Polizei sieht Rassismus-Vorfall bei MSV gegen VfL nicht bestätigt

Viereinhalb Wochen, nachdem die Partie zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück aufgrund eines Rassismus-Vorfalls abgebrochen worden war, sind die Ermittlungen der Polizei nun abgeschlossen. Beweise für eine rassistische Äußerung gegenüber Osnabrücks Aaron Opoku fanden die Ermittler nicht. MSV-Präsident Ingo Wald zeigt sich erleichtert.

"Affenlaute haben sich nicht bestätigt"

Wie die Polizei gegenüber der "WAZ" mitteilte, habe sich der Verdacht gegen den 55-jährigen Beschuldigten, den dunkelhäutigen Osnabrücker Spieler Aaron Opoku beim Spiel in Duisburg am 19. Dezember diskriminierend beleidigt zu haben, nicht erhärtet. Zu diesem Ergebnis kommt die Polizei, nachdem umfangreiche Videoaufnahmen ausgewertet, die beteiligten Spieler, die Schiedsrichter, Zuschauer und Ordner befragt worden waren. Die Akte mit den Ergebnissen der Untersuchungen liege nun bei der Staatsanwaltschaft. Diese werde über das weitere Vorgehen entscheiden. "Nach unserer Einschätzung haben sich die Affenlaute nicht bestätigt", so Polizeisprecher Jonas Tepe gegenüber der Zeitung. Schiedsrichter Nicolas Winter hatte diese nach Spielende bei "MagentaSport" zu Protokoll gegeben und sie auch im Sonderbericht an den DFB vermerkt. Diesbezüglich steht nun Aussage gegen Aussage.

Tepe zufolge habe der 55-jährige Beschuldigte mit seinem Ruf "Du Affe kannst auch keine Ecke schießen" nicht den dunkelhäutigen Opoku, sondern seinen Mitspieler Florian Kleinhansl gemeint, der zu diesem Zeitpunkt direkt neben ihm stand. Opoku hatte den Ruf offenbar auf sich bezogen und anschließend Linienrichter Fabian Schneider informiert. Infolgedessen waren beide Mannschaften in die Kabinen gegangen. Nach einer rund 20-minütigen Unterbrechung hatte der VfL erklärt, sich aufgrund des Vorfalls nicht mehr in der Lage zu sehen, weiterzuspielen. Daraufhin wurde die Partie beim Stand von 0:0 nach 32 Minuten abgebrochen – ein Novum im deutschen Profifußball. Der MSV Duisburg um Präsident Ingo Wald hatte sich mit der Entscheidung einverstanden gezeigt und sich bei den Osnabrückern für den Vorfall entschuldigt. Vier Tage danach entschied das DFB-Sportgericht, ein Wiederholungsspiel austragen zu lassen. Terminiert wurde dies für den 2. Februar.

Duisburger Rechtsanwalt stellte Anzeige

Derweil ist nun bekannt geworden, dass der Duisburger Rechtsanwalt Dr. Donat Ebert Anzeige gegen den Osnabrücker Spieler Florian Kleinhansl und den Linienrichter Fabian Schneider erstattet hat, wie die "WAZ" berichtet. In der Anzeige vom 22. Dezember heißt es demnach, dass der Anfangsverdacht der Vortäuschung einer Straftat bestehe. Donat Ebert will untersuchen lassen, "ob der Spieler und der Unparteiische die Situation im Vorfeld des Eckball genutzt hätten, um 'unwahre Behauptungen' über vermeintliche rassistische Beleidigungen aufzustellen". Auch der DFB sei über die Anzeige informiert worden – verbunden mit der Forderung, Kleinhansl bis zum Saisonende zu sperren. Eine Antwort der Staatsanwaltschaft habe er bislang nicht bekommen, so Ebert.

"Es hat keinen rassistischen Vorfall gegeben", betont der Jurist, der MSV-Fan ist. "Ich möchte nicht, dass in die Annalen eingeht, dass unsere Fans mit so etwas in Verbindung gebracht werden. Das haben wir nicht verdient. Das hat auch dieser Mann nicht verdient."

Wald reagiert "erleichtert"

MSV-Präsident Ingo Wald zeigt sich in einer am Mittwochabend veröffentlichten Stellungnahme "erleichtert" darüber, "dass sich zum jetzigen Zeitpunkt und nach den heute veröffentlichten Ermittlungsergebnissen der Polizei, die dem MSV leider noch nicht vorliegen, der Rassismusverdacht nicht erhärtet hat". Wald weiter: "Wir sind erleichtert, dass mit diesen vorläufigen Ergebnissen unsere Werte, unser Leitbild und unsere weltoffene Stadt nicht nachhaltig beschädigt wurden."

Das Handeln in jener Situation, wie sie sich in den Momenten des Abbruchs dargestellt habe, und auf Grundlage des damals vorliegenden Sachstandes, sei "richtig und gut" gewesen. Im Nachgang des Spiels habe man die Ermittlungsarbeiten der Polizei "aktiv begleitet", und ergänzend hätten mehrere Stadionbesucher mit Zeugenaussagen die polizeilichen Ermittlungen zur nachträglichen Aufklärung des Sachverhaltes unterstützt. "Dafür gebührt den MSV-Anhängern großer Dank", betont Wald. Mit dem betroffenen Stadionbesucher habe der MSV im regen Austausch gestanden.

Das Wiederholungsspiel am 2. Februar soll nun dazu genutzt werden, "um noch einmal reichweitenstark und deutlich sichtbar für unsere Werte einzustehen, um damit ein klares Signal für den MSV und für Duisburg zu setzen", so der 63-Jährige. Der VfL Osnabrück hat sich bislang noch nicht geäußert.

   
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