Meppener Gefühlschaos: Ein Leben in der Nachspielzeit

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Bei keinem anderen Klub entscheidet sich die Frage nach Sieg, Remis oder Niederlage so oft in letzter Sekunde wie beim SV Meppen. Am Sonntag jubelten die Emsländer zum zweiten Mal in Folge mit dem Schlusspfiff, in dieser Spielzeit sah es jedoch auch schon ganz anders aus. liga3-online.de blickt auf alle 11 Last-Minute-Treffer in Partien mit Beteiligung der Emsländer.

Spieltag 2: Meppen verliert 0:2 gegen Osnabrück

Schon am zweiten Spieltag ärgert sich der SVM das erste Mal, damals allerdings eher über die eigene Chancenverwertung als ein spät aus der Hand gegebenes Match. Denn der VfL Osnabrück, dessen wahre Stärke zu diesem Zeitpunkt der Saison noch keiner ahnt, ging bereits nach etwa 60 Minuten in Führung. Das späte 2:0 von Anas Ouahim in der zweiten Minute der Nachspielzeit schraubt nicht mehr als den berühmten Deckel auf die Partie.

Spieltag 3: Später Knockout in Duisburg

Um den Fehlstart zu vermeiden, musste ein Sieg beim ambitionierten Aufsteiger aus Uerdingen her – und tatsächlich liegt der SV Meppen fast eine Stunde des Spiels in Führung. Doch erst gibt es das 2:2 nach 80 Minuten, dann läuft erneut die Nachspielzeit…und der SVM kassiert den zweiten Nackenschlag binnen weniger Tage: Lucas Musculus trifft in der dritten Minute der Nachspielzeit zum 3:2-Endstand für Uerdingen, Meppen rutscht mit nur einem Punkt aus drei Spielen gleich zum Auftakt in die Abstiegszone.

Spieltag 5: Die pure Erlösung in Cottbus

Mittlerweile hat die Elf von Trainer Christian Neidhart den ersten Saisonsieg eingefahren, doch beim Auswärtsspiel darauf sieht es in Cottbus trotz starker Leistung lange nicht gut aus – auch weil ein regulärer Treffer von Nico Granatowski nicht anerkannt wird. So heißt es bis zur dritten Minute der Nachspielzeit 0:1 aus Meppener Sicht, es läuft der letzte Angriff. Mit aller Macht versucht Meppen, in drei Anläufen das Leder über die Linie zu drücken, und schließlich gelingt es Granatowski, mit dem 1:1-Ausgleich den Auswärtspunkt zu sichern. Was für eine Erleichterung!

Spieltag 6: Nix geht mehr gegen Rostock

Das vierte Last-Minute-Tor ist schnell erzählt: Hansa Rostock führt 3:0 in Meppen, ehe Kai Bülow unglücklich angeschossen wird und in der vierte Minute der Nachspielzeit das Eigentor zum 1:3-Endstand beisteuert.

Spieltag 9: Tiefschlag in Würzburg

Bei nur sechs Punkten aus acht Spielen und dem letzten Tabellenplatz durfte im Emsland durchaus von einer Krisensituation gesprochen werden. Umso wichtiger scheint die frühe 1:0-Führung nach nur fünf Minuten bei formstarken Würzburgern. Doch der Vorsprung hält nur bis Sekunden vor der Pause, die erste moralische Ohrfeige für den SVM. Schlimmer wird es in der zweiten Halbzeit: Dave Gnaase nagelt den Ball zum Würzburger Sieg in den Winkel, als selbst die Nachspielzeit schon abgelaufen ist. Bitterer geht’s kaum.

Spieltag 12: Das Murmeltier grüßt in Großaspach

Bislang hatte der SVM bei späten Toren meist den Nachteil auf seiner Seite, und im Kellerduell bei Sonnenhof Großaspach setzt sich die Negativserie weiter fort. Philipp Hercher ist es, der die Meppener in der dritte Minute der Nachspielzeit mit dem Tor des Tages ins Tal der Tränen stürzt. Zuvor hatte Meppen gute Chancen, und auch nach einem Platzverweis für Marco Komenda selten den Anschein gemacht, an diesem Tag noch einen Gegentreffer zu kassieren. Es geht wieder zurück auf einen Abstiegsplatz.

Spieltag 13: Die Fast-Aufholjagd gegen Münster

Die gute Nachricht: Einen Spieltag darauf ist der SV Meppen endlich wieder selbst dran mit dem Toreschießen in der Nachspielzeit. Allerdings steht es zum Zeitpunkt von Nick Proschwitz' Treffer (90.+3) schon 2:0 für die Gäste aus Westfalen, und es ist nur noch eine weitere Minute zu spielen. Doch das Unglaubliche wird beinahe Realität, als Thilo Leugers eine Hereingabe aus bester Position über den Kasten ballert. Münster aber nimmt die Punkte mit.

Spieltag 14: The same procedure…

In Halle wiederholt sich das, was gegen Münster geschehen ist. Wieder Nick Proschwitz, wieder der Anschluss nach 0:2-Rückstand, dieses Mal in der zweiten Minute der Nachspielzeit. Und wieder reicht es nicht für Punkte.

Spieltag 16: Der Tiefpunkt in Zwickau

Schlimmer geht’s immer, in diesem Fall beim FSV Zwickau. Der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz war im Vorfeld auf vier Punkte angewachsen – ein Punkt war in Sachsen fast schon zu wenig. Doch das Schicksal scheint es dieses Mal gut zu meinen mit den Niedersachsen, die in einer unspektakulären, umkämpften Begegnung nach 30 Minuten in Führung gehen. Mit Mann und Maus verteidigt Meppen den Vorsprung lange, nicht aber bis zum Schlusspfiff. Nico Antonitsch markiert in der Schlussminute das 1:1, Meppen hat nun fünf Punkte Rückstand. Und hat längst das Pech eines Absteigers.

Spieltag 22: Das Wunder gegen Uerdingen

Verdächtige fünf Spieltage lang hatte es in Punktspielen mit Beteiligung des SV Meppen keine Treffer in der Nachspielzeit gegeben. Offenbar hatte sich da etwas angestaut, denn gegen den KFC Uerdingen entlädt sich all der Frust über so viele verspielte Punkte eindrucksvoll. Noch in der 84. Minute steht es 0:2 aus Sicht der emsländischen Gastgeber, dann startet die Aufholjagd, die einen festen Platz im Jahresrückblick sicher hat. In der fünften (!) Minute der Nachspielzeit schließlich der mittlerweile last-minute-erfahrene Nick Proschwitz zum Elfmeter an – und schießt den SVM mit dem 3:2-Siegtreffer ins Glück.

Spieltag 23: Aalens Keeper serviert den Auswärtssieg

Und auch das jüngste Kapitel endet mit einem vielumjubelten Erfolg: Beim Schlusslicht aus Aalen geht Meppen verdient in Führung, vergibt danach hochkarätige Gelegenheiten und muss das 1:1 einstecken. In der zweiten Halbzeit entwickelt sich ein Kick auf niedrigem Niveau, der SVM muss nicht, Aalen kann nicht. Den Schlussakkord aber setzen die Blauen per Eckball: Diesen kann VfR-Keeper Raif Husic nicht fangen, Deniz Undav staubt ab. Aus einst fünf Punkten Rückstand werden vier Zähler Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Der SVM ist lebendiger denn je.

   

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