Kommentar: Das Kartenhaus beim MSV fällt zu leicht zusammen

Was ist schon wieder beim MSV Duisburg los? Nach dem Landespokal-Aus und drei Liga-Niederlagen in Folge ist vom Aufschwung des guten Saisonstarts nichts mehr zu spüren. Wichtige Spieler haben sich seit der Siegesserie im August verletzt. Doch das erklärt nicht die Einstellungsprobleme, die Cheftrainer Torsten Ziegner ausgemacht hat – wieder einmal. Ein Kommentar.

Tristesse in Meiderich ist zurück

Vor genau 34 Tagen listete liga3-online.de noch vier Gründe auf, warum der MSV Duisburg wieder serienweise Spiele gewinnt und in dieser Saison womöglich nicht bis zum Saisonende um den Klassenerhalt kämpfen muss. Sogar der dritte Platz war nach einer Siegesserie im August greifbar – und mit noch mehr Matchglück hätten die Zebras vielleicht sogar schon vier bis sechs Punkte mehr auf dem Konto. Doch der Fußball macht einmal mehr klar, dass er nicht im Konjunktiv stattfindet. In Meiderich ist die Tristesse schon wieder zurück. Ein fliegender Senf-Eimer nach dem 1:2-Pokalaus in Oberhausen machte mehr als deutlich, wie sehr die Fans vom MSV genervt sind.

Der Verein macht eigentlich gerade vieles richtig, um die Zuschauer wieder mit ins Boot zu holen. Fan-Ideen sollen künftig in die Planungen integriert werden, eine Fan-Mannschaft soll in der Kreisklasse auflaufen. Doch auf dem Rasen reißen die Spieler das Publikum nicht mit. Gegen 1860 München (1:4) unterlagen die Zebras klar, was mal passieren kann. Dynamo Dresden (0:1) reichte ein Schuss vom Punkt, um optisch überlegene Duisburger zu schlagen. Aber gegen Verl (0:1) und Oberhausen (1:2) war dann plötzlich auch nichts mehr vom Einsatzwillen und der Leidenschaft zu sehen, die den MSV zum Saisonstart so stark gemacht haben. Torsten Ziegner ist mittlerweile zum Dauer-Kritiker geworden. Seine Argumente klingen sehr ähnlich zu denen seiner Vorgänger.

Ohne Stoppelkamp kaum Tore

Einzig in der Beurteilung zur Defensive unterscheiden sich Ziegners Aussagen, denn die Abwehr des MSV ist dieses Mal nicht das Problem. Fehlt ein Baustein der neuen Viererkette, wie beispielsweise durch den Ausfall von Sebastian Mai, dann wird es allerdings schon mal brenzlig. Aber trotz des Ausrutschers gegen 1860 war das Abwehrverhalten insgesamt schon überzeugend. Jetzt drückt der Schuh jedoch in der Offensive – denn an elf Treffern war Moritz Stoppelkamp achtmal beteiligt. Hat der MSV-Kapitän keinen guten Tag, dann läuft es nicht. Und trotzdem steht der 35-Jährige aufgrund seiner teilweise egoistisch anmutenden Spielweise immer wieder bei den Fans in der Kritik.

Doch seien wir mal ehrlich: Was soll Stoppelkamp machen? Von anderen Spielern kommen keine sportlichen Argumente. Selbst wenn der MSV-Kapitän in der Kabine nicht der Liebling sein sollte, was keinesfalls bewiesen ist, dann haben sämtliche Konkurrenten im Landespokal-Spiel ihre Chance verpasst, um in die Bresche zu springen. Fraglich ist daher einmal mehr, was hinter den Kulissen beim MSV wirklich passiert. Was stimmt nicht im Team, dass immer und immer wieder dieselben Probleme, Kritiken und Phrasen auftauchen? Oder ist es am Ende doch einfach ein Qualitätsproblem? Die Siegesserie im August beweist eigentlich, dass dem nicht so ist – und da dürfen auch die Verletzten keine Ausrede sein.

Konsequenz und Selbstkritik von Ziegner?

Natürlich fehlt der Spielwitz von Alaa Bakir (Meniskusriss) oder die Stabilität von Caspar Jander (Bänderriss), die es zu Saisonbeginn so gut gemacht haben. Auch die lange Suche nach einem Stürmer endete mit Benjamin Girth (Schulterverletzung) unglücklich. Doch das Kartenhaus beim MSV fällt zu leicht zusammen. Der Cheftrainer kündigte nun, wie auch schon andere vor ihm,  Konsequenzen aufgrund der Art und Weise des letzten Auftritts an.

Zu erwarten ist daher, dass die Fans es entsprechend quittieren werden, wenn am kommenden Samstag (14 Uhr) gegen Halle wieder überwiegend dieselben Spieler in der Startelf stehen. Wichtig ist aber auch, dass Ziegner nun sich und sein System genauso kritisch hinterfragt – denn klar ist: Sollte wieder ein Trainer diese Mannschaft verlieren, dann wären es in den letzten zwei Jahren nicht die ersten Karrieren, die in Duisburg zu Ende gehen.

 
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