KFC-Kapitän Lukimya: "Dachte, ich hätte schon alles gesehen"

Beim KFC Uerdingen herrscht seit Wochen Chaos. Nach der Einleitung des Insolvenzverfahrens ist trotz eines neuen Investors noch nicht klar, ob die Saison zu Ende gespielt werden kann. Selbst die Austragung der kommenden Spiele war zuletzt nicht sicher. Es sind Umstände, die natürlich an den Spielern nagen. Kapitän Assani Lukimya gewährt in einem Interview mit der "Westdeutschen Zeitung" nun Einblicke in seine Gefühlswelt.

"Gedacht, ich hätte schon alles gesehen"

Beim 1:3 in Wiesbaden zeigten die KFC-Kicker am Montagabend zwar eine ordentliche Leistung, gingen am Ende aber dennoch als Verlierer vom Platz. Erst drei Tage vor dem Spiel war klar, dass dieses überhaupt stattfinden konnte. Der Klub hatte Ende vergangener Woche kurzfristig ein finanzielles Loch gestopft, sodass der Mannschaftsbus gebucht werden konnte. Zudem durfte das Team nicht wie im Profifußball üblich einen Tag eher anreisen und in einem Hotel übernachten. Aus Kostengründen ging es nur in ein Tageshotel. Nach der Anreise am Montag ging es nach dem Abpfiff in Wiesbaden sofort wieder zurück.

Es sind jedoch nur weitere Aspekte in einem seit vielen Monaten anhaltenden Chaos. Nach dem Antrag auf ein Insolvenzverfahren im Januar ist auch noch immer nicht klar, ob der einst ambitionierte Verein die Saison überhaupt zu Ende spielen kann, dafür genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. "Aus meiner Zeit in China habe ich eigentlich gedacht, ich hätte schon alles gesehen", sagte Kapitän Assani Lukimya. Der nun 35-Jährige war im Januar 2019 vom Liaoning FC aus China nach Krefeld gewechselt und hatte gehofft, in Deutschland professionellere Strukturen vorzufinden. "Dass die Umstände jetzt sind wie sie sind und wir mitten in einer Insolvenz stecken, hätte ich im Leben nicht gedacht", so der Verteidiger.

Trainer Stefan Krämer hilft bei Geldproblemen

Die aktuelle Situation nage vor allem an den Nerven der jüngeren Spieler. Viele seien momentan überfordert. Zudem kommen auch finanzielle Sorgen, wenn "das Gehalt viel zu spät kommt, gibt es auch Probleme für einige Jungs". Deshalb helfe auch mal Trainer Stefan Krämer aus, verrät der Profi, der seinen Coach als "positives Element" bezeichnet. Das sei wichtig, "da es nicht viele positive Nachrichten gibt. Er versucht der Mannschaft jeden Tag Energie zu geben".

Großen Anteil an der aktuellen wirtschaftlichen Misere trifft Ex-Präsident und Investor Mikhail Ponomarev. Der Russe war im März 2015 als Mäzen und Vize-Präsident beim KFC eingestiegen. Dank seiner finanziellen Hilfe gelang der Aufstieg aus der fünften in die dritte Liga. Abseits des Platzes brachte er den Klub jedoch immer wieder in die Negativschlagzeilen. "Klar hat er auch Fehler gemacht, das ist menschlich", gibt sich Lukimya diplomatisch. "Aber man muss ja sagen, wenn Herr Ponomarev nicht wäre, wäre der KFC immer noch in der Oberliga." Deshalb solle "man ihm mit Respekt entgegentreten. Immer nur drauf zu hauen bringt auch nichts".

Forderungen an neuen Investor

Seit Anfang Februar ist klar, dass die Noah Company als neuer Investor beim KFC einsteigen wird. Der Geldgeber mit Sitz in Armenien soll bessere Voraussetzungen für den Verein schaffen, fordert Lukimya: "Wenn man sich andere Vereine anschaut, muss man sagen, dass viele eine bessere Infrastruktur haben als wir. Nur mit Geld allein kann man halt nicht aufsteigen. Es wurden hier Fehler gemacht." Der Vertrag des Deutsch-Kongolesen läuft nach der Saison aus. Wie es weitergeht, ist noch offen. Ein Karriereende spielt in seinen aktuellen Plänen keine Rolle, er fühle sich "fit". Doch "wenn es hier wieder so wird wie in dieser Saison, würde ich das nicht noch mal machen. Das ist mental sehr belastend", überlegt sich der 86-malige Erstligaspieler ganz genau, ob er beim KFC bleibt

 
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