Ralf Loose im Interview: Wir brauchen eine schlagkräftige Truppe

Als Ralf Loose die Nachfolge von Pavel Dotchev nach dem neunten Spieltag bei den angeschlagenen Preußen übernahm, dümpelten diese im Tabellenkeller der 3. Liga. Platz 17 – die hochgesteckten Erwartungen zu Beginn der Saison und die Rolle als ein Mitfavorit auf den Aufstieg konnten nach den ersten Spielen nie erfüllt werden. Unter dem erfahrenen Loose blieb es zunächst eine Berg- und Talfahrt, doch langsam aber sicher kletterten die Preußen wieder nach oben in der Tabelle. Am Ende blieb es bei einem versöhnlichen Saisonabschluss und Tabellenrang sechs. liga3-online.de sprach mit Ralf Loose über seine bisherige Amtszeit bei den Adlerträgern, den neuen Kader und Erwartungen an die neue Saison.

liga3-online: Herr Loose, Sie haben im September 2013 die Preußen von Tabellenplatz 17 übernommen und innerhalb eines halben Jahres mit Höhen und Tiefen in sichere Gefilde geführt. Die Saison – mit den hochgesteckten Erwartungen – konnten Sie nun mit dem 1:0-Sieg gegen Duisburg versöhnlich auf Rang sechs abschließen. Sind Sie froh, dass es in die Sommerpause geht?

Ralf Loose: Es war sicherlich eine sehr anstrengende Saison. Wenn man einmal mit einem schlechten Start in die Abstiegsränge hineingerät, ist es doch sehr schwer, sich davon zu befreien. Wir sind alle glücklich, dass wir frühzeitig die Weichen stellen konnten, im DFB-Pokal vertreten sind und ohne Druck die restlichen Spiele bestreiten konnten.

Zu Beginn Ihres Amtsantritts hatte man das Gefühl einer spürbaren Skepsis seitens der Fans Ihrer Person gegenüber. Nehmen Sie solche Schwingungen wahr? Reagiert man als Trainer darauf?

Wir befanden und befinden uns immer noch im ständigen Austausch mit den Fans. Grundsätzlich war die Situation als ich hierher kam, nicht einfach. Viele leichte Gegner auf dem Papier waren weg und wir hatten ein schweres Programm vor uns (Heidenheim, Augsburg, Osnabrück). Die Mannschaft war teilweise verunsichert. Trotzdem haben wir das recht gut gelöst. Die Basis haben wir damals gelegt, um letzten Endes im Frühjahr die entscheidende Richtung einzuschlagen und uns zu befreien.

Ich habe Sie immer als ruhigen und sehr sachlichen Menschen kennengelernt und erlebt. Woher kommt diese Souveränität?

Jeder Trainer sollte authentisch sein. In der Kabine oder auch auf dem Trainingsplatz ist die Emotionalität natürlich da. Aber es geht ja auch darum, dem Team eine Handschrift zu geben, sie zu führen. Und wenn man während der Partie, das Spiel lesen will, ist es natürlich einen Tick einfacher, wenn man nicht ständig, wie ein HB-Männchen an der Linie entlang läuft.

Gerade in Münster existiert ein hohes Anspruchsdenken, welches oftmals der Realität gegenübersteht und jeder Misserfolg sorgt schnell für Unruhe. Wie schaffen Sie es, dabei ruhig zu bleiben und Ihr Team zu formen?

Münster hat im vergangenen Jahr eine überraschend gute Saison gespielt. In der Endphase ist man eingebrochen. Das hat sich bis in die neue Saison gezogen. Natürlich ist die Enttäuschung dann groß. Aber es ist bei anderen Vereinen doch dasselbe. Jeder möchte in der Liga oben mitspielen und am Ende bleiben nur zwei oder drei Aufsteiger – Enttäuschungen inbegriffen.

Wie würden Sie eigentlich einer Verpflichtung eines neuen Sportdirektors gegenüberstehen?

Grundsätzlich muss diese Entscheidung der Verein treffen. Im Moment besprechen der Präsident, Carsten Gockel und ich die Dinge – also eine klare Aufgabenverteilung in sportlicher, vertraglicher und finanzieller Hinsicht. Das ist wichtig.

Kommen wir mal zum Kader: mit Dennis Grote, Stefan Kühne, Matthew Taylor, Clément Halet und Pascal Koopmann werden definitiv fünf Spieler den Verein zum Saisonende verlassen. Auf welchen Positionen sehen Sie Handlungsbedarf?

