Direkter Wiederabstieg: FCM muss aus seinen Fehlern lernen

Seit Sonntagnachmittag steht es fest: Der 1. FC Magdeburg kehrt nach nur einem Jahr zurück in die 3. Liga, der jahrelange Aufwärtstrend ist an der Elbe damit äußerst unsanft gestoppt. Wie konnte es dazu kommen? Eine erste Ursachenforschung.

Schwerfälliger Start kostete viele Punkte

Eins muss man Magdeburg und dem überwiegenden Teil seiner Fans lassen: Sie nahmen den bitteren Abstieg in die Drittklassigkeit in der Alten Försterei mit Würde. Es gab keine ausufernden Beschimpfungen gegenüber Mannschaft oder Trainer, es entlud sich abseits einer kleinen Gruppe kurz vor Abpfiff, woraufhin die Partie für neun Minuten unterbrochen werden musste, keine blinde Wut, als sich der FCM mit einer völlig verdienten 0:3-Niederlage bei schlichtweg zu starken Gastgebern aus der 2. Bundesliga verabschiedete. Doch die Trauer wird für eine Weile Einzug halten und auch den kommenden Sonntag in triste Farben pinseln. Dann empfängt Magdeburg den bereits aufgestiegenen 1. FC Köln, eines der Highlights, auf die sich jeder Blau-Weiße mit dem Aufstieg 2018 gefreut hatte. Das so attraktive Duell verkommt zu einem wertlosen Kick, da ist kaum noch Vorfreude. Die Saison ist gelaufen. Das eine große Ziel, der Klassenerhalt, es ist verfehlt.

Nein, die Spielzeit war nicht erst in ihrer Schlussphase verloren worden. "Wir sind nicht heute abgestiegen, sondern es war ein Prozess, der über längere Zeit stattgefunden hat", bestätigte auch Kapitän Christian Beck nach dem Spiel gegenüber der "Volksstimme". Aber in der Nachbetrachtung lässt sich auch keiner jener klassischen Momente finden, in denen die Spielzeit kippte. Vielleicht kam Magdeburg ein wenig zu schwerfällig in die neue Liga hinein, war nicht clever genug. Zahlreiche Remis kosteten vor der Winterpause eine Menge Punkte. Abschießen ließ sich die charakterstarke Mannschaft so gut wie nie, stets aber fehlte ein Funke Qualität, vor allem im Ballbesitzspiel, beim Erarbeiten als auch Vollstrecken von Torchancen. Individuelle Fehler in Abwehrarbeit und Spielaufbau gaben den Rest.

Sturmprobleme, zu wenig Verstärkung

34 erzielte Treffer entsprechen gut der Hälfte der Tore in der Aufstiegssaison, allein zehn entfallen auf FCM-Ikone Christian Beck. Weniger hat keiner in der 2. Bundesliga. Es mag im Nachhinein fahrlässig gewesen sein, im Sturmzentrum lediglich auf ihn sowie den jungen Felix Lohkemper gesetzt zu haben. Auch dem Mittelfeld fehlte, abseits einiger genialer Momente von Philip Türpitz, die unberechenbare Note. Während sich Mitaufsteiger Paderborn clever verstärkte und mit seinem bedingungslosen Kombinationsfußball vor dem Durchmarsch steht, ging Magdeburg die Mission ins Unbekannte mit zu viel Vorsicht an. Erfahrene Neuzugänge wie Giorgi Loria, Timo Perthel und Aleksandar Ignjovski brachten den Fußballclub nicht entscheidend voran, zuletzt standen dennoch meist nur noch zwei oder drei Spieler der Aufstiegsmannschaft auf dem Feld.

Und dann war da ja noch der Trainerwechsel. Erfolgscoach Jens Härtel musste im November 2018 gehen, Michael Oenning übernahm. Er machte es besser, als es viele Skeptiker befürchtet hatten, füllte die großen Fußstapfen mit Mühe. Aber er verbesserte die Mannschaft nicht in dem Maße, in dem es nötig gewesen wäre, um mit den immer stärkeren Kontrahenten Ingolstadt und Sandhausen Schritt halten zu können. Vier Niederlagen in den vergangenen fünf Partien besiegelten schließlich den sofortigen Wiederabstieg. Zeitgleich vollbrachte Jens Härtel bei seinem neuen Arbeitgeber Hansa Rostock bislang längst keine Wunderdinge. Hätte er aus dem Vorhandenen mehr schöpfen können? Wohl kaum.

Die 3. Liga darf sich freuen

Blick in die Zukunft: Dem FCM mag es wenig bringen, aber die 3. Liga darf sich auf die Rückkehr des Zuschauer-Giganten freuen. Der Fußball-Osten erlebt mit der Magdeburger Rückkehr und dem Aufstieg des Chemnitzer FC eine neuerliche Renaissance – exakt jener Gegner, den der 1. FC Magdeburg vor ziemlich genau zwölf Monaten mit einem 3:1-Sieg in die Amateurliga schickte. Das Derby gegen den Halleschen FC kehrt mit einem feinen Unterschied zurück, denn mittlerweile ist auch aus dem HFC ein ambitionierter Aufstiegskandidat geworden. Zu jedem Auswärtsspiel dürfte eine vierstellige Anzahl Fans reisen, die Drittligisten können fette Zahltage an den Kassen erwarten. Die in der Regel exzellente Stimmung bei Heim- und Auswärtsspielen tut ihr Übriges dazu.

Wie groß die Treue der Magdeburger Fans tatsächlich ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen, wenn es an den Dauerkartenverkauf für die Wiederaufstiegsmission geht. Drei Jahre Zeit hat sich der Klub um Geschäftsführer Mario Kallnik (Vertrag bis 2022) gegeben, um zurückzukehren in die 2. Bundesliga. Manchen Anhängern ist das zu pessimistisch. Doch wann auch immer der nächste Aufstiegsfall eintritt: Der FCM muss aus seinen Fehlern lernen, um sich nicht mit dem Beisatz "zu gut für die 3. Liga, zu schwach für die 2. Bundesliga" schmücken zu müssen.

   
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