Keine Einigung in Sicht: Scheitert die Regionalliga-Reform?

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Wie können aus fünf Regionalligen vier werden, damit alle Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen? Auf diese Frage sollte eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von DFB-Vizepräsident Peter Frymuth bis 2019 eine Antwort finden. Doch wie der "Kicker" berichtet, sei derzeit keine Lösung in Sicht. Die Reform der Regionalliga droht zu scheitern.

Arbeitsgruppe hat sich aufgelöst

"Meister müssen aufsteigen" – das ist die zentrale Forderung vieler Regionalligisten und ihrer Fans. Nachdem auf dem DFB-Bundestag im Dezember 2017 eine Übergangslösung für die Spielzeiten 2018/19 und 2019/20, bei der immerhin vier statt bisher drei Meister in die 3. Liga aufsteigen (siehe Info unten), verabschiedet worden war, sollte die Regionalliga-Struktur mit Beginn der Saison 2020/21 reformiert werden: Vier Staffeln, vier direkte Aufsteiger, keine Aufstiegsspiele. Allein: Wie aus fünf dann vier Regionalligen werden sollen, dazu fand eine Arbeitsgruppe keine Lösung – und soll sich zum 14. November daher aufgelöst haben.

Nach "Kicker"-Angaben habe sich keine Mehrheit für die diskutierten Modelle einer viergleisigen Regionalliga gefunden. Der Knackpunkt: Die Zerschlagung der Nordost-Staffel, deren Vereine aus Thüringen und Sachsen der Regionalliga Bayern und der Rest der Regionalliga Nord zugeordnet werden würde, sei laut dem Fachmagazin das "einzig denkbare Szenario". Der DFB, das geht aus einer am Montagnachmittag veröffentlichten Mitteilung hervor, setzt nun darauf, dass die Regionalverbände Nord und Nordost sowie der Landesverband Bayern zu einer Verschmelung in zwei Staffeln gelangen. Sollte sich kein Konsens finden, "hätten sie eine genaue Begründung darzulegen, wie stattdessen die beiden Aufsteiger in ihrem Gebiet zu ermitteln sind", so der DFB.

West- und Südwest-Meister sollen direkt aufsteigen

Unabhängig davon scheint bereits klar: Die Meister der West- und Südwest-Staffel werden ab 2020 jeweils einen festen Aufstiegsplatz erhalten. Darauf habe sich die Arbeitsgruppe nach DFB-Angaben einstimmig festgelegt, wobei sich die beiden Vertreter der 3. Liga enthielten. Die anderen beiden Aufstiegsplätze entfallen auf die Staffeln Nord, Nordost und Bayern im Rahmen. Gelingt ihnen die Aufteilung auf zwei Staffeln, steigen beide Meister direkt auf, ansonsten werden die Aufsteiger wohl über Aufstiegsspiele ermittelt. "Die Entscheidung liegt jetzt bei den betreffenden Regional- und Landesverbänden – unter weiterer Einbindung der Vereine", betont DFB-Vizepräsident Peter Frymuth, der die Arbeitsgruppe leitete. NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs betonte gegenüber dem MDR jedoch bereits, dass eine Zerschlagung der Nordost-Staffel für die Vereine nicht in Frage käme.

Am 7. Dezember wird sich das DFB-Präsidium im Rahmen seiner nächsten Sitzung mit dem erarbeiteten Vorschlag befassen. Anschließend sollen weiteren Maßnahmen eingeleitet werden, dann auf Ebene der Regional- und Landesverbände. Geplant sei unverändert, dass die Neuregelung des Aufstiegs zur 3. Liga beim DFB-Bundestag 2019 (26./27. September) verabschiedet werden soll.

Bereits im Vorfeld des DFB-Bundestages vor einem Jahr war die Zerschlagung der Nordost-Staffel zugunsten einer viergleisigen Regionalliga diskutiert worden, was bei den benachteiligten Staffeln jedoch wenig überraschend auf Ablehnung gestoßen war. DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte unterdessen eine andere Auffassung: Wie er im November 2017 sagte, spreche eine Menge dafür, "dass die leistungsfähigen Regionalligen West und Südwest ihr eigenes Aufstiegsrecht erhalten."