Derzeit wird mit Dominik Schmidt, Kevin Schöneberg, Robin Neupert und Max Schulze-Niehues noch verhandelt. Davon wird es abhängig sein, ob wir auf den Positionen auch tätig werden müssen. Unbestritten ist die Tatsache, dass wir für Grote einen adäquaten Ersatz benötigen. Kühne hat sich gerade in der Rückrunde nochmal brutal gesteigert, da müssen wir auch nach Lösungen suchen. Genauso wie im Angriff.

Thema Kühne: Sie haben zuletzt immer mit zwei defensiven Mittelfeldspielern (Kühne und Truckenbrod) spielen lassen. Wird es auch da Veränderungen geben?

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich habe mit Carsten Gockel die Kandidatenlisten etwaiger Spieler diskutiert und besprochen. Wir haben eine gemeinsame Linie gefunden, so dass Kontakte aufgenommen wurden. Spruchreif ist das alles aber erst, wenn beide Unterschriften unter dem Vertrag sind. Alles andere ist und bleibt spekulativ und Gerüchteküche.

Was passiert eigentlich mit Kara und Bischoff? Kann es sich der Verein leisten, solch gut bezahlte Spieler auf der Bank sitzen zu haben?

Es entscheidet immer die Leistung. Bischoff hat sich zweimal mit einer Roten Karte selbst außer Gefecht gesetzt. Damals lief es mit dem Team recht gut und es gab keinen Grund, die Dinge zu ändern. In der Endphase verlor er dann ein wenig an mentaler Stärke, weil Kühne die Nase vorn hatte. Aber auch aus diesem Tief kann man sich wieder hervorarbeiten.

Desöfteren konnte man einen Torwart im Probetraining beobachten. Hat da schon jemand bleibende Akzente setzen können?

Wir haben einige U23-Torhüter getestet, die alle sehr talentiert waren, jedoch körperlich noch nicht voll ausgebildet sind. Ebenso wissen wir, dass wir einen U23-Torwart aufgrund der Regelung verpflichten müssen. Aber auch hier muss das Preis-Leistungs-Verhältnis natürlich passen.

Die U19 der Preußen hat vor kurzem den souveränen Wiederaufstieg in die A-Junioren-Bundesliga geschafft. Glückwunsch! Wie sehr nehmen Sie dies wahr?

Unsere Trainingsgelände befinden sich ja unmittelbar nebeneinander, man nimmt die Jungs somit auch im normalen Trainingsalltag wahr. Zudem ist es für einen Drittligisten nicht unbedingt selbstverständlich, dass man in der Junioren-Bundesliga mitspielt. Für unsere Talente und ihre Heranführung an den Profibereich ist das eine großartige Sache.

Bleiben wir mal bei den Junioren: Sie sind damals mit der U18 Europameister und mit der U20 Weltmeister geworden. Immer hieß der Trainer Dietrich Weise. Wie sehr hat er Sie eigentlich geprägt?

Ich habe ihm wahnsinnig viel zu verdanken. Er war mein Förderer, hat mich damals zum Kapitän ernannt. Außerdem lockte er mich nach Liechtenstein, als er dort noch Nationaltrainer war. Das waren meine ersten Gehversuche als Trainer. Ich habe sehr von ihm profitiert.

Gibt es eigentlich einen Direktflug von Münster/Osnabrück nach Vaduz?

(lacht) Es gibt zwar eine Verbindung, aber die ist wahnsinnig teuer. Von Düsseldorf fliegt es sich da schon leichter zur Familie.

Freuen Sie sich auf die anstehende Sommerpause? Auf den Urlaub?

Ja total! Nicht nur weil ich zu Hause bin. Man kommt einfach mal wieder runter und kann die Seele baumeln lassen. Es ist schon wichtig, mal den Kopf frei zu bekommen für die Aufgaben, die in der neuen Saison sicher nicht leichter werden.

Mit welchen Zielen blicken Sie ins zweite Jahr bei den Preußen?

Vorrangig bleibt, dass wir eine schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen müssen. Die Mentalität muss stimmen und alle sollten sich mit dem Verein identifizieren, ehrgeizig sein und natürlich auch fußballerische Klasse haben. Das wiederum muss auch ins finanzielle Konzept passen. Das Primärziel ist und bleibt erst einmal, besser aus den Startlöchern zu kommen.

 

Herr Loose, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Mannschaft einen schönen Urlaub.

 

FOTO: Sven Wundrig

 

   
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