MSV Duisburg: 14+1 Planungsstellen für Ivica Grlic

Zum Ende der Saison 2015/16 fehlten dem MSV Duisburg nur Nuancen, um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga zu schaffen. Der Mannschaft, die zum Ende der Hinrunde magere 11 Pünktchen gesammelt hatte, wurde von vielen Fans und Anhängern damals die Qualität abgesprochen, doch dem großen Verletzungspech zum Trotz wäre die von Sportdirektor Ivica Grlic zusammengestellte Truppe im Endspurt beinahe für ihren Einsatz belohnt worden. Sollte den Meiderichern der durchaus realistische Aufstieg gelingen, muss Grlic diese Nuancen dieses Mal aus dem Kader herauskitzeln – denn bei den Zebras laufen nicht weniger als 14 (!) Spielerverträge zum Saisonende aus. Genauso wie der von Trainer Ilia Gruev.

Die Hochkaräter

Die Gespräche mit Trainer Ilia Gruev laufen bereits, doch Sportdirektor Ivica Grlic wird sich den Kopf auch über den Großteil des aktuellen Kaders zerbrechen. Welchem Spieler trauen die Verantwortlichen die 2. Bundesliga zu? Wen kann man im Falle einer weiteren Drittliga-Saison halten? Diese Fragen und viele mehr wird sich der Sportdirektor der Zebras auch stellen. Unbestritten ist das Interesse, mit Mittelfeld-Regisseur Fabian Schnellhardt zu verlängern. Der 22-jährige Linksfuß ist seit seiner Rückkehr aus Kiel gesetzt, lenkt das Spiel der Zebras und stellt das fußballerische Highlight im Kader der Meidericher dar. Angesichts dieser Qualität wird eine Vertragsverlängerung schwierig, der MSV wird sich ordentlich strecken müssen – denn Schnellhardt hat längst Begehrlichkeit bei Bundesligisten geweckt.

Die nächste Baustelle ergibt sich in der Innenverteidigung, die maßgeblichen Anteil an den wenigen Gegentoren hat. Kapitän Branimir Bajic erlebt seinen dritten Frühling, mit 37 Jahren wird das MSV-Urgestein seinen Vertrag maximal um ein Jahr verlängern – oder seine Karriere mit dem Aufstieg beenden. Ob es für den ehemaligen bosnischen Nationalspieler nochmal für die 2. Bundesliga reicht, ist fraglich. Anders sieht es bei Dustin Bomheuer aus – vom Aussortierten zur Stammkraft, wurde der ehemalige Jugendspieler der Meidericher jüngst von Ilia Gruev zum "besten Innenverteidiger der Liga" gekürt. Sich eine Etage höher noch einmal im blau-weißen Trikot beweisen zu dürfen, hat sich der 25-Jährige nach seinen starken Leistungen in der Dritten Liga auf jeden Fall verdient.

Genauso sollte der MSV Duisburg den Weg mit Eigengewächs Ahmet Engin weitergehen, der zum Ende der Hinrunde in den Kader rutschte und seitdem mit Spritzigkeit und Energie auffiel. Ein weiterer Hochkaräter, bei dem sich die Geister scheiden, ist Zlatko Janjic. Der Offensivspieler ist mit fünf Treffern und drei Vorlagen der Top-Scorer der Duisburger und wäre sportlich damit jedenfalls eine gute Option. Zuletzt harmonisierten die Fans allerdings nicht allzu sehr mit dem Deutsch-Bosnier, dessen Zweitliga-Statistiken weitaus schlechter ausfallen, als in Liga Drei – nur vier Treffer und sechs Vorlagen in 70 (!) Spielen.

Die Optionen

In fünf der vierzehn Verträge baute Sportdirektor Grlic seinerzeit Optionen auf Verlängerungen ein. Die größten Hoffnungen auf das Ziehen dieser Möglichkeit dürfte Andreas Wiegel haben. Der Rechtsaußen wurde schon beim letzten Aufstieg für die 2. Liga geholt, konnte aufgrund mehrerer Verletzungen dort jedoch nur ein Spiel absolvieren. In der Dritten Liga wurde er in fast jeder Partie eingesetzt – auch wenn er seinen Stammplatz zuletzt verloren hatte. Weiterhin könnten Stanislav Iljutcenko und Kingsley Onuegbu per Option verlängert werden, müssen sich aber jeweils in der Rückrunde noch steigern. Beide rissen in den letzten anderthalb Jahren keine Bäume aus, erzielten gemeinsam nur 13 Treffer in diesem Zeitraum. Um in der 2. Liga mitzuhalten, muss der Torinstinkt noch ein bisschen nachjustiert werden.

Bei Dan-Patrick Poggenberg ist noch alles offen, der 24-jährige Linksverteidiger konnte sich in der Hinrunde wegen einer langwierigen Sprunggelenksverletzung noch nicht empfehlen – im letzten Zweitligajahr wurde er jedoch regelmäßig von Ilia Gruev in der Startelf eingesetzt. Davon ist Martin Dausch derzeit weit entfernt. Der einstige Königstransfer der Zebras kommt seit seiner Hüftverletzung nicht mehr richtig in Tritt – greift die Klausel bei ihm nicht automatisch durch einen Aufstieg, stehen die Zeichen hier wohl eher auf Trennung.

Die Fragezeichen

Mit einem Abgang im Sommer werden sich tendenziell auch Marcel Lenz und Mohammend Cissé beschäftigen. Duisburgs Relegations-Torwart gehört zu den dienstältesten Zebras, konnte sich in sechseinhalb Jahren jedoch nie durchsetzen. Ohne ein kleines Fußballwunder wird sich daran wohl auch nichts mehr ändern. Eigengewächs Cissé spielte außerhalb von Testspielen noch keine Rolle.

Spannender werden die Personalien Simon Brandstetter und Thomas Bröker. Beide überzeugten noch nicht mit ihrer Leistung, auch wenn Brandstetters Formkurve in der Winter-Vorbereitung wieder steil nach oben zeigt. Dies war allerdings auch schon im Sommer der Fall, dennoch gelangen dem Ex-Erfurter erst zwei Treffer für die Zebras. Auch Thomas Bröker wird sich strecken müssen, denn mit Ahmet Engin entwickelte sich zuletzt ein konstanter Konkurrent auf seiner Position. Ohne ein richtiges Ausrufezeichen wird es für den Ex-Kölner schwer – vor allem, wenn der Weg Richtung 2. Bundesliga geht.

   
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