheitern. Was sind die Hintergründe, warum fällt ein Kompromiss so schwer und was spricht gegen andere Vorschläge? liga3-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Hintergründe

Worum geht es bei der angedachten Reform?

Bereits vor einem Jahr waren mehrere Reform-Modelle im Gespräch, jedoch fanden sich keine Mehrheiten für die diskutierten Vorschläge zur Reform der Regionalliga. Der DFB-Bundestag beschloss im Dezember 2017 daher eine Übergangsregelung bis 2020 und rief eine Arbeitsgruppe ins Leben. Diese bestand aus zwölf Mitgliedern, darunter Vertreter der Regional- und Landesverbände sowie der 3. Liga – ihr Ziel: Bis zum DFB-Bundestag am 26./27. September 2019 eine Lösung zu finden, wie aus fünf Regionalligen vier werden können, damit alle Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen.

Ist eine solche Lösung in Sicht?

Nein! Wie der "Kicker" am Montag berichtete, hat sich die Arbeitsgruppe bereits am 14. November nach nur drei Sitzungen wieder aufgelöst. Laut DFB-Vizepräsident Rainer Koch, der zugleich auch Präsident des bayrischen Fußballverbandes ist, sollen insgesamt 15 Modelle einer viergleisigen Regionalliga besprochen worden sein, von denen "kein einziges (…) den vom DFB-Bundestag vorgegebenen Kriterien" entsprach. Darüber hinaus sei keines der Modelle "auch nur von mehr als drei der 12 AG-Mitglieder für geeignet und umsetzbar erachtet worden."

Ist die Arbeitsgruppe ergebnislos auseinander gegangen?

Da sich die AG-Mitglieder auf kein Modell für eine viergleisige Regionalliga einigen konnten, wurde ein Vorschlag verabschiedet, mit dem sich das DFB-Präsidium am 7. Dezember befassen soll. Dieser sieht vor, dass die Staffeln West- und Südwest jeweils einen festen Aufstiegsplatz erhalten und die Staffeln Nord, Nordost und Bayern zu zwei Regionalligen verschmolzen werden, deren Meister dann ebenfalls direkt in die 3. Liga aufsteigen würden. Ob das sportlich sinnvoll und wirtschaftlich machbar und umsetzbar sei, "muss nunmehr in den jeweiligen Regionen untersucht werden", so Koch.

Wo ist der Haken?

Damit aus den Staffeln Nord, Nordost und Bayern zwei Regionalligen werden können, müsste die Nordost-Staffel zerschlagen und deren Vereine auf die anderen beiden Staffeln aufgeteilt werden. Die Klubs aus Thüringen und Sachsen würden dann der Regionalliga Bayern zugeordnet werden, die Vereine aus Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern würden sich mit den Teams aus der derzeitigen Nord-Staffel duellieren – die Flächen würden also jeweils deutlich ausgeweitet. Budissa Bautzen aus Ostsachsen müsste nach Memmingen in den Süden Bayerns reisen (593 Kilometer), für Union Fürstenwalde aus dem Osten Brandenburgs würde es bis nach Flensburg gehen (484 Kilometer). Ein Szenario, das der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) klar ablehnt: "Unser Anliegen wird und muss es sein, die Regionalliga Nordost zu erhalten", sagte NOFV-Präsident Rainer Milkoreit am Dienstag gegenüber dem MDR. "Wir sind für eine große Relegation, an der sich alle beteiligen."

Was passiert, wenn die Verbände Nord, Nordost und Bayern nicht zu einer Aufteilung in zwei Staffeln gelangen?

Wie der DFB betont, hätten sie in diesem Fall "eine genaue Begründung darzulegen, wie stattdessen die beiden Aufsteiger in ihrem Gebiet zu ermitteln sind." Und darauf wird es hinauslaufen, da der NOFV und seine Vereine – wenig überraschend – gegen eine Zerschlagung der Nordost-Staffel votieren werden. Heißt: Es wird sehr wahrscheinlich bei fünf Staffeln bleiben. Die beiden Aufsteiger aus den drei Staffeln müssten dann in einem wie auch immer gearteten Modus ermittelt werden. Denkbar wäre beispielsweise eine Aufstiegsrunde oder ein rollierendes System mit einem jährlich wechselnden festen Aufsteiger und einem Relegationsspiel. Rainer Koch stellte unterdessen klar: "Wir werden uns in Bayern (und die Kollegen im Norden auch nicht) keinesfalls gegen den Willen des Nordostens stellen und wir sind auch gegen einen entsprechenden Mehrheitsbeschluss, der die Regionalliga Nordost aufteilen würde."