3. Liga als großer Verlierer?

Bleibt es bei den fünf Regionalligen und den Aufstiegsspielen, wäre die Reform gescheitert – und die 3. Liga der große Verlierer. Die 20 Drittlligisten hatten einem vierten Absteiger mit Beginn dieser Saison nur unter der Bedingung, dass die Regionalliga ab 2020 auf vier Staffeln reduziert, zähneknirschend zugestimmt. Doch diese Forderung scheint derzeit in weiter Ferne. Bei den vier Absteigern wird es dagegen wohl auch in Zukunft bleiben.

 

Der aktuelle Regionalliga-Aufstiegsmodus im Überblick:

Saison 2018/19

  • Direkte Aufsteiger: Meister Südwest, Meister Nordost, Meister West
  • Relegation: Meister Nord gegen Meister Bayern

 

Saison 2019/20

  • Direkte Aufsteiger: Meister Südwest, Meister Nord, Meister Bayern
  • Relegation: Meister Nordost gegen Meister West

 

 

   
  • Steffen

    Deutlicher kann man nicht zeigen, dass es hier um Politik und nicht um Sport geht. Funktionäre wollen gewählt werden, und die meisten Stimmen gibt es in den mitgliederstärksten Landesverbänden.
    Daher die sportlich nicht zu erklärende Bevorzugung der Region Südwest.
    Ginge man nach sportlichen Gesichtspunkten, müsste selbst der dümmste Funktionär erkennen, dass die letzten 4 Jahre kein einziger Verein aus dem Südwesten die Qualifikation für die 3. Liga sportlich geschafft hat (und das trotz der 2 Starter aus der Regionalliga Südwest), während sich mit Magdeburg, Zwickau, Jena und Cottbus die Vereine aus der Regionalliga Nordost regelmäßig durchsetzten.
    Aber hier geht es eben nicht um Sport – genau darum gibt es auch die zahlreichen Proteste der Fans, die Herr Grindel nicht begreift.

  • Eric Bensch

    Durch den Turmbau im Ligasystem mit 3 eingleisigen Ligen wird wohl doch irgendwann eine Zwischenliga eingeführt werden müssen.
    Am besten 3 Staffeln unter der 3. LIga.

    Ich bin sonst auch wenig angetan von der Zerschlagung von Nordost aber es kommt immer sehr komisch rüber wenn NOFV zerschlagen werden soll aber es unzumutbar ist das Baden-Würtemberg mit Bayern spielen spielt.

  • Philipp Schramm

    Warum soll immer der Osten unter irgendwelchen Entscheidungen leiden. Diese "Sch…-Wessis" im DFB haben anscheinend immer noch nicht begriffen, das auch die ehemalige DDR seit nunmehr knapp 30 Jahren zum GEMEINSAMEN Deutschland gehören.
    Aber der Osten wird immer noch unterdrückt, sei es bei den Gehältern oder jetzt eben bei der Bildung der "neuen" Regionalligen".
    Warum kann man nicht "einfach" aus den 4 "Westligen" 3 machen?
    Also quasi folgende Regionalligen:
    – Nord
    – West
    – Süd
    – Ost

    Somit würde quasi die derzeitige Regionalliga "Nordost" zur "Regionalliga Ost" werden.

  • Horst Klein

    es könnte so einfach sein , in den 5 Regionalligen tummeln sich 21 zweitvertretungen. wenn man die weg nimmt fällt ne ganze liga weg ergo 4 Ligen 4 aufsteiger .

  • Phillip

    Das ist ein Armutszeugnis für den DFB. Solange solche Leute wie Rainer Koch und eben Hr. Grindel auf leitenden Positionen sitzen, wird der Westen und Süden schon schön gestärkt. Werden denn dann auch die Vereine unterstützt, welche dann aus der Lausitz nach Rosenheim fahren können und andersherum, wenn schon die Zerschlagung des NOFV gefordert wird? Man sollte ganz einfach die erste und zweite Liga ebenfalls auf 20 Vereine erhöhen. Dann sind sowieso die meisten Vereine zumindest mal in der dritten Liga, die dort auch hin wollen. Aber das scheint ja kategorisch ausgeschlossen zu werden. Eigentlich komisch, denn dann könnte die DFL doch noch mehr Vereine vermarkten…

  • Kolja Liebscher

    Tja solange wie die NOFV Vereine regelmäßig sportlich den Aufstieg schaffen und die, laut Herrn Grindel, "leistungsfähigen Vereine aus West und Südwest" selbigen immer sportlich vermasseln muss gehandelt werden: Zerschlagung von Nordost und zugesicherter Aufstieg für West und Südwest! So stellt man sich deutsche Einheit eben vor. Das hat politisch & wirtschaftlich schon geklappt und nun wird eben bei der Fussball – Regionalliga nachgezogen! Klappt schon.

