Saisonvorschau VfL Osnabrück: Die Wundertüte der Liga?

Bevor die 3. Liga am Samstag, den 26. Juli in die neue Saison startet, blickt liga3-online.de auf die 20 Drittligisten und schätzt die Chancen der Teams ein. In der heutigen Ausgabe werfen wir einen Blick auf den VfL Osnabrück. Für die Lila-Weißen war die vergangene Saison sportlich sehr zufriedenstellend. Nachdem man dem von Trainer Maik Walpurgis nahezu komplett neu zusammengestellten Team vor der Spielzeit eher wenig zutraute und der Verein selbst von einem "Übergangsjahr" sprach, konnte die Saison nach einigen sehr starken und insgesamt überzeugenden Auftritten auf dem fünften Tabellenplatz abgeschlossen werden. Da der Aufstieg für den VfL wegen der stark aufspielenden Konkurrenz sehr schnell abgehakt war, wurde während der Saison der vierte Platz als Saisonziel ausgegeben. Zwar hatten die Lila-Weißen diesen lange Zeit in der eigenen Hand, am Ende ging ihnen jedoch die Puste aus, was vor allem anhand der schlechten Auswärtsbilanz zu belegen ist. Dennoch kann man in Osnabrück mit der Saison zufrieden sein, die einige Höhepunkte – vor allem im heimischen Stadion – bieten konnte.

Testspiele

Bisher können die Lila-Weißen nach einer anstrengenden Vorbereitung auf sechs Testspiele zurückblicken, von denen nur eins verloren wurde. Ein obligatorisches Testspiel zum Auftakt gegen eine Auswahl des Volkswagen-Werks konnte noch locker mit 13:0 gewonnen werden, der darauffolgende erste Härtetest gegen den Regionalligisten Sportfreunde Lotte ging 2:2-Unentschieden aus. Dieses Spiel deckte ebenso wie der folgende 1:0-Sieg gegen den nächsten Regionalligisten SV Rödinghausen noch einige Schwächen des Teams von Walpurgis auf. Eine Niederlage steckten die Lila-Weißen gegen die zweite Mannschaft von Werder Bremen ein (1:3). Zuletzt zeigten sich die Osnabrücker aber verbessert, sowohl gegen Bundesliga-Neuling SC Paderborn (1:1) als auch gegen den niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim (2:2) konnten Unentschieden erzielt werden. Über die Aussagekraft dieser Testspiele kann zwar nur spekuliert werden, dennoch dürften diese kleinen Erfolge wichtig für die Entwicklung der Mannschaft sein. Am nächsten Dienstag steht noch ein Leckerbissen für alle VfL-Anhänger auf dem Programm: Um 19.00 Uhr erwartet der VfL Osnabrück den Vizemeister Borussia Dortmund.

Neuzugänge

Gut anderthalb Wochen vor Saisonbeginn sieht sich Trainer Maik Walpurgis immer noch vor der Aufgabe stehend, elf Neuzugänge in die Mannschaft, die von insgesamt 13 Spielern verlassen wurde, zu integrieren und wieder ein neues zusammenhaltendes Team zu entwickeln. Der Umbruch fiel beim VfL Osnabrück wie eigentlich in jedem Jahr sehr krass aus, was die Lila-Weißen in jedem Jahr zu einer Wundertüte werden lässt. In seiner vierten Drittliga-Spielzeit in Folge kommt der VfL ohne große Stars aus. Mit Milad Salem (SV Elversberg), Marcos Alvarez (Stuttgarter Kickers), Kim Falkenberg (1. FC Saarbrücken) und Stephan Thee (SV Wacker Burghausen) haben sich die Lila-Weißen mit letztjährigen Drittliga-Stammspielern verstärkt. Marcel Kandziora versucht sich nach seinem Zweitliga-Engagement beim FSV Frankfurt nun nochmal in der 3. Liga. Ansonsten setzt Trainer Walpurgis mit Addy-Waku Menga (VfB Oldenburg) auf einen erfahrenen Stürmer mit VfL-Vergangenheit sowie auf Maik Odenthal (Borussia Mönchengladbach II) als vielversprechendes Offensiv-Talent. Zudem bedienten sich die Osnabrücker bei Nachbarverein Sportfreunde Lotte und lotsten sowohl Stürmer Kevin Freiberger, als auch die Mittelfeldspieler Sofien Chahed und Christian Groß Richtung 3. Liga. Erst heute wurde die Verpflichtung von Innenverteidiger Davide Grassi bekannt. Der Italiener überzeugte als Probespieler in den letzten Testspielen und kommt vom zypriotischen Erstligisten Aris Limassol.