 

Probleme

Wäre die Reform der Regionalliga gescheitert, wenn es bei fünf Staffeln bleiben sollte?

Definitiv ja! Vorrangiges Ziel ist, und das betonte auch der DFB in seiner Mitteilung am Montag, die Reduzierung der Regionalliga von fünf auf vier Staffeln, aus denen alle Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen.

Warum ist es so schwierig, die Regionalliga in vier statt fünf Staffeln zu gliedern?

Knackpunkt sind die stark abweichenden Interessen der einzelnen Regional- und Landesverbände und ihrer Vereine. Problem: Mitten durch die Regionalligen verläuft die Grenze zwischen Profi- und Amateurfußball. Auf der einen Seite gibt es Vereine wie Chemnitz, Erfurt, Viktoria Köln, Essen, Aachen, Mannheim, Saarbrücken und Offenbach, die klar den Aufstieg in die 3. Liga anstreben und sich keinesfalls dauerhaft in der Regionalliga aufhalten wollen – diese Klubs würden von einer viergleisigen Regionalliga mit vier direkten Aufsteigern profitieren.

Auf der anderen Seite spielen in den fünf Regionalliga-Staffeln aber auch Klubs wie Schalding-Heining, Pipinsried, Heimstetten, Balingen, Stadtallendorf, Straelen, Herkenrath, Altglienicke, Drochtersen/Assel und Egestorf/Langreder, welche die Regionalliga als persönliche "Champions-League" ansehen. Ein Aufstieg käme, selbst wenn sie sich sportlich qualifizieren würden, aus finanziellen und organisatorischen Gründen nicht in Frage. Für diese Vereine wäre eine auf den direkten Aufstieg in die 3. Liga ausgelegte Regionalliga-Struktur ein Nachteil, einige müssten angesichts des Wegfalls einer Staffel den Gang in die Oberliga antreten. Eine andere Option: Die zweiten Mannschaften würden ausgeschlossen. Diesem Modell werden allerdings die Bundesligisten nicht zustimmen.

Und dann sind da noch die Regional- und Landesverbände selbst, die ihre jeweilige Staffel unbedingt erhalten möchten und bisher zu keinen Kompromissen bereit sind. Ein Beispiel: Während der NOFV gegen eine Zerschlagung der Nordost-Staffel ist, argumentiert Koch: "Bei 56.000 Fußballmannschaften in Deutschland, kann ich mit 9.500 Mannschaften, die im Nordosten beheimatet sind, nicht beanspruchen, ein Viertel der Regionalligen zu haben." Auf der anderen Seite ist vielen Fans die Bayern-Staffel mit ihren zahlreichen Dorfvereinen und zweiten Mannschaften ein Dorn im Auge. Sie fordern deren Zerschlagung, was Koch wiederum aufgrund der Fläche Bayerns für wenig praktikabel hält.

Warum sollen die West- und Südwest-Staffeln in jedem Fall einen festen Aufstiegsplatz erhalten?

Dass die Meister der West- und Südwest-Staffel in jedem Fall in die 3. Liga aufsteigen sollen, wird nicht mit sportlichen Argumenten begründet, sondern damit, dass in ihren Gebieten knapp die Hälfte aller 25.000 in den Verbänden organisierten Vereine in Deutschland vertreten sind: 4.500 im Westen und 7.700 im Südwesten. Aus diesem Grund stellte die Regionalliga-Südwest in den vergangenen Jahren auch stets zwei Teilnehmer der Aufstiegsspiele zur 3. Liga.

Wie reagieren die Drittligisten?

Am Mittwoch verschickten die 20 Drittliga-Vereine eine gemeinsame Stellungnahme, in der sie deutliche Kritik am DFB sowie an den Regional- und Landesverbänden äußerten. So sei die Glaubwürdigkeit des DFB in Bezug auf die Neuregelung des Aufstiegs in die 3. Liga "endgültig verloren gegangen", außerdem würde es in den Regional- und Landesverbänden Kräfte geben, "die ausschließlich den traditionellen Machterhalt im Auge haben und nicht über eine sachgerechte Lösung für den Fußball nachdenken." Da sich keine Lösung mit vier Regionalliga-Staffeln und somit vier direkten Aufsteigern abzeichnet, fordern die Vereine eine Rückkehr zu drei Absteigern. Denn kein vierter Verein der 3. Liga "sollte für den offensichtlich fehlenden Willen zur Bildung einer Lösung mit vier Regionalligen mit dem Abstieg bestraft werden", machten die Klubs deutlich.

 

Alternativ-Varianten

Ist die Einführung einer zweigleisigen 3. Liga realistisch?