  • Friedrich Herschel

    Das ausgerechnet der Chef des Bayrischen Verbandes (Rainer Koch) der "unabhängige" DFB-Schlichter ist, merkt man bei allen Vorschlängen. Die Konkurrenz schreibt:
    https://www.dfb.de/news/detail/aufstieg-zur-3-liga-ad-hoc-ag-legt-dfb-praesidium-vorschlag-vor-196162/

    Deutschland in Ost und West geteilt, wobei Bayern zum Osten zählt. Beide Bereiche sollen dann unter sich zwei Ligen aufteilen. Da wird echt erwartet, dass von BaWü über NRW bis SH ne vernüntige Halbierung stattfindet, und dann spekuliert, der NOFV wird sich das eine Aufstiegsrecht krallen und das andere den Bayern überlassen. Das Problem wird dann auf den Westen geschoben, Hauptsache, die RL Bayern ist bei jedem Vorschlag weiter mit dabei.

  • Sterneneisen

    Es wird eben danach entschieden, wer am ehesten seinen Einfluss innerhalb der Verbände und Ligen behalten darf. Kompromissfähigkeit = null. Durch das Scheitern dieser Arbeitsgruppe bestätigt sich, dass es mit dem bestehenden Mief der Verbände keine sinnvolle Reform geben wird. Das wird am Ende irgendeine Abart im Sinne 'rotierendes Aufstiegsrecht', wo es 3 feste Aufsteiger geben & 1 Relegationsspiel abgehalten wird.

  • Friedrich Herschel

    Der neue Norddeutsche FV: Mit einem Verbandsgebiet von Aurich nach Frankfurt/Oder und Naumburg/Saale bis Flensburg? Das würde dann fast 40% Deutschlands abdecken.

    Eine Regionalliga, die es wirklich schafft, den Reiseweg der Teams und Fans zu verkürzen.

  • Fat Tony

    Wenn die Dritte Liga doch zwei Mannschaften mehr als die Erste und Zweite Liga beherbergt, können doch wohl auch zwei Mannschaften mehr absteigen.
    Der vermeintliche Nachteil ergibt ja auch einen erheblichen Vorteil, bei der Mission Wiederaufstieg!
    Fünf Absteiger und fünf Meister können aufsteigen!

  • Svenja

    Leistungstärkste Liga…. Klar, deswegen hat Südwest ja die letzten Jahre sämtliche Aufstiegsspiele gewonnen.

    • Brückenfan

      Es steht nirgendwo etwas von "leistungsstärkste Liga", sondern von "leistungsfähige".

      Darunter versteht der DFB wohl die Anzahl der angemeldeten Vereine und diese Zahl ist ganz offensichtlich im Südwesten am höchsten.

      • Friedrich Herschel

        So kann man sich das natürlich auch schönreden. Man könnte auch nach Fläche (die Vereine/Fans solen nicht zu hohe Reisekosten haben, Regionalcharakter ist wichtig und es soll weiter bisherige Derbys geben) einteilen. Der NOFV deckt ein Drittel der Fläche Deutschlands ab (und weil es das Ex-DDR-Gebiet ist, blieben auch die "liebgewonnenen Feindschaften" erhalten), wäre danach dann fein raus.

      • baender

        Im Nord(ost)en ist man aber relativ schnell unterwegs. Von Rostock nach Berlin (ca 250 km) in 1,5 h; von Rostock nach Südthüringen (ca 450) in 4h.
        Mit Bus vielleicht etwas langsamer.
        Das ist in Bawü/ Bayern kaum zu machen.
        Ich finde die Aufteilung schon nicht ganz einfach, weil es durchaus gute Gründe für oder gegen die diversen Modelle gibt. Anschließend ein solches nicht optimales Lösungsmodell auch noch gegen Lobby und Vereine/ Verbönde durchsetzen (vor allem gegen die finanzstarken Süd- und Westler) dürfte echt hart sein.

      • Svenja

        Aschaffenburg – Rosenheim 422km
        Nürnberg – Freiburg 383km

        Greifswald – Auerbach 556km
        Rostock – Erfurt 500 km, Südthüringen noch etwas mehr

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