MSV Duisburg: Das neue "Wir-Gefühl"

Dustin Bomheuer oder Enis Hajri? Thomas Bröker oder Tugrul Erat? Baris Özbek oder Tim Albutat? Oder doch alle gemeinsam? Vor jedem Spieltag steht MSV-Trainer Ilia Gruev vor der Qual der Wahl, denn kaum ein Coach bei den Zebras hatte solch eine qualitativ breite Auswahl an Spielern. Der 46-jährige Deutsch-Bulgare hat die Rotationsmaschine zwar nicht neu erfunden, aber dem MSV ein bis dahin selten vergönntes Wir-Gefühl verliehen.

Spitzenreiter in Spielereinsätzen

Die Liste der oben genannten Fragen kann beliebig verlängert werden. Allein im Sturm hat der MSV Duisburg mit Onuegbu, Iljutcenko, Janjic und Brandstetter eine Bandbreite an Qualität, die sich andere Vereine der Liga nur wünschen können. Der Plan von Sportdirektor Ivica Grlic in Bezug auf die Kaderplanung ist damit vorerst aufgegangen. Gemeinsam mit Trainer Ilia Gruev ist es dem MSV Duisburg nicht nur gelungen, seine aufopferungsvolle Abstiegsmannschaft weitestgehend zusammenzuhalten, sondern das "Wir-Gefühl" aus dem euphorisierenden Schlussspurt der letzten Saison aufrecht zu erhalten. Als Ahmet Engin und Thomas Blomeyer in der Partie gegen die Reserve von Mainz 05 eingewechselt wurden, waren das die Spieler Nummer 19 und 20, die bereits nach vier Spieltagen in blau-weißen Streifen aufgelaufen waren – so viele Spieler hat kein anderer Verein zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison eingesetzt. Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Der Trainer steht hinter jedem seiner Jungs und will jeden Spieler als Teil der Mannschaft stärken. Einzig der verletzte Dan-Patrick Poggenberg und Mittelfeldspieler Mohammed Cissé, der erst vor der laufenden Saison zu den Profis kam, haben neben dem Torwartduo Daniel Zeaiter und Marcel Lenz noch keine Einsatzminuten gesammelt.

Jeder ist wichtig, aber…

Qualitativ ist jeder Mannschaftsteil der Zebras sehr ausgeglichen und da sich die meisten Spieler schon länger kennen, muss sich Gruev nicht allzu sehr um die Eingespieltheit seiner Truppe sorgen, die bei einer solchen Rotationstaktik häufig leidet. Einen weiteren Trumpf stellt das Verletzungspech dar, von dem die Duisburger bislang weitestgehend verschont blieben. Außer dem Bänderriss bei Linksverteidiger Poggenberg gab es noch keine langfristigeren Ausfälle zu verzeichnen – ganz im Gegenteil zur letzten Saison. Den Konkurrenzkämpfen auf jeder Position steht damit nichts im Wege, was zwangsläufig auch zu Gewinnern und Verlierern führt. Zlatko Janjic beispielsweise gehört mit zwei Treffern und einer Vorlage wieder zu den absoluten Leistungsträgern beim MSV, während er im letzten Jahr noch für zweitligauntauglich bei den Fans abgestempelt war. Auch Nico Klotz als Rechtsverteidiger, Andreas Wiegel auf den Flügeln und Baris Özbek in der Zentrale können sich nach starken Partien zu den Leistungsträgern zählen. Ambitionierte Spieler wie Martin Dausch, Fabio Leutenecker oder Kingsley Onuegbu haben dagegen bisher eher wenig Einsatzzeit für ihre Ansprüche erhalten – aber gerade der "King" hat in seiner letzten Partie mit zwei Toren eindrucksvoll gezeigt, dass jeder eine Chance erhält und auch die wenigen Minuten genutzt werden können. Denn dank dem neuen "Wir-Gefühl" in Duisburg ist es nicht ausgeschlossen, das zum Beispiel ein Martin Dausch für die kommende Partie gegen seinen Ex-Club Union Berlin im Pokal plötzlich in der Startelf steht.

Pokalspiel gegen Union Berlin

Am Sonntag empfängt der MSV Duisburg den 1. FC Union Berlin um 15:30 Uhr in der heimischen Schauinsland-Reisen-Arena. Mit Sören Brandy und Benjamin Köhler kehren außerdem zwei Spieler nach Duisburg zurück, die bereits in Zebrastreifen auf dem Platz standen. Verzichten müssen die Meidericher derweil auf Kapitän Branimir Bajic, der beim Erstrunden-Aus vor einem Jahr gegen Schalke die Gelb-Rote Karte sah und demzufolge noch eine Sperre abzusitzen hat. Die Elf von der Alten Försterei hat zwar bislang nur einen Punkt aus zwei Spielen gesammelt, gilt aber als ligahöhere Mannschaft dennoch als Favorit für die Partie. Die Überraschung für den MSV Duisburg ist dennoch möglich, denn auch im Pokal werden die rotierenden Spieler wieder beweisen wollen, dass sie einen Platz in der Startelf verdient haben.

 
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