Voraussichtliche Startelf

Sturm:                            Iljutchenko, Alvarez

Mittelfeld:     Hohnstedt, Chahed, Feldhahn, Salem

Abwehr:                  Dercho, Krebs, Pisot, Groß

Tor:                                  Heuer Fernandes

Wichtigster Spieler: Nicolas Feldhahn

In der kommenden Spielzeit kommt es beim VfL Osnabrück wohl vor allen Dingen auf Führungsspieler an, die Verantwortung übernehmen und das Umfeld bereits kennen. Nicolas Feldhahn hat bereits in der vergangenen Saison auf dem Platz bewiesen, dass er sportlich unverzichtbar als Abräumer im defensiven Mittelfeld ist und klare Ansagen in Richtung seiner Mitspieler machen kann. Da viele Neuzugänge, vor allem aus der Regionalliga, ihr Können im Dress des VfL Osnabrück erst noch unter Beweis stellen müssen, ist Feldhahn als starker Mann im Mittelfeld wohl unverzichtbar.

Stärken und Schwächen

VfL-Trainer Maik Walpurgis sieht sein eigenes Team gut anderthalb Wochen vor Saisonbeginn nach eigenen Aussagen noch nicht auf einem Drittliga-Toplevel. Die neue Mannschaft vom VfL Osnabrück muss sich fraglos erst noch beweisen. Walpurgis wird wohl einen ähnlichen Fußball spielen lassen wollen wie im letzten Jahr. Sichere Defensive, frühes Stören verbunden mit einem hohen Laufaufwand im Verbund mit schnellen Gegenangriffen, die dann auch zum Tor führen müssen, was den Osnabrückern im letzten Jahr oft noch abging. Nach dem Umbruch im Kader der Lila-Weißen und den wenigen Testspieleindrücken kann man den VfL bisher noch nicht in Stärken und Schwächen einteilen. Man kann sich aber sicher sein, dass Walpurgis wieder einmal auf eine starke Physis setzt und mit seinen Spielern arbeitet, um jeden einzelnen besser zu machen und so das gesamte Team zu stärken. Die Osnabrücker werden sich wohl erst nach einigen Drittliga-Spielen finden.

Trainer

Maik Walpurgis zählt zu der modernen Trainergeneration. Bekannt als akribischer Arbeiter führte der Rotschopf den VfL in seiner ersten Saison auf Platz 5 der 3. Liga. Walpurgis verfolgt zusammen mit seinem Co-Trainer Ovid Hajou das Ziel 2. Bundesliga, das mittelfristig erreicht werden soll. Der 40-Jährige ist dafür bekannt, dass er stark auf die Kondition seiner Spieler setzt und die Saisonvorbereitung dementsprechend anstrengend ausfallen lässt. Bei Walpurgis kann man darauf vertrauen, dass er sein Team auf jeden Gegner gut einstellen und immer wieder dazu motivieren kann, alles zu geben. Wohin dieser Weg in der kommenden Saison führen wird, bleibt abzuwarten.

Prognose

Wo soll man den VfL Osnabrück für die neue Drittliga-Spielzeit 2014/15 also einordnen? Als offizielles Ziel gab man zuletzt einen einstelligen Tabellenplatz aus. Klar und bekannt ist, dass der VfL Osnabrück lieber heute als morgen in die 2. Bundesliga zurückkehren würde. In einer 3. Liga, die nominell wohl so stark wie selten in der Geschichte besetzt ist, wird es für das neue Team der Lila-Weißen jedoch schwer, sich an der Tabellenspitze festzusetzen. Vieles hängt vom Saisonstart ab, der die Weichen für den Verlauf der kompletten Spielzeit stellen wird. Bisher sind die Osnabrücker jedoch schwer einzuschätzen, der Begriff der "Wundertüte der Liga" passt wie die Faust aufs Auge. Von den Osnabrückern erwarten viele nicht sehr viel, zum Kreis der großen Aufstiegsfavoriten zählen sie sicher nicht. Doch genau darin könnte ein Vorteil für den VfL liegen. Je nachdem wie sich die neue Mannschaft findet und einspielt, sind auch große Erfolge möglich. liga3-online.de prognostiziert dem VfL Osnabrück einen Tabellenplatz zwischen Platz 5 und 9.

FOTO: Flohre Fotografie

 
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