Nein. Schon vor einem Jahr war der Vorschlag diskutiert, allerdings für wenig realistisch erachtet worden. Ein Grund: Bei einer zweigleisigen 3. Liga müssten die Vermarktungserlöse – etwa aus dem TV-Topf – durch mehr Vereine geteilt werden, sodass die Einnahmen pro Verein sinken würden. Auch sportlich wäre die Zweiteilung der 3. Liga ein Rückschritt, wie der DFB seinerzeit gegenüber unserer Redaktion anmerkte: "Die Kluft zur 2. Bundesliga würde dann noch größer werden." Zudem stellt sich die Frage der Finanzierung und der Attraktivität. Klar ist daher: Eine zweigleisige 3. Liga ist keine Lösung, um gemäß dem Motto "Alle Meister müssen aufsteigen" für mehr Gerechtigkeit in der Regionalliga zu sorgen – weil sie zulasten des Profifußballs gehen würde. "Das wäre das Aus für die 3. Liga", warnt Osnabrück-Geschäftsführer Jürgen Wehlend in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Warum erhöht man die Drittliga-Absteiger nicht auf fünf, damit alle fünf Regionalliga-Meister direkt aufsteigen können?

Schon aufgrund des vierten Absteigers seit dieser Saison hat sich der Existenzkampf in der 3. Liga zusätzlich verschärft, ein fünfter Absteiger würde die Situation weiter zuspitzen. Dass ein Viertel der Vereine am Saisonende absteigt, ist den Klubs kaum zuzumuten – und wird auch keine Fürsprecher beim DFB und der 3. Liga finden.

Und warum erhöht man die Anzahl der Drittliga-Mannschaften dann nicht auf 22, damit fünf Absteiger vertretbar wären?

Auch dieser Vorschlag ist nicht neu, allerdings würden zwei zusätzliche Mannschaften auch vier weitere Spieltage bedeuten. Wie diese im ohnehin schon vollen Rahmenkalender untergebracht werden sollten, ist überaus fraglich. Die einzige Option wäre die Abschaffung der Länderspielpausen für die Drittligisten, was allerdings auch zu einer höheren Belastung führen würde. Um diese wieder zu senken, fordern einige Fans, dass die Drittligisten automatisch für den DFB-Pokal qualifiziert sein sollen und somit nicht mehr am Landespokal teilnehmen müssten. Dafür müsste jedoch wiederum der DFB-Pokal reformiert werden und mit deutlich mehr Mannschaften an den Start gehen, was ebenfalls wenig realistisch ist. Hinzu kommt, dass die sportliche Attraktivität der Liga angesichts von 42 Spieltagen leiden dürfte.

Was spricht gegen eine zweigleisige 4. Liga zwischen der 3. Liga und der Regionalliga?

Während der Profifußball aufgewertet würde, wären kleinere Vereine nur noch fünftklassig vertreten. Der Amateurfußball würde eine deutliche Abwertung erfahren, was weder der DFB noch die Regional- und Landesverbänden zulassen würden.

Ist überhaupt eine Lösung für eine viergleisige Regionalliga möglich?

Auf dem Papier erscheint eine Lösung einfach, jedoch ist das Thema hochkomplex. Klar ist: Alle Regional- und Landesverbände müssten im Sinne einer viergleisigen Regionalliga zu Kompromissen bereit sein – doch das erscheint derzeit nicht möglich. Zumindest rein geografisch könnte folgende Aufteilung denkbar sein: West (NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland), Süd (Baden-Württemberg, Bayern), Ost (Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern) und Nord (Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg). Doch auch gegen diese Lösung würde es negative Stimmen geben, etwa aus Bayern.

Wer wäre der große Verlierer, wenn die Reform der Regionalliga scheitern sollte?

Die 3. Liga! Die 20 Drittligisten hatten einem vierten Absteiger mit Beginn dieser Saison nur unter der Bedingung, dass die Regionalliga ab 2020 auf vier Staffeln reduziert, zähneknirschend zugestimmt und waren damit in Vorleistung gegangen. Dementsprechend verärgert sind die Vereine nun, dass keine Lösung in Sicht ist.

   
  • Gabba

    Was haben Vereine wie dorchtersen damit zu tun wenn die nicht aufsteigen wollen brauchen die ja nur keinen Antrag auf Lizenzierung stellen und fertig

    • Friedrich Herschel

      Je weniger Regionalligen es gibt, desto größer ist das Verbandsgebiet, deswegen sind die Reisewege länger, als fallen auch die Reisekosten (Fahrt und evtl. gar Übernachtung) aus.

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