"Rot ist zu hart": FC Ingolstadt hadert mit frühem Platzverweis
Gegen Alemannia Aachen erlebte der FC Ingolstadt am Freitagabend eine Anfangsphase zum Vergessen mit drei Gegentoren in den ersten elf Minuten – auch bedingt durch eine frühe rote Karte. Mit der Entscheidung von Schiedsrichter Florian Lechner haderten die Schanzer im Nachgang ihrer ersten Niederlage.
"Es ist ein Foul, aber …"
Keine vier Minuten waren im Audi-Sportpark gespielt, als Aachens Oehmichen nach einem langen Ball frei durch war und von Decker kurz vor dem Strafraum gefoult wurde. Weil der 20-Jährige dabei letzter Mann war, wertete Schiedsrichter Florian Lechner die Aktion als Notbremse und zeigte Decker glatt Rot. Eine Entscheidung, mit der die Schanzer nicht ganz einverstanden waren. "Rot ist zu hart", meinte Geschäftsführer Harald Gärtner zur Halbzeitpause im Interview mit "MagentaSport".
Zwar räumte der 57-Jährige ein, dass man die rote Karte in dieser Situation durchaus geben könne, "aber du musst sie nach drei Minuten nicht geben". Zumal es Oehmichen "natürlich sehr gut" gemacht, seinen Körper reingestellt und auf den Kontakt gewartet habe, so Gärtner. "Es ist ein Foul, aber man kann auch Gelb geben." Decker machte er in der Situation indes keinen Vorwurf ("junge Spieler dürfen auch mal Fehler machen"), vielmehr sei der Fehler bereits vorher entstanden. In der Tat war das Zentrum nach einem Stellungsfehler von Antzoulas zuvor völlig frei, sodass ein langer Ball reichte, um die komplette Hintermannschaft auszuhebeln. "Er darf da nicht rauslaufen", so der FCI-Boss.
"Die Nackenschläge waren das Allerschlimmste"
Trainerin Sabrina Wittmann konnte unmittelbar nach der Partie noch keine Stellung zu der roten Karte nehmen, da sie die Situation noch nicht gesehen habe. Nicht, weil die Zeit dafür nicht vorhanden gewesen wäre, sondern weil "danach so viel Energie in die Partie geflossen ist, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnern kann, wie ich die Anfangsphase erlebt habe". Offensichtlich hatte Wittmann die ersten Minuten bereits verdrängt, dennoch hielt sie fest: "Auf jeden Fall war es der ungünstigste Start, den man sich in so einem Spiel auch vorstellen kann."
In Bezug auf den Zweikampf, der zum Platzverweis führte, erklärte die 35-Jährige zudem, "dass wir da auf keinen Fall auf Balleroberung gehen dürfen – unabhängig davon, ob es ein Foul ist oder nicht. Am Ende nimmst du lieber den Rückstand". Womöglich wäre es ohne Unterzahl besser gelaufen, wenngleich der FCI schon in der letzten Woche mit einem Mann weniger gewonnen hatte. Damals war Ingolstadt aber knapp "nur" 30 Minuten zu zehnt und nicht wie am Freitagabend fast das komplette Spiel. Und zerfiel nach dem Gegentreffer zudem nicht komplett. Binnen fünf Minuten schlug es nach dem Freistoß im Anschluss an die rote Karte gleich dreimal ein, sodass die Partie bereits nach elf Minuten so gut wie entschieden war. "Diese Nackenschläge waren das Allerschlimmste."
Wittmann lobt Reaktion
Was Wittmann dagegen positiv hervorhob war die Tatsache, wie ihre Mannschaft anschließend auftrat. "Wir haben sehr gut verteidigt und wenig zugelassen." Trotz Unterzahl "wollten wir das Spiel nicht komplett verwalten, sondern den Anschlusstreffer erzielen, um dann auch einfach nochmal ein bisschen Luft zu schnuppern". Diesen Matchplan hatte die 35-Jährige ihrem Team bereits zur Pause mit auf den Weg gegeben: "Ich wollte sehen, was Aachen macht, wenn wir mit breiter Brust aus der Halbzeit rausgehen." Wittmann sprach von einem "Kraftakt", der "extrem viel" Energie gezogen habe, um nochmal in die Partie zurückzufinden. "Es tut unglaublich weh, aber wenn man die Art und Weise sieht, dann können wir da auf jeden Fall viel mitnehmen."
Vinko Sapina pflichtete ihr bei und betonte, dass dieser Zusammenhalt auch in den nächsten Wochen auf dem Platz zu sehen sein müsse. Eine erneute "Scheiß Phase", wie der 31-Jährige die Anfangsviertelstunde bezeichnete, dürfen sich die Schanzer dann allerdings nicht mehr erlauben. "Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Solche Spiele erlebt man nicht oft." Für den FCI war es nach zuvor zwei Unentschieden und einem Sieg die erste Niederlage. Besser machen können es die Oberbayern nächsten Samstag in Saarbrücken.